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beluden Perpendikel des gedachten Werkes in jenem wich­tigen Moment aufgehalten haben dürfte, um einer im heimischen Frankreich bestehenden Sitte auch auf märki­schem Boden zu genügen. '

Abesgefahr bedroht und Todesboten mahnen die sterblichen jederzeit. Der Weise behält sie unausgesetzt rm Auge und regelt fein Leben nach einer untrüglichen "tetbem ®etoTf,Cn' ist er allenfalls zur Heimfahrt ge-

Dem Gedächtnis unserer vollendeten Lieben gilt der Heutige Tag. Möchte er uns vergegenwärtigen, was ver­gangen und was bevorsteht, damit wir geschickt werden, zu leben in Zeit und Ewigkeit. D. R.

(Nachdruck verboten.)

Unter dem Schwerte der Themis.

Roman von Reinhold Ortmann.

(Fortsetzung.)

Traurig und bekümmert, wie es seit langer, Anger Zeit nicht gewesen war, ging Margarete ihren häuslichen Verrichtungen nach. Den Brief mit der un­bekannten Handschrift hatte sie längst vergessen, und nach Verlauf von Stunden erst wurde sie durch ein Rascheln des Papiers in ihrer Tasche wieder an ihn erinnert. Ohne besondere Neugierde zog sie ihn hervor und löste Den Umschlag. Aber was sie da las, war doch in hohem Maße danach angethan, ihre Teilnahme zu erregen.

Das Schreiben lautete:

Sehr verehrtes Fräulein!

Bevor ich diese Stadt wahrscheinlich aus immer verlasse, liegt es Mr ob, eine äußerst peinliche, doch lerder unabweisbare Pflicht zu erfüllen. Ein Zufall, für dessen Herbeiführung ich dem Schicksal in diesem Augen­blick keineswegs dankbar bin, hat mich zur mithandeln- den Person in einer Angelegenheit von ernster Bedeutung werden lassen. Es ist möglich, daß ich dabei nicht von allem Anbeginn vollkommen korrekt verfahren bin, aber der Wunsch, einem von neir hochverehrten Manne schweren, vielleicht unheilbaren Kummer Au ersparen, durfte die leisen Bedenklichkeiten meines Gewissens an­fänglich wohl zum Schweigen bringen. Erst durch meinen neuerdings gefaßten Entschluß, wieder in die weite Welt hinaus zu gehen, werde ich vor die unerbittliche Not­wendigkeit gestellt, ohne Rücksicht auf die Trübsal, die daraus entstehen könnte, den strengen Geboten der Pflicht zu folgen. Es ist mir leider nicht möglich, mich auf dem Papier deutlicher über diesen traurigen Konflikt und seine Ursachen auszusprechen; aber der Umstand, daß ich mir überhaupt herausnehmen darf, Sie damit zu behelligen, muß Sie bereits ahnen lassen, um wen es sich handelt. In der That stehen die hier in Frage kom­menden Personen Ihrem Herzen so nahe, daß ein Kummer, von dem jene betroffen würden, auch Sie nur zu sehr in Mitleidenschaft ziehen müßte. Der Gedanke, daß Sie dann vielleicht in mir den eigentlichen Urheber des ganzen Unglücks erblicken und meiner mit noch tieferem Abscheu gedenken würden, als es wohl schon ohnedies der Fall ist, verschärft das Peinvolle meiner Lage fast bis zur Unerträglichkeit. Keinen hochherzigeren Beweis verzeihender Großmut könnten Sie mir gewähren, als wenn Sie mir Gelegenheit gäben, mich persönlich mit Ihnen auszusprechen, ehe ich in der leidigen Sache jenen entscheidenden Schritt thue, der so verhängnisvolle Folgen haben kann, und den ich darum so gern vermieden sähe, wenn man mir eine Möglichkeit dazu zeigen könnte. Man sagt ja, daß Frauenherzen in solchen Fällen er­finderischer seien, als der Verstand des Mannes, dem die unverrückbaren Schranken des Pflichtbewußtseins den Mick einengen. Vielleicht vermag Ihre Kindesliebe wirk­lich den rettenden Ausweg zu entdecken, den ich bisher vergebens zu finden fuchte. Halten Sie sich versichert, wein verehrtes Fräulein, daß niemand glücklicher darüber sein würde als ich, der Ihnen und den Ihrigen von ganzem Herzen nur das allerbeste wünscht.

