Bahn ist vorhanden, welche nach einem berühmten Wallfahrtsorte führt.
Alles in allem ist Teheran immerhin noch bedeutend ansehnlicher als die anderen, fast in Trümmern liegenden größeren Städte Persiens, und mit Wehmut erfüllt es das Herz des europäischen Reisenden, wenn er sieht, welche Herrlichkeiten hier in den früheren Kriegen mit bestialischer Wut vernichtet wurden. Namentlich gilt dies von Isfahan, das bis 1722 die Hauptstadt war, aber in genannten Jahren von den Afghanen eingenommen wurde, welche dreiviertel der Bevölkerung in der grausamsten Weise hinmordeten. Wir können hier die treffenden Worte eines der besten Orientkenner, unseres Landsmanns Brugsch anführen, welcher sich folgendermaßen äußert: „Auch Isfahan, das vielgeprüfte, bietet dem Kommenden das Bild der Zerstörung dar. Statt der erwarteten Herrlichkeiten tritt dem Ange eine menschenleere Einöde entgegen, auf der zerfallene und versunkene Häuser, Paläste und Moscheen nur noch durch die Lage ihrer Trümmer die ehemalige Abgrenzung der Straßen der alten Königsstadt angeben. Die Spitzwölbungen der alten Stadtthore hängen und schweben zwischen den zerfressenen Steinmauern, die glasierten Ziegel sind größtenteils verschwunden, wie denn auch die wenigen noch erhaltenen Stücke nur sprechende Zeugen der barbarischen Vernichtung sind, der die Stadt während ihrer wechselvollen Schicksale preisgegeben war." Gegen das Zentrum zu ändert sich das Bild. „Inmitten der Stadt zeigen sich schon aus der Herne jene paradiesischen Königsgärten, die mit ihren wundervollen Bauten für sich allein eine Reise nach Isfahan in vollem Maße verdienen. Ein herrliches Portal bildet den Haupteingang zu dem Quartier der Königsstadt. Wunderschöne Ornamente und Arabesken flimmern auf dem azurblauen Hintergrund der glasierten Ziegel. Besonders ein Lustschloß aus der Zeit der Jafiden ist ein Juwel der Baukunst. Es heißt das „Nachtigallenschloß des Paradieses" und bietet dem erstaunten Blick eine fortwährende Augenweide. Mosaiken von unerhörter Pracht, Wasserbecken mit Springbrunnen aus edlem Jaspis, vergoldete Geländer, Fensterrahmen aus Silber mit Scheiben aus buntfarbigem Glase und dazu Malereien, zu denen eine glühende Phantasie ihre Vorbilder aus dem intimen Haremsleben der Länder von „Tausend und eine Nacht" geschöpft hat, das ist das berückende Kaleidoskop, dessen wechselvolle Bilder sich, hier vor dem erstaunten Auge abrollen."
Draußen auf dem Lande aber stehen die kläglichen Lehmhütten an Straßen, die diesen Namen nicht verdienen und nichts anderes sind, als ausgetretene Pfade und aus- gesahrene Geleise. Daß in einem Lande, wo stellenweise ein volles halbes Jahr kein Tropfen Regen fällt, weite Bezirke völlige Wüsten sind, ist begreiflich. Immerhin könnte Persien, welches jetzt etwa 9 Millionen Einwohner zählt, gut die dreifache Anzahl Menschen ernähren, wenn man sich, die Mühe gäbe, alles zu bewässern, was dessen fähig ist. Wer aber sein Geld aus Meliorationen aufwendet, lenkt, sobald er die Früchte seines Fleißes zu ernten beginnt, dadurch die Aufmerksamkeit des nichtsnutzigen, räuberischen Beamtentums auf sich, welches schon irgend einen Grund findet, ihn bis aufs Hemd auszuplündern. Jeder der etwas besitzt, beeilt sich daher auch, sein Eigentum in leichtzuverbergenden Kostbarkeiten anzulegen, und der Schah macht es ganz ebenso, wenn er, dem Beispiel seiner Vorgänger folgend, Schätze aufstapelt, wie sie in dieser Reichhaltigkeit kein europäischer Souverän besitzt.
Handel und Industrie liegen dabei natürlich darnieder, und die gebildeten Perser sehen längst selber ein, daß eine Wendung zum Besseren nur von außen kommen kann. Erläßt die Regierung wirklich einmal eine Verordnung, die auf Reformen abzielt, so wird sie von den unteren Organen ganz sicher nicht ausgesührt, und selbst ein reformatorisches Genie auf diesem Throne müßte mit seinen wohlwollendsten Bemühungen wegen des Mangels an zuverlässigen Exekutivorganen scheitern, während Rußland auf dem Wege der friedlichen Eroberung einen Schritt nach dem anderen vorwärts thut.
