Ausgabe 
22.11.1900
 
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köpf wie an einen Rettungsanker, klammerte. Mit dem Nährwerte dieses edlen Krautes ist es übrigens herzlich schlecht bestellt: Das ganze Wo Kohl enthält nämlich etwa 60 Gramm Kohlenstoss und zwei Gramm Stickstoff. Alles übrige ist recht und schlecht Wasser oder ein Faser­gewebe, das der Verdauungsthätigkeit des Magens emen sehr hartnäckigen Widerstand entgegenbringt und des­wegen in gesundheitlicher Beziehung so übel beleumundet ist. Wer also ein Kohlgericht herstellt, hat vor allen Dingen mit diesen beiden mißlichen Eigenschaften des betreffenden Gemüses zu rechnen.Kohl muß kochen, daß ihm die Schsvarte knackt", sagt man in Westfalen, und überall in Deutschland stimmt man darin ein, daß er um so besser werde, je öfter man ihn aufwärme, also mit dem Herdfeuer in Berührung bringe. Den ihm fehlenden Nährwert ersetzt man am besten dadurch, daß man sich bei der Herrichtung sehr fleißig der oben er­wähnten Fleischbrühe bedient. Wasser allem oder em paar Fettaugen thun's sreilich nicht!

Bei weitem mehr Würdigung verdient der Wirsrng- kohl. Er ist zarter und leichter verdaulich. Der Kops schließt sich bei ihm nicht so fest zusammen wie bei den beiden soeben erwähnten Arten. Die Blätter sind ruuzlich^ kraus und selbst bis in das Herz hinein mit einem grünen Farbenton versehen. Auch er bildet während der ge­samten kalten Jahreszeit ein sehr wichtiges, weil ziemlich billiges, Gemüse für den bürgerlichen Tisch. Den Kohl­rabi versucht man gleichfalls bedauerlicherweise gern als Wintergemüse aufzusparen. Es ist das aber eine Sünde gegen den Magen, da diese Kohlart in der genannten Jahreszeit ganz und gar nicht Beachtung verdient. Junge Kohlrabi, in Fleischbrühe gedünstet und dann durch eine Mehlschwitze von Frühlingsbutter in ihren zarten Stück­lein aneinander gesellt, umringt von einem Kranze jenes sattgrün schimmernden Kleinwerks, das aus den feinsten Herzsprossen der Blätterkrone gewonnen wurde, ist gewiß im stände, den Magen zur echten Begeisterung zu ent­flammen. Allein im Winter schmeckt dies Gemüse fade; es ist in den unteren Teilen holzig, in den oberen wässerig alles Eigenschaften, die auch durch die besten Zuthaten und die sorgsamste Kochart nicht übertüncht werden können. c

Damit sind die hauptsächlichsten Mitglieder der Familie Kohl, soweit sie für die Küche in Betracht kommen, in ihren Eigenschaften flüchtig geschildert. Erschöpft ist die Aufzählung jedoch keineswegs; denn es giebt noch eine ganze Reihe von Arten, wie den Palmenkohl, den Baumkohl, den Meerkohl, deren ich deswegen nicht aus­führlich! gedenken will, weil sich nur sehr veremzelt der Gaumen des modernen Kulturmenschen mit ihnen zu be­freunden vermag. Den Grünkohl brauche ich nur zu streifen. Er ist ein sehr schmackhaftes Wintergemüse, dem auch erst ein strammer Frost die erforderliche Würze verleiht; aber die Kochkunst mußte sich merkwürdigerweise im allgemeinen bisher damit begnügen, ihn so ziemlich in aller Herren Ländern in derselben Zubereitungsart auf den Tisch zu bringen. Aehnliches gilt vom Sauer-, kraut, jenem Allerweltsgemüse auf germanischem Boden, das durch einen einfachen Gährungsprozeß aus dem Weißkohl gewonnen und von unseren Nachbarn jenseits der Vogesen gewissermaßen alsgeschmackvolles" Merkmal des deutschen Michel angesehen wird. Diese unsere Vor­liebe für Sauerkraut soll nach der Meinung einiger Denker" innerhalb derGroßen Nation" auch! die Ur­sache gewesen sein für die Erwerbung von Kiautschou von Seiten des Deutschen Reiches. Dort wird nämlich ein ganz vorzüglicher Kohl gebaut!

Die Kohlrübe gehört nicht zu den Kohlarten. See sollte eigentliche Krautrübe heißen, und wird in Nord­deutschland meistenteils Wruke genannt. Auch sie ist nur ein Notgemüse, das allein durch sorgfältige Herrichtung den sonst fehlenden Nährwert und Wohlgeschmack gewinnt.

Gemeinnütziges.

