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Wunder, daß er ihrer nun sofort ansichtig geworden war, und ihr mit etwas beschleunigten Schritten entgegenkam.
Gerade vor der Villa Franz, Norrenbergs trafen sie zusammen.
„Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind, Fräulein Ruthardt", redete Sandory mit einer freundlich ernsten Zurückhaltung, wie sie der seltsamen Form der Einladung wohl entsprach, das junge Mädchen an. „Es ist mir schwer genug geworden, Ihnen ein solches Opfer anzusinnen".
„Soeben erst habe ich Ihren Brief gelesen", erwiderte Margarete, ohne ihn anzusehen, hastig. „Sie können sich denken, daß er mich in große Bestürzung versetzt hat, und daß ich es für meine Pflicht halten mußte, Ihrer Aufforderung zu folgen. Aber ich bitte Sie nun auch dringend, mir so schnell als mögliche zu sagen, was Sie mir mitzuteilen wünschen".
„Gewiß, ich werde Sie nicht lange mit unnützen Vorreden quälen", versicherte er, indem er dicht an ihrer Seite dahinschritt, und sich beim Sprechen ein wenig zu ihr herabbeugte, wie um ihr seine gedämpfte Stimme dadurch besser verständlich zu machen. „Sie ahnen bereits, daß es sich um Ihren Bruder handelt?"
Margarete schüttelte den Kopf.
„Nein, aus den Andeutungen Ihres Briefes ließ sich das nicht ersehen".
„So hören Sie! Ihr unerfahrener Bruder ist hier in schlechte Gesellschaft geraten. Er hat hinter dem Rücken Ihrer Eltern lebhaften Verkehr mit Damen vom Theater unterhalten und sich dadurch schließliche zu leichtfertigen, ja, unehrenhaften Handlungen verführen lassen".
„Das ist nicht wahr!" fuhr Margarete unwillig auf. „Es mag sein, daß er in seiner Unerfahrenheit und in seiner Neigung zur Schwärmerei etwas gethan hat, das thöricht ist- einer Schlechtigkeit aber, einer Ehrlosigkeit ist er nicht fähig".
„Daß Sie so von ihm denken, ist begreiflich, aber ich muß Ihren Glauben an die Makellosigkeit seines Charakters leider zerstören. Was er gethan hat, war nicht nur moralisch verwerfliche sondern es würde ihn irrt Fall einer Entdeckung auch vor den Strafrichter gebracht haben".
„Und was — was hat er begangen?"
„Er hat eine größere Summe unterschlagen, die ihm von seinem Chef, dem Bankier Norrenberg, zum Zwecke einer Zahlung anvertraut worden war. Sie werden trotz Ihrer Unkenntnis der betreffenden Gesetzesbestimmungen wissen, mein liebes Fräulein, daß solche Vergehen sehr streng geahndet werden, um so strenger, wenn nicht die Not, sondern lediglich ein Hang zu ausschweifenden Vergnügungen als Triebfeder der verbrecherischen Handlung anzusehen ist".
Die Bestimmtheit seiner niederschmetternden Mitteilung schloß ja eigentlich jeden Zweifel an ihrer Richtigkeit aus, aber Margarete konnte sich doch nicht entschließen, daran zu glauben.
(Fortsetzung folgt.)
Geinsinirütziges.
Blumenpflege.
Blumen für Schulkinder. In Altona hat sich der „Verein jüngerer Lehrer" mit dem Gartenbauverein „Pomona" — so berichtet der praktische Ratgeber im Obstund -Gartenbau — zusammengethan, um im vergangenen Frühjahr 1700 angewurzelte Stecklinge von Geranien, Fuchsien, Petunien, Begonien, chinesischen Primeln, Chrysanthemen, Iris und Myrten an Schulkinder zur Pflege und „lauterem Wettbewerb" zu verteilen. Jetzt ist die Prüfung und Preisverteilung vorgenommen und hat das überraschende Resultat ergeben, daß fast keins der Kinder mit seinen Pflanzen fehlte. Als Preise wurden wieder Topfgewächse verteilt. Auf diese Weise wird praktisch auch in den Großstädten in den Kindern Liebe zur Natur und Gemütsleben geweckt und gestärkt. Das Beispiel verdient überall Nachahmung.
