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mit iMMiüi weißen Spitzenschleier, der ihr Gesicht verhüllt uni) daher die Gräfin als eine weiße Frau erscheinen läßt.
Gras Münster, der Intendant der königlichen Schlösser von Bayern, welcher zu Anfang dieses Jahrhunderts lebte-, behauptete, daß er mehrmals Augenzeuge von jenen Erscheinungen der weißen Frau gewesen fet.
Eine andere berühmte weiße Frau ist jene, die sich zu Darmstadt oft den Augen der Sterblichen darbietet und sozusagen das großherzogliche Haus Hessen-Darmstadt zu beschützen scheint. Die weiße Frau soll nach einigen Anna von Blammild sein und nach anderen Beatrix de Cleves, deren Legende Richard Wagner sich in seinem „Lohengrin" bediente.
Graf Reiset, der Biograph der Marie Antoinette, giebt uns eine genaue Beschreibung, in welcher das unheilverkündende Gespenst vor dem Tode der unglücklichen Königin zu Darmstadt erschienen sei, woselbst er sich als französischer Minister aufhielt. Nach diesem Berichte nun trug sich die Erscheinung in dem alten Schlosse des, Großherzogs und zwar in jener Nacht zu, welche der Hinrichtung der Marie Antoinette vorherging. Prinz Georg von Hessen verfaßte, als man ihn gebeten hatte, seine Eindrücke, die das Gespenst auf ihn hinterlassen, zu Papier zu bringen, jene Beschreibung der weißen Frau, deren bekanntes Manuskript sich gegenwärtig in den Händen der Baronin Emma von Gerlach befindet: „Ihr Gesicht ist fahl, ohne Augen, ohne Nase und Mund. Wenn man sie sieht, läßt sie hinter sich Spuren von dunkler Farbe, Füße und Arme sind versteckt. Ihr Körper ist nur ein Schimmer von totenbleichem Glanze, der sich in Form einer Pyramide erhebt. Den Hals umgiebt eine Spitzenkrause, woraus der längliche Kopf hervorsieht."
Aehnliche Erscheinungen treffen wir auch, häufig in Großbritannien an. Die britische Rundschau berichtet in einem Aufsatze über Häuser, in welchen angeblich Geister umgehen sollen, auch außer andern von einer braunen Frau, die sich im Schlosse des Marquis v. T. zeige, welches in der Grasschaft Norfolk liegt. Es sei dies ein ebenso gespenstisches Wesen von mysteriösem Ursprünge, wie ihre Nebenbuhlerin, die weiße Frau in dem Schlosse von Avenel.
Der Verfasser des englischen Artikels war selbst Augenzeuge der letzten Erscheinung, „wie sie jedermann seit Jahrhunderten sehen konnte: unversehens tritt das Gespenst auf dem großen Korridor aus der Wand heraus, um sich dann rasch in der Schneckenlinie der großen Freitreppe zu ÜBXltCTCTt 11
Es kommt alsdann Jenny die Spinnerin Muster), ein Gespenst, welches immer den erlauchtesten schottischen Familien folgte und einen endlosen, unaufhörlichen Lärm mit seiner Haspel verursachte, wo auch immer der Gegenstand seiner Verfolgung sich befinden mochte.
Der berühmte Lord Castelreagh, Markgraf von Londonderry, hatte sich zu Anfang dieses Jahrhunderts nach Irland begeben, um dort einen befreundeten Edelmann zu besuchen, der ein altes Schloß bewohnte. Die erste Nacht nun, welche Lord Castelreagh in dem ihm angewiesenen Gemache zubrachte, sah er, nachdem er das Licht ausgelöscht hatte, nicht weit von seinem Bette ein wunderschönes Kind stehen, das in Hellem Glanze erstrahlte. Da er nicht annehmen konnte, daß er es mit einer Sinnes- Wuschung -zu thün hatte, so vermutete er, daß es sich um einen schlechten Streich von feiten der zahlreichen Gäste des Schlosses handle. Lord Castelreagh schritt daher auf die Erscheinung zu, die vor ihm zurückwich. Er verfolgte das Kind, bis sich dasselbe endlich in den Rauchfang des Kamins zurückzog und verschjwand. Der Lord legte sich nun zu, Bett, doch vermochte er erklärlicherweise lange nicht einzuschlafen, und brachte die Nacht in Unruhe zu. Tags daraus musterte er genau die Physiognomie sämtlicher Leute, die sich im Hause befanden, ob er nicht irgendwie bei bei einem ein verschmitztes Lächeln warnehme, wie dies zumal der Fall ist, wenn mehrere Mitwisser eines solchen häuslichen Schabernacks sind. Allein alles war vergebens, und er erstattete schließlich von dem Abenteuer der Nacht Bericht. Die Erzählung machte nicht geringen Eindruck auf die Gäste und gab Veranlassung zu den verschiedensten Vermutungen. Allein der Hausherr unterbrach ihr Gespräch,
indem er bemerkte, daß das, was Lord Castelreagh erzählt hätte, wirklich überraschend für die sein müßte, welchen nicht die Legende der Familie bekannt sei. Sodann wandte er sich an den Helden des Abenteuers mit den Worten: „Habt Ihr das strahlende Kind gesehen, so seid froh, es ist dies eine Vorbedeutung für Euch, daß Euch ein großes Glück erblüht. Doch würde es mir lieber gewesen fein, wenn über alles dies kein Wort verloren worden wäre". Lord Castelreagh hatte später noch einmal dieselbe Vision int Parlament. Obschon auch er „eines großen Glückes" teilhastig wurde, so. nahm er sich doch schließlich in einem Anfall von Melancholie das Leben, was vielen zu dem Glauben Anlaß gab, daß er schon nicht mehr ganz recht bei Sinnen gewesen wäre, als er die Erscheinung gehabt hatte.
In Italien ist nur wenig von derartigen Fällen bekannt. Cardanus behauptet in seinen Büchern über die Verschiedenheit der Dinge, daß jedesmal, wenn jemand von der altadeligen Familie de' Torelli zu Parma sterben würde, eine alte Frau in dem Kamine in einem Saale des Stammschlosses gesehen werde.
Auch in Frankreich scheint ein solcher Glaube ntcht so häusig zu sein; ganz unbekannt ist er jedoch auch nicht, wenigstens nicht, was das Königshaus betrifst.
In ihren interessanten Memoiren berichtet Margarethe von Navarra allen Ernstes, daß ihre Mutter (Katharina von Mediei) niemals eines ihrer Kinder verloren habe, ohne erst vorher von einer Frau von hohem Wüchse, die sich ihr in einem schwarzen Kleide gezeigt hätte, benach- richtigt worden zu sein. ,
Die spiritistische Weltanschauung rubrtztert dte thr durchaus erklärlichen Erscheinungen unter die bedeutendsten geschichtlichen Dokumente für ihre eigene Richtigkeit, wie dies in Baron Vesmes Geschichte des Spiritismus (Leipzig, Oswald Mutze) mit Geschick versucht wird. Dr. M.
Literarisches.
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Eisen, Essen.
Redaktion: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben', in Gießen


