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grauen Papiers, das zur schmerzlichen Enttäuschung der Empfängerin nichts als die Worte enthielt:
„Der Ueberbringer ist beauftragt, die versprochene Arznei entgegenzuneymen. Meine armen Kranken sagen der edelmütigen Helferin durch mich ihren Dank.
Major S."
Ihrer Zusage eingedenk, richtete Elisabeth keine Frage an den Boten. Schweigend händigte sie ihm das schon bereit gehaltene Lhininpäckchen und ein versiegeltes Schreiben ein, das sie erst in der letzten Stunde fertig gebracht, nachdem sie zuvor wenigstens ein Dutzend andere begonnen und wieder zerrissen hatte. Als sie dann aber dem Manne verstohlen auch einige Geldstücke in die Hand drücken wollte, machte er eine entschieden ablehnende Bewegung, verbeugte sich und ging.
Vom Fenster aus fah Elisabeth, wie er raschen Schrittes das Haus verließ; aber sie sah auch, daß der Verwalter, der eben über den Hof daherkam, ihn anhielt, offenbar um ihn auszusragen. Da öffnete sie schnell entschlossen den Flügel und rief befehlend hinab: „Kommt sogleich zu mir herauf, Wülfing! — Ich habe Euch -inen eiligen Auftrag zu erteilen."
Finsteren Antlitzes leistete Franz ihrem Gebote Folge. Der vermeintliche Bauer aber konnte sich unbehelligt entfernen.
Elftes Kapitel.
Die Wolken hingen schwer hernieder, und ein feiner Sprühregen netzte Elisabeths Gesicht und Kleider, als sie am folgenden Nachmittag, wieder zu Pferde, den nämlichen Weg einschlug, an dessen Ende ihr gestern eine so beglückende und zugleich schmerzliche Ueberraschung zu teil geworden war. Ausmerksam spähte sie oftmals zurück, um sich zu überzeugen, ob ihr Franz nicht etwa auch' heute von weitem Nachfolge. Aber die schroffe Zurechtweisung hatte ihm doch wohl die Lust benommen, noch länger ihren Hüter zu spielen; denn nirgends vermochten Elisabeths scharfe Augen etwas von ihm zu erspähen.
Ihr schönes Antlitz war sehr ernst, und zuweilen konnte sie einen Seufzer erbarmungsvoller Bangigkeit nicht unterdrücken. Nach langem Kämpfen und Zaudern hatte sie sich gestern entschlossen, alle mädchenhafte Scheu beiseite zu setzen und den Major brieflich um eine nochmalige Unterredung zu bitten. Denn in ihrem klugen, energischen Köpfchen war während der einsamen Stunden nach dem schier überwältigenden Wiedersehen mit dem Totgeglaubten ein Plan gereist, der ihm und seinen braven Leuten Befreiung aus ihrer ebenso unwürdigen als gefährlichen Lage bringen sollte, ohne daß Sixtus darum dem geleisteten Schwure hätte untreu werden müssen.
Der glückliche Gedanke hatte ihr Herz gestern nut freudigster Genugthuung erfüllt; während der langen schlaflosen Nacht aber waren ihr dann doch wieder allerlei zaghafte Zweifel und Bedenken gekommen, und sie hatten ihre stolzen Hoffnungen allgemach so tief herabgestimmt, daß sie jetzt mit viel mehr Furcht als Zuversicht dem Verlauf der nächsten Stunde entgegensah.
Zwar daß der Major zu dem Stelldichein an dem von ihr bezeichneten Orte erscheinen würde, bezweifelte sie nicht. Er war zu ritterlich, einer Dame solche Bitte abzuschlagen, und überdies hatte sie ihm geschrieben, daß sie die Unterredung nicht in seinem, sondern in ihrem eigenen Interesse wünsche. Aber sie fürchtete, daß sein Stolz ihm verbieten könnte, ihren Vorschlag anzunehmen, und während des ganzen Weges sann sie unablässig darüber nach, wie sie dem Plan, der ja allerdings einzig zu seinem Besten ersonnen war, in seinen Augen jeden Anschein von Großmut und Selbstlosigkeit nehmen könne.
Die Trümmerstätte des zerstörten Dorfes war ihr Ziel, und fast ohne ihr Zuthun fand der Braune den Weg dorthin. Elisabeth, die sich noch weit von dem Ende ihres Rittes entfernt geglaubt hatte, blickte überrascht empor, da sich plötzlich die weite, öde Lichtung vor ihren Augen auf- that. Sie fühlte ihr Herz in rascheren Schlägen klopfen, als sie zugleich des Mannes ansichtig wurde, dem seit vierundzwanzig Stunden alle ihr Gedanken ausschließlich gegolten hatten.