Aber die Zeit drängt, und ich darf nicht daran denken. Sie in Ihres Vaters Hause auszusuchen, wenn nicht zugleich alles, was ich so gern bis zum letzten, grausamsten Augenblick verschweigen möchte, offenbar wer­den soll. Deshalb wage ich es. Sie noch für den heutigen Tag um eine kurze Unterredung an drittem Orte zu bitten. Ich werde Sie zwischen elf und zwölf Uhr vor­mittags in jener Villenstraße außerhalb der Stadtmauer erwarten, wo ich Sie am Tage meiner Ankunft in Walden- berg zum erstenmal gesprochen. Und ich verpfände Ihnen mein Ehrenwort, daß ich von nichts anderem zu Ihnen sprechen werde, als von dieser Angelegenheit, die mir jetzt noch allein am Herzen liegt. Wenn Sie trotzdem nicht erscheinen und mir auch bis elf Uhr keine Antwort in denKönig von Spanien" senden, so nehme ich an, daß Sie mich dadurch stillschweigend ermächtigen, lediglich nach den Geboten der Pflicht zu handeln, und ich werde Ihnen auch dafür dankbar sein, weil ich den Gedanken an die unvermeidlichen Folgen dieses Handelns dann wenigstens ohne quälenden Selbstvorwurf werde ertragen können.

In tiefer Verehrung Ihr treuester Diener

Rudolf Sandory".

Zum drittenmale schon hatte Margarete diesen rätsel­haften Brief gelesen, ohne etwas anderes zu begreifen, als daß sich irgend ein furchtbares Geheimnis hinter seinen unverständlichen Andeutungen verberge. Ihr Herz klopfte so ungestüm, und ihre Kniee zitterten so, daß sie sich niedersetzen mußte. Ratlos und verzweifelt starrte sie auf das unglückselige Blatt, dessen Schriftzüge sie vor eine so schwere Entscheidung stellten. Ein Blick auf die Wanduhr hatte sie belehrt, daß es schon einige Mi­nuten über elf war. Sie hatte also nicht einmal Zeit, ernstlich mit sich selber zu Rate zu gehen. Für eine Botschaft in denKönig von Spanien" war es zu spät, denn Sandory mußte, um das verabredete Stelldichein seinerseits inne zu halten, das Hotel längst verlassen haben. Ihre Mutter, der sie sich vielleicht anvertraut haben würde, befand sich irgendwo im Armenviertel der Stadt, wo sie gewiß stundenlang vergeblich nach ihr gesucht hätte; sonst aber gab es keinen Menschen, den sie um Rat und Beistand hätte angehen können.

Und mit jeder Sekunde, die sie hier in unthätigem Zaudern verstreichen ließ, konnte die unbekannte Gefahr, die ihr desto schrecklicher schien, je weniger sie ihre wahre Beschaffenheit ahnte, zum unabwendbaren Ver­hängnis werden. Daß dieser Brief nicht geschrieben wor­den sei, nur um sie ohne Not zu ängstigen und zu er­schrecken, dünkte sie um so gewisser, je öfter sie ihn las. Hier mußte es sich wirklich um das Glück ihrer Familie, um das Wohl oder Wehe eines ihrer nächsten Angehörigen handeln, und wenn sie jetzt aus falschem Schicklichkeitsgefühl den rechten Augenblick versäumte, be­schwor sie damit vielleicht ein namenloses Unheil über diejenigen herauf, die sie auf Erden am zärtlichsten liebte.

Das war eine Vorstellung, die sie nicht lange zu ertragen vermochte. Sie barg den verhängnisvollen Brief und eilte auf ihr Zimmer, um sich hastig zum Ausgehen fertig zu machen. Schon nach, wenig Minuten kam sie m Hut und Jacke herab, erteilte der alten Aufwärterin, die jetzt ganz allein im Hause zurückblieb, die nötigen Anweisungen für die Fertigstellung des Mittagessens und machte sich mit todesbangem Herzen auf den Weg.

Je näher sie der von Sandory bezeichneten Straße kam, desto ängstlicher wurde ihr zu Mut, und ihre Füße wollten sie zuletzt kaum noch tragen. Sie fürchtete srch vor dieser Unterredung, und doch wiederholte sie sich immer wieder den-einzigen Wunsch:Wenn ich ihn nur noch finde!"

Die Besorgnis wenigstens, daß Sandory bereits gegangen sein könnte, war eine grundlose gewesen. Schon von weitem gewahrte sie seine hohe Gestalt, wie er anscheinend gemächlich unter den Bäumen dahin­schritt, welche die Straße schmückten. Sonst war es hier draußen, wie gewöhnlich, ganz menschenleer, und er hätte für eine ungestörte Aussprache wirklich kaum einen ge­eigneteren Ort Vorschlägen können, als diesen. Da er gewiß schon lange auf sie gewartet hatte, war es kein