Literarisches.
— Und hält« der Lieb« nicht — Drei Novellen von Agnes Harder. Druck und Verlag: Faber'schc Buchdruckereh Magdeburg. Preis geh. Mk. 2,75, geb. Mk. 4,—.
Agnes Harders erfrischende Art schreitet nicht auf thönernen Füßen einher, gründet sich vielmehr auf gediegenes Wissen, gepaart mit seltener Welterfahrenheit, von scharfer Beobachtungsgabe begleitet.
Auch die vorliegenden drei Novellen: Bis an's Ende. Ein vergessener Kuß. Leitmotive, verraten offenes Auge, klaren Verstand und empfängliches Herz. Das Suchen und die Sehnsucht nach- Ersüllung stellt die Verfasserin über alles Vollendete. Kritik nennt sie ihr einziges Talent. Uns genügt das; denn diese Kritik, erfüllt von dem Geiste znrechthelfender Liebe, ist herzgewinnend, und zeigt, wie ihr die Liebe Auge und Herz öffnete.
Wir wollen die Novellen hier nicht zerpflücken, sie würden dadurch ihres eigenartigen Reizes verlustig gehen.
Welt und Menschen kennen zu lernen und dabei des Besten in der Welt bewußt zu werden und zu bleiben, dazu wollen die drei Novellen dienen. Diesen Liebesdienst erfüllen sic meisterhaft. Bdt.
G«schtcht« Friedrichs des Großen. Von Franz Kugler. Mit 400 Illustrationen, gezeichnet von Adolf Menzel. Volksausgabe. 5. Auflage. Preis geb. Mk. 6,—. Leipzig 1901. Hermann Mendelssohn Verlag.
Ein Volks buck in deS Wortes weitestem Sinne. Welches Preußen, ja Deutschen Herz schlüge nicht höher beim Gedenken des Großen Friedrich, der das Goethe'sche Wort:
„Es bildet ein Talent sich in der Stille, Sich ein Charakter in dem Strom der Welt" verkörpert, wie selten ein Herrscher? Ein ragender Bronzefels im brandenden Völkermeer steht er da als der Mann, der recht eigentlich den Grund gelegt hat zum endlich geeinten Deutschen Reiche. Schlicht, troh aller Größe, und groß gerade in seiner - chlichtheit. Er brachte den deutschen Namen wieder zu Ehren und weckte das schlummernde Nationalbewußt- sein zu neuem Leben. Deutschem Wort verschaffte er wiederum Geltung durch deutsche That und erfüllte so mit Deutschlands Ruhm die Lande. Wer mit vollem Bewußtsein sich einen Deutschen nennen will, der muß Leben und Thaten des großen Königs zu würdigen wissen. Dazu will das vorliegende Buch allen denen verhelfen, die es bisher der Mühe nicht für wert hielten, sich auf ihren Beruf als Deutsche zu besinnen.
Geschichtsbücher haben mit ihrem Zahlengerippe leicht etwas Trockenes an sich. Das ist hier nicht der Fall. Alles ist lebendig, packend, zwingend; dafür bürgt neben dem Namen des als Feldherr, Staatsmann und Gelehrter gleich bedeutenden Helden, auch der des Verfassers und Bildners. Bdt.
Telegraphenrebus.
(Nachbildung verboten).
(Es gellen nur die auf die Punkte fallenden Buchstaben.)
Auflösung in nächster Nummer.
7**
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Auflösung der Charade in voriger Nummer r A n g u st.
ZMchilt nimmermehr die Stunde hart, W Die fort von dir was Teures reißt;
Sie schreitet durch die Gegenwart Als ferner Zukunft dunkler Geist;
Sie will dich vorbereiten, ernst, Auf das, was unabwendbar droht, Damit du heut' entbehren lernst, Was morgen sicher raubt der Tod.
Friedrich Hebbel.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
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