Eines Tages wird der Schah, wenn ihm Gott so lange das Leben schenkt, als mediatisierter Fürst erwachen: über
dem Lande der Sonne aber wird eine neue Sonne des Fortschrittes aufgehen, welche in diesem wie in vielen anderen orientalischen Ländern, die heute mit Unrecht als wertlos angesehen werden, reichliche Früchte zeitigen wird.
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Ield und Karten.
Schwermit Früchten beladene Ob st bäume stützen! In vielen Teilen Deutschlands giebt es in diesem Jahre eine ausgezeichnete Obsternte. Da richtet der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau in seiner eben ausgegebenen Nummer die Mahnung an alle Obstzüchter, ihre Obstbäume rechtzeitig zu stützen, damit die Aeste nicht hernnterbrechen! Solcher Stützen giebt es mehrere Arten. Die bequemsten und richtigsten Stützen! bleiben immer die Gabelstützen, die unter die herabhängerv- den Aeste geschoben werden. Stangen aber mit natürlicher sicherer Endgabel sind besonders in größeren Mengen schwer zu bekommen. Zum Ersatz empfiehlt sich für junge Bäume eine derbe hohe Stange, an die die haltbedürftigsten Aeste angebunden werden. Ein weiteres praktisches Stützverfahren besteht in zwei Stangen, die neben die Bäume in angemessener Entfernung in die Erde geschlagen werden, über die dann eine dritte Stange wagerecht genagelt wird. Aus den so entstehenden Galgen werden die Aeste gelegt. Bei höheren Aesten empfiehlt es sich, ein oben mit Filz gepolstertes Brettchpn auf eine Stange zu nageln und unter den Ast zu schrieben. Auch können hohe Stangen in den Boden geschlagen werden, an die die zu stützenden Aeste mit Kokosfasern angebunden werden. Besonderen Wert bekommen die Mahnungen des praktischen Ratgebers dadurch, daß die einzelnen Arten, Bäume zu stützen, klar abgebildet sind, was das Verständnis sehr erleichtert. Die betreffende Nummer wird Obstfreunden gern umsonst zugeschickt von dem Gefchpftsamt in Frankfurt a. O.
Humoristisches.
Aus der Schule. Lehrer: „Was ist Ei für ein Wort?" — Schüler: „Ein Hauptwort!" — Leh-rer: „Welches Geschlecht?" — Schüler: „Dös woas mer no net, bis es auskrochen is!" •
Littermrisches.
Mehke, Nina, Ahasver und andere Novellen, Preis geh. Mk. 3,—, geb. Mk. 4,—, Berlin, Alfred Schall, Königl. Hofbuch- handlung, Verein der Bücherfreunde.
Was der Verein der Bücherfreunde auf den Markt bringt, darf man unbesehen nehmen: es besteht vor jeder Kritik. Drei der gedachten Erzählungen Ahasver, Tempi passati, Ikaros, spielen in russ. Polen und Rußland, verlaufen darum auch verhängnisvoll; ihre Helden werden sämtlich vom Geschick ereilt. Die vierte, des Glückes Glockenton, behandelt sinnig die Entstehung der Sage von der versnnkenen Glocke. Alle vier sind wahre Kabinettstücke packender Schilderung; sie halten den Leser in Atem bis zum letzen Augenblicke. Schade, daß sie so wehmütig ausklingen. — dt.
Citatenrätsel.
Nachdruck verboten.
Ans jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen, sodaß sich ein neues Citat ergiebt.
1. Alles freut sich und hoffet, Wenn der Frühling sich erneut.
2. Das Glück ist falsch, unsicher der Erfolg.
3. Ich gebe nichts verloren, als die Toten.
4. Wer nur den lieben Gott läßt walten . . .
5. Das ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nie hören wollen.
6. Was ist das Leben, wenn die Ehre fehlt!
7. Wird man wo gut ausgenommen, Muß mau nicht gleich wiederkommen.
Auflösung in nächster Nummer.
Avflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer:
Schöne Worte machen das Kraut nicht fett.
»edaktio-r: $. Bnrkbardt. — Druck und Verlag der Brühk'schen Untdersttätr-Vuch- und Stetndruckerei (Pietsch Erden) in Wteiex.


