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dessen fehlt es unter den Dramen der Birch-Pfeiffer durchaus nicht an solchen eigener Erfindung und Kombination; den größten Beifall trugen ihr jedoch die geschickten Dramatisierungen bedeutender Romane ein, und Stücke, wie „Die Grille" (nach einer Novelle von George Sand), „Die Waise von Lowood" .(nach Eurer Bell), „Dors und Stadt" (nach Berthold Auerbach,) fesseln auch heute noch in wn- geschwächter Stärke das Publikum. Mit ihren Romanen ifttb Novellen hatte sie weniger Glück; aus diesem Gebiete wurde sie später von ihrer Tochter Wilhelmine, der Gattin des badischen Hofgerichtsdirektors und Kammerherrn von Hillern, übertroffen, deren Romane: „Ein Arzt der Seele" nnd „Aus eigener Kraft", ihren schriftstellerischen Ruf begründeten. Sie begann ihre Laufbahn ebenfalls als Schauspielerin, zog sich, aber nach ihrer Vermählung von der Bühne zurück. Auch, deren Tochter Hermine ist eine bekannte Dichterin, sodaß man Wohl sagen kann, das Talent Charlottens hat sich, aus ihre Kinder und Kindeskinder vererbt.
Um die litterarische Rolle Charlotte Birch-Pfeiffers richtig würdigen zu können, darf man auch die Periode nicht außer acht lassen, in welcher sie ihre Triumphe als Bühnendichterin feierte. Es war in der Zeit der deutschen Reaktion, wo des deutschen Volkes eine tiefe Niedergeschlagenheit sich bemächtigt hatte. Aller politischen und tendenziösen Dichtung satt, verlangte man nach harmloser, gefälliger Unterhaltung und vergnügte sich an den Lustspielen eines Benedix, an den Dramen der Birch-Pfeiffer, an Roquettes „Waldmeisters Brautfahrt", an Holteis Singspielen usw. Einer solchen Zeit mußte ein so vielseitiges und fruchtbares Talent wie die Birch-Pfeiffer es unstreitig besaß, willkommen sein, und obwohl es die Schriftstellerin bei so ungeheurer Produktivität mit Wahrscheinlichkeit, Charakteristik und Originalität nicht immer allzu genau nehmen konnte, so gelang ihr doch'sauch manches Schöne und Gute; sie verstand es (und versteht es noch), große Kreise zu rühren und zu erheben, und da sie immer den Regungen eines edlen Gemüts Ausdruck verlieh, so wirkte sie auch gut und nützlich Ein volles Menschenalter ist verflossen, feit der Hügel über ihrem Grabe fkfy wölbte — lassen wir ihr soviel Gerechtigkeit widerfahren, als sie verdient, und sie hat sicherlich mehr Verdienste, als man ibr für gewöhnlich zuspricht. Legen wir an ihrem 100. Geburtstage einen Lorbeerkranz auf ihrem Grabe nieder — es schmückt manchen der Lorbeer, der weniger; Anspruch darauf erheben darf als die Verfasserin der „Grille".
GEHinMNtzrges.
Lasse Deine Dienstboten nie glauben, daß Du Deine Vorräte nicht kennst, nicht genau übersiehst, keinen Wert darauf legst. Unwissenheit, Gleichgiltigkeit der Herrin weckt Leichtsinn, Gier nach eigenem Vorteil, erzieht Diebe.
Gute Stärkemischung für Stärkewäsche. Vier Eßlöffel Reisstärke, bester Sorte, einen viertel Eßlöffel ipulverisiertewBorax, -acht Eßlöffel aufgelöstes'Gummi Traganth, mit warmem Wasser klar gerührt, bis zu einem: Liter Wasser zugegossen, mit dieser Mischung können sechs Chemissetes, sechs Paar Manschetten und zwölf Kragen gestärkt werden.
Um Moos schon grün zu färben, löst man in einem viertel Liter kochendem Wasser 30 Gramm Alaun rind 15 Gramm Jndigocarmin, taucht das vorher gründlich gereinigte Moos hinein und trocknet es im Schatten. Will man ein Helles Grün erzielen, so setzt man etwas Pikrinsäure zu.
Galläpfelabsud) geeignet, den Rest des Giftes bis zur Ankunft des Arztes unschädlich zu machen. Drohen die Kräfte zu sinken, so gebe man Hoffmannstropsen, schwarzen Kaffee und starke Weine.
