Ausgabe 
25.1.1900
 
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nunft". In der Musik glänzten Mozart, Haydn, Beethoven, in der Bildhauerei Canova und Thorwaldsen, in der Malerei Raphael, Mengs, David, Carstens u. s. w., in der Schauspielkunst Eckhof, Jffland und Garrick. Die Volks­wirtschaftslehre erfuhr durch Adam Smith ihre wissen­schaftliche Begründung, und am Ende des Jahrhundexts trat jene gigantische politische Umwälzung ein, die fran­zösische Revolution, welche die alten Mißbräuche beseitigte und die neuen Ideen mit Feuer und Schwert über die Erde trug!

So kam das 19. Jahrhundert heran, unter Kanonen­donner und Schlachtenlärm. Napoleon I. stand als drohen­der Kriegsgott an seiner Schwelle. Die Geschichte hatte ihn zu einer schrecklichen, aber für die Entwickelung doch notwendigen Rolle bestimmt; die französische Revolution hinterließ den Völkern (und auch Deutschland) das nationale Bewußtsein, die bürgerliche Freiheit und freiere politische Verhältnisse. So entstand die Basis, auf welcher Kunst, Wissenschaft, Handel, Industrie und Kunstgewerbe weiter­zubauen'vermochte. Dampf, und Elektrizität begannen ihren grandiosen Siegeslauf, die alte Produktionsweise wurde über den Haufen geworfen, die Maschine trat ihr Regi­ment an. Darwin entdeckte die Gesetze der Entwickelung; Mayer das Gesetz von der Erhaltung der Kraft; Bunsen und Kirchhoff, die uns die Geheimnisse der Sterneuzu- sammensetzung enthüllende Spektralanalyse. Die Photo­graphie setzt uns in den Stand, die Gegenstände bildlich festzuhalten; Telegraph, Telephon, Phonograph, treten in die Dienste des Verkehrs, die Entdeckung der Röntgen­strahlen vermittelt die Erkenntnis des Unsichtbaren. Die Entdeckung der Erde wurde nahezu vollendet, auf dem Gebiete der Litteratur, Kunst und Volkswirtschaft eroberten sich neue Ideen die Herrschaft. Wie könnte ich mich er­kühnen, im Rahmen weniger Zeilen die Triumphe des 19. Jahrhunderts zu erschöpfen? Wir sind ja seine Kinder und sind uns ihrer voll bewußt wir sind stolz auf seine Ergebnisse und treten mit noch stolzeren Hoffnungen in das nächste. Wir haben ja in unserer kurzen Darstellung gesehen, welchen Weg wir in dem verflossenen Jahrtausend zurückgelegt haben von Stufe zu Stufe stiegen wir aufwärts oder vorwärts vielmehr, und erkannten, daß wir in der That den Bau einer einheitlichen Entwicklung erreichten. Wer an dem endlichen Ziel der Menschheit ver­zweifelt, der blicke rückwärts: der Spiegel der Vergangen­heit zeigt ihm den Erfolg der Zukunft:

Er zeigt, wie sich der Geist, der Ewig-eine, Entwickelte in der Jahrtausend Lauf, Und wie sein Strom, der tiefe, Ewig-reine, Manch Bächlein nimmt in seine Wellen auf. Er zeigt, wie Völker stolz sich Wege bahnen. Läßt aus Vergangenheit uns Zukunft ahnen, Läßt uns im Bild der ganzen Menschheit sehn. Daß wir nicht rückwärts, sondern vorwärts gehn!"

Vermischtes.

Eine hochinteressante Erfindung, die zu dem Telephon in engen Beziehungen steht und geeignet ist, sich ebenso schnell wie dieses in der Gunst des Publikums einzubürgern, ist der Kamm'scheF e r n s ch r e i b e r". Dieser Apparat, der in Frank­reich und England bereits vielfach zur Anwendung gelangt, ist am besten alsDrucktelephon" zu bezeichnen. Er besteht ans einer Schreibmaschine, die auf dem gewöhnlichen Wege das Nieder­schreiben einer Mitteilung gestattet und gleichzeitig mit dem Tele­phon verbunden wird, das eine gleiche Schreibmaschine des ange­sprochenen Telephonteilnehmers in Thätigkeit setzt, welche eine der ersten gleiche Niederschrift liefert. Dabei braucht keinerlei Veränderung am Telephon vorgenommen zn werden, auch kann gleichzeitig das Telephon zn mündlicher Unterhaltung benutzt werden. Wenn wir noch hervorheben, daß der ganze Preis des Apparats nur 160 Mark beträgt, so dürfte zur Genüge dargethan sein, daß derselbe einen sehr schätzenswerten Fortschritt ans dem Gebiete der Mitteilung von Haus zu Haus bildet. (Mitgeteilt vom Internationalen Pateutbureau Carl Fr. Reichelt, Berlin.)