Das billigste Reinigungsmittel fürThüren, Fensterrahmen, Fensterbretter und alle sonstigen Oel-

arbenanstriche ist Quillayarindenwasser. Man hat bei >er Verwendung desselben gar keine Seife nötig, was um so vorteilhafter ist, da Seife stets den Oelanstrich angreift. Man reibt die Gegenstände einfach mit einem Flanellläppchjen ab, spült mit reinem Wasser nach und trocknet dann gut mit einem sauberen Tuche nach Auf 78 Liter Wasser nimm für 20 Pfg. Quillayarinde, thue sie in das kalte Wasser und lasse sie 24 Stunden ziehen. Die durchgeseihte Rinde kann von sparsamen Hausfrauen bei geringem Zusatz von frischer Rinde sehr gut noch ein­mal gebraucht werden.

Die Behandlungwollener Flanellern der Wäsche. Um farbige wollene Wäsche zu waschen, werd Marseiller Seife (Elaiinseife) in lauwarmem Wasser gelöst, das betreffende Stück hineingelegt und längere Zeit ruhrg darin gelassen, damit der Schprutz sich lösen kann. Sodann wird das Stück in dem Seifenbade auf und ab bewegt, aber niemals gerieben, weil dies den Stoff verfilzt. Das Stauchen des Stoffes wird so lange fortgesetzt, bis das Seifenbad schäumt, was als Zeichen gilt, daß die Seife den Schmutz gelöst hat. Sobald das Kleidungsstück vom Schmutze befreit ist, wird es erst in reinem, lauem Wasser und sodann nochmals in kaltem gespült, um alle Seisen- teile welche den Stoff gelb machen würden zu ent­fernen. Weißer Wollenstoff wird genau ebenso, aber heiß gewaschen. Besonders widerstandsfähige Flecke, Schweiß- ränder rc. streicht man mit etwas dicker Seife ein, bevor man das Seifenbad erneuert.

Jett und Harten.

40 000 M a r k V e r l u st d u r ch e i n e n P i l z. 40 000 Mark Verlust brachte in Australien einem Obstzüchter ein winziger Pilz, der auchj bei uns leider vielfach ver­breitet ist: der Schprfpilz oder das Fusicladium. Es ist deshalb wohl am Platze, daß wir gegen diesen Pilz thatkräftig vorgehen, zumal wir ihn gründlich, bekämpfen können. Die Bekämpfung besteht darin, daß wer zuerst durch Passende Düngung und richtigen Schnitt unsere Bäume widerstandsfähiger machen, dann aber bann, daß wir dem Pilz selbst zu Leibe gehen. Es totrb uns dies nicht schwer, wenn wir die Entwicklungs­geschichte des Pilzes kennen und wissen, wie wir die Be­kämpfungsmittel anwenden müssen. In einem längeren Artikel finden wir diesen Gegenstand imErfurter Führer im Gartenbau" behandelt. Unsere Leser erhalten diese Nummer kostenfrei, wenn sie sich, mittels Postkarte an das Geschäftsamt desErfurter Führers im Gartenbau" wenden.

Jür die Küche.

Schweinefleisch mit Gelbrüben und Klößen. Zubereitungszeit zwei bis zweieinhalb Stunden, sechs Personen. Zwei Pfund Schweinefleisch brat man langsam auf allen Seiten schön braun an. Unterdessen putzt und schneidet man gelbe gelbe Rüben in schöne Streifchen, macht Kartoffelklöße von rohen und gekochten Kartoffeln, ungefähr in der Größe eenes kleinen Eres. Hierauf legt man das Fleisch in eine Kasserolle, giebt eine Lage gelbe Rüben, salzt und pfeffert, dann kommt eine Sage Kartoffelklöße, hierauf wieder gelbe Rüben, und so fort, bis die Kasserolle gefüllt ist; die letzte Sage müssen jedoch gelbe Rüben sein. Schließlich fügt man zwei Schöpflöffel kochendes Wasser oder Fleischbrühe über das ganze, verschließt die Kasserolle gut und läßt das Gericht anderthalb bis zwei Stunden gar dünsten. Vor dem Anrichten kräftigt man die Sauce im Geschmack mit zwei Theelöffeln Maggi-Würze. A. R. Sch.

Ergänzungsrätsel.

Nachdruck verboten.

gar,86,ken,fen,fer, vel,der, gel,men,nau.

Welche überall gleiche Silbe muß an Stelle der Striche .gesetzt werden, damit bekannte Hauptwörter entstehen?

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Zifferblatträtsels in voriger Nummer: i ii in iv v vi vii vni ix x xi xii MEISTER N ABAU

Meister, Ei, Eis, Stern, Erna, Nab, Bau, Baum, Baumeister.

Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, «nd Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.