Das Tragen von Öhringen geschieht zum Teik wegen der Augen und Zähne, in der Hauptsache aber zur Verschönerung des Ohres. Für Augen und Zähne ist vom Ohrringtragen eine günstige Wirkung nicht zu erwarten, es handelt sich vielmehr um einen alten Aberglauben, der je eher, desto besser ausgerottet wird. Was die Verschönerung betrifft, fo muß gesagt werden, daß ein schön geformtes normales Ohr an sich etwas so vollkommenes ist, daß es des Schmuckes nicht bedarf, und ein unschönes, großes Ohr wird durchs den Schmuck sicherlich: auch nicht schöner. Dagegen ist diese Sitte oft direkt schädlich; so reißen bei schweren Ohrgehängen bisweilen die Ohrläppchen durch, es entstehen Entzündungen, Rotlauf u. s. w. Die Manipulationen des Ohrringstechens vollends spricht den Anforderungen der heutigen Wundbehandlung direkt Hohn, es entsteht Blutvergiftung, Starrkrampf, und Kinder erkranken häufig infolge davon an lästigen, sich über den ganzen Kopf verbreitenden Ausschlägen. Durch den chronischen Reiz des Ohrgehänges können Neubildungen entstehen, die zu Krebs führen, auch: kann die Tuberkulose durch Ohrgehänge übertragen werden.
Vermischtes.
Wie die Römer applaudierten. Daß bei den Besuchern des altrömischen Theaters Beifallskundgebungen etwas übliches waren, ist bekannt. Neuerdings hat man bei den Ausgrabungen in Pompeji Papyrusrollen auf- gefunden, die neben anderen interessanten Aufschlüssen über das römische Theater auch einiges über die Art und Weise mitteilen, in der man damals seinen Beifall zu äußern Pfegte. Bemerkenswert ist, daß das Theaterpublikum jener Zeit sich beim Applaudieren an eine gewisse Methode hielt und nach gewissen Abstufungen seine größere und geringere Zufriedenheit zu erkennen gab. War man angenehm berührt von der Darbietung eines Darstellers, dann schnalzte man mit dem Mittelfinger und dem Daumen; wollte man den Schauspieler etwas mehr auszeichnen, dann schlug man mit den ausgestreckten Fingern der linken Hand auf die der rechten, wodurch etwa ein Ton, .wie von aneinander gestoßenen irdenen Geschirren, hervorgebracht wurde. Diese Art des Beifalls führte deshalb auch, den Namen „testae". Eine größere Gunstbezeugung war es schon, die Hände flach, und eine noch bedeutendere, sie gewölbt aufeinander zu schlagen. Die höchste Auszeichnung aber bestand darin, daß die Zuschauer einen Zipfel ihrer Toga gegen den Darsteller schwenkten. Interessant dabei ist, daß zu diesem Zweck der Kaiser Aurelian an die niedere Klasse des Publikums, die keine Toga tragen durfte, kleine Stückchen Tuch austeilen ließ.
Charade.
Nachdruck verboten.
Als Kanton im schönen Schweizerland
Ist meine Erste dir wohlbekannt;
Und gehst du spazieren auf Bergeshöh'n, Siehst dort du manch' herrliche Zweite steh'n. Sobald man die Erste und Zweite vereint, Das Ganze als Stadt an der Saale erscheint. m.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer:
Nicht Kunst und Wissenschaft allein, Geduld will bei dem Werke sein. Ein stiller Geist ist jahrelang geschäftig; Die Zeit nur macht die feine Gährung kräftig.
Goethe.
Kesundyeitspflege.
Bei Vergiftungen durch Genuß scharfer giftiger Pflanzenstoffe, wie Herbstzeitlose, Seidelbast, Sadebaum, Giftpilze rc. ist schon viel gewonnen, wenn tarnt den Patienten durch Kitzeln am Schlunde, Trinken von Seisenwasser rc. zum Erbrechen bringt. Nächstdem ist das Trinken von gut säurehaltigen Getränken (Eichelkaffee,
Rebaftiw; «. »uttfrerlt. — Druck uni «erlag der Brühl'scheu UniversttSts-vuch. and Strindruckerci (Pietsch Erbe«) in »ieink.


