Ausgabe 
24.2.1900
 
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nachdem er sein ehrgeiziges Ziel erreicht, den Spieß um, er nötigte den Kaiser zur eiligen Flucht, und erzwang im Passauer Vertrag (1552) die Freigabe der Gefangenen, die Aufhebung der gegen sie verhängten Reichsacht, und die Anerkennung der Rechte der Protestanten.

Tief gedemütigt wandte Karl Deutschland den Rücken. Noch ein weiterer Mißerfolg kam hinzu; die Franzosen Hatten, sein Mißgeschick benutzend, Metz, Toul und Verdun besetzt, und sein Versuch, ihnen Metz wieder zu entreißen, gelang nicht. Infolge dieser Niederlagen erfüllte ihn tiefer Mißmut, der durch schweres körperliches Leiden der Kaiser litt an der Gicht noch gesteigert wurde. Karl hatte den Mut verloren, den ewigen Kampf noch weiter­zuführen, er war müde, sterbensmüde, obwohl er erst etwas über 50 Jahre zählte. Alle seine Pläne waren gescheitert, zwar hatte er Italien für Die Habsburger gewonnen, in Spanien die Cortes gestürzt und die absolute Herrschaft begründet, welche unter seinem Sohne Philipp II. so blutige, grausame Triumphe feiern sollte, aber sein An­sehen war vernichtet, die Protestanten hatten triumphiert, und sein Weltreich mußte mit ihm zerfallen, da fein Sohn Philipp keine Aussicht hatte, zum deutschen Kaiser erwählt zu werden. Die Krone drückte ihn, er warf sie von sich.

Zunächst vollzog er am 25. Oktober 1555 in Brüssel die feierliche Uebergabe der Niederlande an seinen, ihm von Isabella von Portugal, mit der er sich 1526 in Sevilla vermählt hatte, geborenen Sohn Philipp. Der kranke Mann vermochte, als er die Belehnung aussprach, kaum zu stehen, «uf die Schultern Wilhelms von Oranten gestützt, hielt er eine rührende, die ganze Versammlung zu Thränen er­schütternde Rede. Seine Regierung, erklärte er unter anderm, sei eine stete Pilgerschaft gewesen. Neunmal habe er Deutschland, sechsmal Spanien, viermal Frankreich, siebenmal Italien und zehnmal die Niederlande besucht, zweimal sei er in England und ebenso oft in Afrika gewesen und habe überhaupt elf Seereisen gemacht. Alle, die er gekränkt, bat er um Verzeihung und ermahnte seinen Sohn zu einer ruhmwürdigen Regierung. Im Januar 1556 trat er ihm auch Spanien und Neapel ab, dann zog er sich in das Hieronymitenkloster San Puste in Estremadura zurück, wo er noch ein paar Jahre, mit Musik und mechanischen Handarbeiten beschäftigt, in einem neben dem Kloster für ihn erbauten Hause einsam lebte. Vor seinem Tode soll er sogar sein eigenes Leichenbegängnis habe veranstalten lassen. Die Mönche des Klosters mußten den Trübsinnigen in Prozession im offenen Sarge in die Kirche tragen und ein Totenamt für ihn halten. Bald darauf erfolgte sein Tod, am 21. September 1558.In Deine Hände befehle ich Deine Kirche (In manns tuas tradidi ecclesiam tnam)" waren seine letzten Worte. Er war erst 58 Jahre alt.

Auch ein bedeutsames Friedenswerk verdankt Deutsch­land dem von Krieg zu Krieg eilenden Manne, dieCaro­lina", diepeinliche Halsgerichtsordnung", das erste all­gemeine deutsche Strafgesetzbuch. Unseren heutigen Be­griffen erscheint dieCarolina" freilich als ein barbarisches Werk, aber damals kannte die Rechtspflege eben noch keine Humanität, und das Ganze bildete doch einen Anlauf zu einer für das ganze Reich einheitlichen Strafgesetzgebung.

Gemeinnütziges,

Influenza, auch Grippe genannt, diese böse Plage der Menschheit, würde in bescheidene Grenzen gebannt sein, wenn man sich besser gegen die Einflüsse der rauhen Jahreszeit zu schützen verstände. Als falscher Freund in dieser Beziehung ist der Alkohol längst entlarvt. Wirksamen Schutz gegen den gefährlichen Hauch des Herbst­nebels und des Wintersturmes bietet entschieeden eine gute Tasse Bouillon, wie sie sich aus echtem Liebigs Fleisch- Extrakt (Liebigs Namenszug in blauer Schrift quer durch die Etikette) so leicht bereiten läßt. Ist abe rdie Influenza gort da, so giebt es kein Getränk, das geeigneter wäre, den anken zu laben, und ihn zugleich neu zu kräftigen, wie das schmackhafte, prächtig mundende TäßchenLiebig". Jede Hausfrau sollte von diesem schätzbaren Stoff stets Vorrat halten.

Litterarifches.