Mein Heim, Mein Stolz!" Dies ist die Losung, mit welcher die von Alexander Koch in Darmstadt herausgegebene

überaus reichhaltig illustrierteZeitschrift für Innendekoration" mit dem vorliegenden Januarheft in ihr zweites Dezennium ein­tritt. Während des ersten Jahrzehntes ihres Bestehens ist es diesem Organe gelungen, sich durch ein energisch und ziclbewußt, zugleich mit echt künstlerischem Empfinden dnrchgeführtes Reform- Programm ein außergewöhnliches Ansehen zu erringen. Die Jnnen-Dekoration" wie der Name ihres Herausgebers sind dauernd verbunden mit der großen neuzeitlichen Bewegung, welche, eine stilistische und künstlerische Neubelebung des Heimes, des Hauses und seines Gerätes auf nationaler Grundlage erstrebt. Wenn dieses große Ziel nunmehr bald erreicht ist, 'so hat die Jnnen-Dekoration" hierzu in erster Linie mitgewirkt. Das vorliegende Januar-Heft 1900 zeigt nun, daß die Leitung der Jnnen-Dekoration" mit noch stärkerem Nachdrucke an die Er­füllung ihrer hohen reformatorischen Aufgaben herantreten will als bisher. Schon in der äußeren Ausstattung zeigt das dies­mal drei Bogen in Folio starke Heft eine erhebliche Vervoll­kommnung. Der neue Titelkopf von Val. Mink, in einem eigens vom Verlage ausgeschriebenen Wettbewerbe mit einem ersten Preise von 300 Mark ausgezeichnet, enthält in der Mitte einen für bildliche Darstellung reservierten Raum, in welchem allmonat­lich eine neue interessante Innen- ober Äußen-Architektur von hervorragender Künstlerhand eingefügt werden soll: diesmal ist es eine reizvolle Studie zn einem Landhause von H. Billing in Karlsruhe. Das Heft selbst ist seinem ganzen außerordentlich reichen illustrativen Inhalte nach einem Künstler gewidmet, der wie fein anderer die modernen Reform-Ideen bis zu ihren äußersten Konsequenzen durchgeführt hat, einem Künstler, der seiner ganzen Persönlichkeit nach geradezu als der Typus der kunstgewerblichenModerne" gelten kann: dem genialen Nieder­länder Henry van de Velde. Ein glänzend geschriebener und tief in die Bedeutung des Problems eindringender Aufsatz von Doktor Max Osborn beleuchtet uns die ganze künstlerische Persönlichkeit Van de Velde's, ohne Voreingenommenheit mit streng sachlichem Urteil, das sich den bedenklichen Seiten des Künstlers nicht ver­schließt und die jüngeren warnt, in eine falsch verstandene Ab­hängigkeit zu Van de Velde zu treten. Im Übrigen dürfte die Bedeutung Van de Velde's für die moderne Entwickelung noch nie, so überzeugend dargethan worden sein als hier, wo wir unter Beifügung zahlreicher»Jllustrationen und Kunstbeilagen gleichsam sein ganzes gereiftes Schaffen Überblicken. Wir sehen n. a. Möbel und Zimmer-Einrichtungen in mnstergiltigen Reproduktionen, Original-Entwürfe des Meisters für Teppiche, Balkons, Buch­schmuck, Einbände, ferner in teils ganzseitiger Wiedergabe auf mehreren Blättern die großartige Laden-Einrichtung modernen Stils, welche Van de Velde für die Havanna-Cie. in Berlin ge­schaffen hat, mit vielen reizvollen Details, endlich zwei sorgfältig in vornehmer Tönung gedruckte Beilagen: Schlafzimmer und Zigarren-Laden". Interessante Aufsätze von A.' Plehn über Das Bild als Kunstverglasung und Wand-Teppich" und Doktor H. Schmidkunz über Theaterbau vervollständigen den Inhalt dieses in jeder Hinsicht hochkünstlerischen Heftes, das wiederum beweist, daß Koch'sJnnen-Dekoration" nicht nur dem Fach- manne und Künstler unentbehrlich, sondern in der ganzen Anlage und Ausstattung für jeden Gebildeten eine reichfließende Quelle edelster Anregung und Geschmacksbildung ist. Wir zweifeln nicht, daß diese als Probeheft zum Versand gelangende Januar-Nummer die Zahl der Freunde dieser einzigartigen Kunstzeitschrift für die gesamte innere Ausstattung und Ausschmückung der Wohnräume sehr vermehren wird. Das Jahres-Abonnement (20 Mk., Aus­land. 22 Mk.) bei 12 reichillustrierten Heften ist int Verhältnis zu dem Gebolenen außerordentlich billig.

Narnenrätsel.

Nachdruck verboten.

Adelgunde Bertha Gretchen Irmtraut Karolinc Mathilde | Melanie.

Die vorstehenden Mädchennamen sollen derart geordnet werden, daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweite des zweiten, der dritte des dritten u. s. w. wiederum einen Mädchennamen ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer:

(Mit a, b, c, ä werden die vier Farben bezeichnet; also a Eichel, Treff; b Grün, Pique; c = Rot, Coeur; d Schellen, Carrean;

A; U Unter, Wenzel, Bube; D = Dame, Ober.)

Vorhand hatte a 9, a 8, a 7, c K, o D, c 9, c 8, c 7, d 9, i d 7, im Skat lagen a A, und c Z; Hinterhand bekam die übrigen.

Verlauf des Spieles:

1. 35. cK. M. dH. H. oA --- 17.

2. M. bA. H. b7. V. d7 11.

3. M. bZ. H. bK. V. d9 14.

Skat: 21,

Sa. = 63 Augen.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'fcheu Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erden) in Tietzen.