Ausgabe 
23.1.1900
 
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endete, was der Vater begonnen, indem er zum zweiten­mal die Macht der Ungarn brach, das heilige römische Reich deutscher Nation schuf und das Papsttum dem kaiserlichen Willen dienstbar machte. Die herrschsüchtigen Päpste sträubten sich gegen die ihnen zugedachte zweite Rolle, daher entbrannte immer heftiger der Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum. Durch das ganze 11. Jahr­hundert hindurch währte der unfruchtbare Streit, der uns in der berüchtigten Canossafahrt Heinrich IV. das deutsche Kaisertum in seiner tiefsten Erniedrigung vergegenwärtigt. Selbstverständlich konnte sich in einer so ungünstigen Periode weder in geistiger noch wirtschaftlicher Hinsicht ein regeres Treiben entfalten, die Wissenschaft schmachtete im Banne des Aberglanbens und die im 10. Jahrhundert von den Arabern und Mauren in Spanien in das Abend­land eingedrungene Alchymie (die Goldmächekunst) zog die Gelehrten und Laien in ihren magischen Kreis. Das Ende des Jahrhunderts erblickte noch eine ebenso eigenartige als im Guten und Schlimmen bedeutsame Erscheinung: den Beginn der Kreuzzüge (1095). An sich unfruchtbare Unternehmungen des Fanatismus, die während zweier Jahrhunderte dem Abendlande ungeheure Opfer an Blut und Geld auferlegten, ohne daß das eigentliche Ziel, die Eroberung des heiligen Landes, mehr als vorübergehend erreicht wurde, und die in der Christenheit selbst den Fana­tismus und Aberglauben steigerten, brachten sie doch in­direkt wichtige kultursördernde Wirkungen hervor, indem sie einen lebhaften internationalen Verkehr anbahnten, dem Handel und der Industrie "neue Mittel und Wege öffneten, den geistigen Horizont der Menschen erweiterten und da­durch die gewaltige Hebung des Städtewesens und des Bürgertums verbreiteten, welche in den folgenden Jahr­hunderten zu beobachten ist.

Schon im nächsten (12.) Jahrhundert erblicken wir allenthalben die ersten Triebe einer erfreulichen Vorwärts­bewegung. Die Hansa, jener mächtige, in der Geschichte nicht seinesgleichen findende Städtebund zum Schutze der Interessen von Handel und Industrie, die mit ihren Wurzeln bis in das 11. Säkulum zurückreicht, begann in größerem Maße ihre bedeutsame Wirksamkeit, das Märkte­wesen nahm einen steigenden Aufschwung (u. a. durch die Gründung der berühmten Leipziger Messe), die Univer­sitäten zu Paris, und Bologna gestalten sich zn Zentral- punkten eines regen geistigen Lebens, die Baukunst, Bild­hauerei und Malerei entwickelten sich, das Nibelungen- lied, eine der großartigsten Dichtungen der Weltliteratur, entstand. Auch das später so ausgeartete Rittertum war in seiner Blütezeit dem Schutze der Schwachen gewidmet, das Recht sollte es gegen die Gewalt verteidigen, den Dienst der holden Minne pflegen, Religion und Ehre über alles hoch halten. Freilich, bereits im 13. Jahrhundert sieht sich Kaiser Rudolph von Habsburg (12731291) gezwungen, mit bewaffneter Hand gegen Faustrecht und Raubritter­wesen Front zu machen. Im Bunde mit den mächtigen Städten läßt er die Burgen des frechen Raubgesindels in Feuer und Rauch aufgehen, nachdem vorher diekaiser- lose, die schreckliche Zeit" (das Interregnum; 1256- -1.273) wie ein Alp auf Deutschland gelastet. Der Minnesang feierte in dieser Zeit seine holden Triumphe. Die Bau­kunst schenkt der Welt ihre herrlichen gotischen Tome. In England erzwingt ein Aufstand der Großen die Magna charta libertatum, welche die Grundlage der englischen Berfassnng wurde und später indirekt auch ans die übrigen Völker Europas ihre segensreiche Rückwirkung äußerte.