Sixtus hatte sich wartend auf einen halb verkohlten Baumstumpf niedergelassen, und sobald er die Reite-m
aus dem Walde hervorkommen sah, stand er auf, um ihr entgegen zu gehen. Mit dem ersten Blick auf sein ernstes Gesicht, dessen charaktervolle Züge von ungebeugtem Stolz und eiserner Kraft des Willens sprachen, schwand all ihre Tapferkeit dahin, und wie vom Winde verweht war die Erinnerung an jene klugen und sein berechneten Redewendungen, mit denen sie ihren Vor- schtag zu einem für ihn unverfänglichen und annehmbaren hatte machen wollen. Schpn die Art, tote sie seine höfliche Begrüßung erwiderte und ihm für sein Erscheinen dankte, mußte ihm ihre Verlegenheit offenbar werden lassen. Und sein Benehmen, das sie noch gemessener und zurückhaltender dünkte als gestern, machte es ihr unsäglich schwer, diese störende Befangenheit zu überwinden.
„Vielleicht ziehen Sie es vor, aus dem Sattel zu steigen, mein gnädiges Fräulein", sagte er. „Unter jenen Eichen dort würden Sie besseren Schatz vor dem Regen sinden, und ich habe einen Mann in der Nähe, der Ihr Pferd zugleich mit dem meinigen herumführen kann."
Da sie bereitwillig zustimmte, war er ihr beim Absteigen behilflich und zog dann eine kleine, aus Horn gearbeitete Signalpfeife aus der Tasche seines Attilas, um fünfmal rasch nacheinander einen kurzen, eigentümlichen Pfiff vernehmen zu lassen. Ein Husar, der den Gaul des Majors am Zügel hatte, ritt heran, um auch Elisabeths Pferd in Empfang zu nehmen. Sie aber schritt neben Sixtus, der ihr heute seinen Arm nicht reichte, der von ihm bezeichneten Eichengruppe zu, deren schützendes Blätterdach in der That selbst ein Gewitterregen kaum zu durchdringen vermocht hätte.
Offenbar erwartete er, daß sie als die Urheberin dieser Zusammenkunft zuerst das Schweigen brechen würde, da sie aber umsonst nach dem rechten Wort für die Einleitung suchte, kam er ihr artig zu Hilfe.
„Sie machten mir in Ihrem Briefe Hoffnung, daß ich Ihnen einen Dienst leisten könne, Fräulein von Marschall — ich brauche Ihnen wohl kaum zu sagen, wie stolz und glücklich ich sein würde, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen."
Nun durfte sie nicht mehr zaudern, mit ihrem Vorschlag herauszutommen, und da ihr durchaus keine von den diplomatischen Wendungen wieder einfallen wollte, die sie sich unterwegs zurecht gelegt, entwickelte sie ihm ohne alle Umschweife, wenn auch etwas unsicher und stockend, ihren für einen weiblichen Geist bewundernswürdig kühnen Plan.
Denn nichts Geringeres beabsichtigte sie, als eine Erwerbung der rings um Lasdehnen gelegenen, neuerdings vom Fiskus wieder eingezogenen Staatsdomänen, die insgesamt einen Flächenraum von mehreren Qudrat- meilen umfaßten und sich vor dem Kriege zum Teil in hoher wirtschaftlicher Kultur befunden hatten. Sie zweifelte nicht, daß die brachliegenden, ertraglosen Güter für einen Spottpreis zu haben sein würden, und sie schilderte es dem Major als den vorteilhaftesten Handel von der Welt, wenn sie dem Staate dagegen ihre schlesischen Besitzungen in Tausch gäbe. Denn an eine Erlegung des Kaufpreises in barem Selbe war bei den jetzigen zerütteten Münzverhältnissen nicht zu denken.
(Fortsetzung folgt.)
Perfim und der Schah.
Von Heribert v. Hiller-Sternberg.
Nachdruck verboten.
Pünktlich tote im Frühjahr die Schwalben, hat sich auch zur diesjährigen Jahrhundertausstellung an der Seine der Schah von Persien, Muzaffer-Eddin, eingestellt. Der Gebieter des Landes, von welchem aus vor mehr als 2000 Jahren die ruhmreiche Dynastie der Achämeniden den Völkern von Vorder- und Mittelasien bis an die Schwelle Europas ihre Gesetze vorschrieb, folgt damit nur der Tradition seines Vorgängers Nasr-Eddin, der, abgesehen von seinem ersten Besuche in Europa im Jahre 1873, jedesmal dem Oeeident seine Visite abstattete, wenn es den Franzosen gefiel, die anderen Völker und ihre Fürsten zum großen Jahrmarkt und Tingeltangel nach ihrer Ville lumiere zu