Welche Krankheit ist jetzt am meisten verbreitet? Die Influenza! Wohin man hört, wohin man geht, nichts wie Influenza, überall Influenza! Da ist nun gerade zur rechten Zeit im Verlage von Wilhelm Köhler in Minden in Westfalen unter dem Titel: Die Influenza. Ihre Ursachen, Symptome, Verbreitung und Be­handlung, gemeinverständlich dargestellt, von Dr. med. Birnbaum, 68 Seiten Umfang. Preis 1 Mark ein Buch erschienen, welches nicht nur der Influenza-Kranke, sondern jeder mit größtem Jntereffe lesen wird. Der Inhalt gliedert sich in folgende Kapitel: Die Influenza. Ihre verschiedenen Bezeichnungen. Was ist die Influenza? Beschreibung der Krankheit. Ist sie gefährlich? Frühere Epidemien von Influenza. Die Epidemie von 1889,90. Ihre Verbreitung. Die Modekrankheit. Die Influenza in Berlin, in Paris und in anderen Ländern. - Auf welchem Wege erfolgt die Verbreitung der Influenza? Der Jnfluenzabazillus. Wann erlischt die Influenza? Die Ansteckung geschieht von Person zu Person. Beispiele. Die Influenza folgt den Spuren des Verkehrs. Disposition. Ansteckung durch Sachen. Beispiel. Die Krankheitserscheinungen bei der Influenza? Das charakteristische Kennzeichen der Influenza. Kopfschmerzen. Jrrereden. Schwindel. Rückenschmerzen. Fieber. Schweiß. Herzschwäche. Husten. Schnupfen. Nasenbluten. Magen- und Darmsymptome. Die Zunge. Urin. Anschwellung der Augenlider. Influenza und Lungenentzündung. Schüttelfrost. Brustschmerzen. Auswurf. Influenza. Lungenentzündung bei Schwindsüchtigen und Herzleidenden. Influenza und Nervenleiden. Beispiele. Gehirnhautentzündung. Genick­starre. Krämpfe. Nückenmarkserkrankung. Nervenschwäche. Influenza und Geisteskrankheiten. Beispiele Aussichten aus Wiederherstellung. Augenerkrankungen im Gefolge der Influenza. Die Krantheitserscheinungen. Nervöse Augenerkrankungen. Beispiele. Ohrenerkrankungen bei Influenza. Die Krankheitserscheinungen. Behandlung. Einfluß der Influenza auf die weiblichen Geschlechts­organe. Menstruation. Gebärmutterblutungen. Beispiele. Fehlgeburten. Der Einfluß der Influenza auf das Herz. Beispiele. Verschlimmerung leichter Herzleiden. Asthma. Die Verhütung der Influenza. -- Arzneimittel zur Vorbeugung: Chinin. Alkohol. Maltonwein. Impfung. Verhütung der Erkältung. Regelung der Lebensweise. Absonderung von den Erkrankten. Wert der Sauberkeit. Desinfektion Die Behandlung der Influenza. Bettruhe. Schwitzen. Kalte Umschläge. Getränke. Nahrung^ Nährmittel. Waschen und Wäschewechsel. Lüften. Abführ­mittel. Arzneimittel. Das interessant und belehrend geschriebene Buch ist durch jede Buchhandlung, sowie auch direkt von der Verlags­buchhandlung Wilhelm Köhler in Minden in Westfalen zu beziehen.

. Das Kunstgewerbe hat in neuester Zeit einen großartigen Auf' schwung genommen, und jeder Tag bringt neue künstlerische Gestaltungen von allerlei Gegenständen auf den Markt, die unser Interesse erwecken, unsere Bewunderung Hervorrufen. Ein höchst lesenswerter Aufsatz in der ,,Gartenlaube",Die Natur als Künstlerin" von Professor Dr. Lampert, belehrt uns, daß alle diese künstlerischen Formen auf Nachahmungen der Natur beruhen, und weist mit Hilfe zahlreicher Illustrationen, welche zum Teil mikroskopische Organismen in Ver­größerungen wiederqeben, nach welche herrlichen Motive zu neuem künstlerischem Schaffen die Natur dem Menschen darbietet. Marie von Ebner-Eschenbach überrascht ihre vielen Freunde mit der Beschreibung ihres vorjährigen Aufenthalts in Rom, die uns Kunst und Leben der ewigen Stadt in glühenden Farben schildert. Dazu kommen eine Reihe kleinerer Artikel und eine große Anzahl wissenswerter Mitteilungen, denen sich anschauliche Bilder zugesellen. SB. Heimburg bethätigt in ihrem RomanIm Wafferwinkel" aufs neue ihr glänzendes Erzähler­talent und Rudolph Stratz, der Verfasser des RomansMontblanc", ist mit einer Novelle vertreten, die sichSamum" betitelt und deren Schauplatz die Sahara bildet. Die illustrative Ausschmückung der Gartenlaube" ist eine vorzügliche, echt künstlerische.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

Die Erde birgt mich in ihrem Schoß, Mich zu gewinnen, ist oft beschwerlich.

Trag' ich an zweiter Stelle eins,"

So bin ich zum Leben dir unentbehrlich. P. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer: HEBEL EGER BEY E R L

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.