Das 14. Jahrhundert sieht die Hansa in ihrer höchsten Blüte; die im Hansabund vereinigten Städte führten auf eigene Faust gegen ganze Staaten erfolgreiche Kriege, sie schlossen mit ihnen Handelsverträge ab, haben in London, Bergen, Nowgorod und Brügge ihre großen Handelskontore, und hunderte von Schiffen stehen in ihren Diensten. Der deutsche Handel regierte die Kulturwelt. Von der Mitte des Jahrhunderts ab, wurden im Laufe der nächsten 100 Jahre zahlreiche neue Universitäten gegründet; die Erfindung des Kompasses oder vielmehr dessen zweck­mäßige Verbesserung eröffnete der Schiffahrt neue Bahnen. Die Erfindung des Schießpulvers (die nach anderen schon in das 13. Jahrhundert gehört), brachte allmählich eine

völlige Umgestaltung des Kriegswesens hervor. Am An­fang des Jahrhunderts erschien DantesGöttliche Ko­mödie", eine der höchsten Blüten der Weltliteratur in Be­zug auf Gedankentiefe, Reichtum der Phantasie, «chön- , yeit der Bilder und Großartigkeit des Stils und der Sprache.

Schluß folgt.

Vevmischtss.

N e a p e l s c h e n u n d sterbe n", sagt ein alter Spruch. Es hätte ebensogut lauten können:Neapel sehen und Feste feiern". Das lebenslustige heißblütige Völkcheu dort amüsiert sich jahraus, jahrein. Die neapolitanischen Feste haben den Stoff zu einer Serie neuerLiebig-Bilder" herausgegeben von der Liebig's Fleisch-Export-Komvagnie, geboten: die von Künstler- Hand entworfenen, nett mit Goldzierrat und Farbendruck aus- aesührten Kärtchen, werden den vielen Freunden und Sammlern solcher Sachen willkommen fein. Die Themata sind: Polichinell, Umzug auf dem Toledo; Piedigrotta, das preisgekrönte Lied; Äommerfest auf dem Meere; Ausflug auf den Vesuv: Rückkehr vom Monte Vcrgine: die Tarantella. Auch ihrer hübschen Karne­val-Motive halber ist die neue Serie beachtenswert. Die Rück­seiten enthalten wohlbewährte Kochrezepte, bei denen die Fabrikate der Liebig-Äompagnie eine Rolle spielen.

Littevavisches.

N a t u r w i s s e n s ch a,f t l i ch e r H a n s s ch a h"._ Unter diesem Titel ist von der Verlagshandlung Strecker und Schröder in Stuttgart ein Sammelwerk geplant, welches uns aus allen Gebieten der Natur, aus der Physik, der Chemie, der Geologie,. Mineralogie, Botanik re. alles das berichten soll, was auch den Nichtfachmann interessieren muß. Bei dem gewaltigen Auf­schwung, den die gesamte Naturwissenschaft in den jüngsten De­zennien genommen hat und auch weiter nehmen wird, können wir dem neuen Unternehmen nur Glück wünschen, ist es doch ge­schaffen, die Kreise, in denen ein reges Interesse für die Natur besteht, weiter und weiter werden zu lasseu. Um diesem Bestreben in jeder Beziehung gerecht zu werden, hat die genannte Verlags­handlung Sorge getragen, Autoren zic gewinnen, welche besonders bezüglich der Art der Darstellung die Gewähr bieten, daß das zu Behandelnde nicht nur Geschulten, sondern vielmehr vor allem dem gebildeten Laienpubliknm leicht verständlich geboten wird. Wir empfehlen daher schon jetzt denNaturwissenschaftlichen Haus­schatz" der Aufmerksamkeit aller Interessenten und sehen dem ersten Bande desselben,Physik I" von Rich. Herm. Blochmamt, der in den nächsten Wochen erscheinen wird, mit berechtigter Spannung entgegen.

Skataufgade.

Nachdruck verboten.

(Bei französischen Karten gilt Treff gleich Eichel, Pique gleich Grün, Coeur gleich Rot, Carreau gleich Schellen.)

Es wird Bierjkat bis 201 gespielt. Vorhand steht auf 146, Mittelhand auf 188 und Hinterhand auf 188. Vorhand will Null ouvert spielen, worauf Mittelhand, welche dadurch die ganze Partie ucr» loren haben würde, anstatt des zuerst beabsichtigten Grün (Pique)-Solo auf folgende Karte

Grand ansagt und auch gewinnt. Vorhand hat 39 weniger, Hinterhand genau ebenso viel Singen als Mittelhand in ihren Karten. Wie war die, Kartcnverteiliing und der Gang des Spieles?

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Diamav.trätsels in voriger Nummer: K

G ad Gurke Karpfen O p fze r W e g tt

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schm UniversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.