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Frevler, der fto damals in Ihre Nähe schlich, vor sich . . - würden Sie ihm Ihre Verzeihung gewähren?"
„Um dieses Bildes willen ... ja! Es ist wirklich ein schönes! Bild!"
„O, Dank, mein Fräulein!"
„Nein, nein! Nicht danken! Ich habe eine Bedingung daran zu knüpfen. Wenn Sie mir Ihr Bild verkaufen!"
„Sie wollten..."
„Das heißt, mein Vater. Der Preis kann keine Rolle spielen. Sie werden begreifen, daß mein Vater sichsreuen würde, das Bild sein eigen nennen zu können. Würden Sie das thun?"
„Und ob ich's thun würde, mein Fräulein! Es ist ja mein sehnlichster Wunsch!"
Sie sah ihn überrascht an.
„Es lag Ihnen so viel daran?"
Jetzt wurde er rot. , . .
„Lassen .Sie mich ehrlich sprechen, mein Fraulem. Gern, ach, wie gern hatte ich das Bild immer in meinem Besitze gewünscht, glauben Sie es mir. Aber die Verhältnisse sind stärker. Dieses Bild ist meine letzte Hoffnung gewesen, gleichsam mein Rettungsanker... o, es ist eine harte Geschichte! Ich, würde sie Ihnen erzählen, wenn Sre die Geschichte eines Fremden nicht langweilen würde".
„O, ich freue mich, Herr von Gussow, daß Sie Vertrauen zu mir haben. Eigentlich sind wir uns doch gar nicht wehr fremd, nicht wahr? Und daß Sie meinen Namen nicht wissen, das kann ja geändert werden. Ich heiße Maud, Maud Sparkins, von Amerika drüben; aber meine Mutter war eine Deutsche. Wir bleiben jetzt in Deutschland. So, und wenn Sie mir vertrauen, dann erzählen Sie. Ich freue mich ja so, daß Sie. . . aber bitte/ erzählen Sie!"
Und Hans von Gussow erzählte ihr alles haarklein.
Sie waren unterdessen in den Park hinausgetreten.
„O", sagte sie, und sah ihn recht warmherzig mit ihren großen, tiefblauen Augen an; das ist eine sehr trübe Geschichte. Und so sollen Sie nun der Kunst den Rücken kehren und nie mehr solche hübschen Bilder malen? Das! ist ja gar nicht möglich; das darf doch nicht fein! Sehen Sie, so geht's in der Welt! Ich quäle mich ab, um mal ein Bild zu stände zu bringen, mit dem ich selber zufrieden fväre, doch es gelingt nicht; aber ich habe Geld genug. Sie dagegen sind ein armer Teufel — o bitte, nicht böse fein! — und haben soviel Genie, daß man ein Dutzend solche Talente daraus machen könnte, wie ich eins sein möchte". c , , .
Beide schritten sinnend neben einander her. Dabei war es komisch! zu sehen, wie jedes seine Blicke verstohlen auf das andere richtete, wenn es sich unbeachtet glaubte.
,Was könnte man da nur thun?" begann sie nach einer Pause. Ich könnte Ihnen ja helfen, aber Sie sind stolz; Sie werden es nicht annehmen! O, reden Sie nicht, ich sage ja auch gar nichts! Ich will Sie nicht beschämen. Aber es giebt noch etwas. . ."
Mit schmerzlichem Lächeln sah er sie an.
„Sehen Sie mal, Herr Hans von Gussow, als Sie das Bild schufen, . . . haben Sie da nicht recht oft an . . . mich gedacht? Und sich vielleicht so was recht Hübsches dabei'ausgemalt . . .? Ihre Verse wenigstens deuten bar« aU^ In dem Impulse eines aufwallenden Gefühles griff er nach ihrer Hand und rief :
„Fräulein Maud, um Gotteswillen! Wollen Sie mich quälen?"
Ein inniges Lächeln der Zufriedenheit flog über ihr Gesicht.
„Sehen Sie! Und sch will Ihnen dafür auch ein Geständnis machen: Die ganze Zeit hab ich an Sie gedacht und mir Ihre äußere Erscheinung und Ihr Wesen ausgemalt, fry daß ich zuletzt von Ihnen geträumt habe. . ."
„Und nun, da Sie mich sehen? . . . O, mein Fräulein, wie grausam sind Sie!"
„Aber nicht doch! Gerade so hab ich mir Sie gedacht! So sollten Sie sein!"
„Sie treiben Ihr Spiel mit mir, Fräulein Maud!" „Das wäre sehr herzlos. Nein, sch meine es ernst . . ."
„SOtciub
'Mer da darf sch wohl auch Hans sagen?"
Sie faßte seine Hand und lachte ihn mit ihren herzigen Schelmenaugen an.
„Maud! Einzige! Soll es denn wirklich wahr sein? Du liebst mich?" Thränen des Glücks standen in seinen Augen. Es war zu plötzlich gekommen.
„Ja, Hans! Warum sollt' ich Dir's verbergen, da ich doch wußte, wie Du mich liebst!"
Eine Weile überließen sie sich ganz der Wonne des Augenblicks. Dann warf Hans plötzlich besorgt dazwischen-.
„Aber Deine Eltern, Maud?"
Sie lachte belustigt auf.
„Sprich nur getrost mit Papa! Bei uns drüben hat die Tochter zu entscheiden. Aber um die Einwilligung meines Dieners Sani mußt Du Dich; ernstlich bemühen. Die treue Seele ist nicht gut auf Dich zu sprechen. Sam behauptet nämlich/ das Bild wäre eine Verleumdung für ihn; er habe nicht geschlafen".
Beide lachten. Dq kam Sam in seiner steifen Würde heranstolziert und schaute verwundert auf den ihm fremden Herrn.
Maud winkte ihm näher.
„Dieser Herr ist der Künstler, der das Bild „Heidetraum" gemalt hat", sagte sie lustig.
Sam schaute den Maler ernst von oben bis unten an, verbeugte sich, und sagte:
„Aber ich habe nicht geschlafen, mein Herr! Das Bild ist nicht richtig!"
Maud brach in ein lautes Gelächter aus.
„In Zukunft, Sam, darfst Du den Herrn nicht Mehr so gemessen behandeln; denn er wird nun auch Dein Herr fein, wenn Du bei mir bleiben willst".
Sam riß die Augen auf. Dann flog ein verständnisinniges Leuchten über fein würdiges Gesicht. Er verbeugte sich noch einmal, aber noch tiefer und erklärte:
„Sehr wohl! Der alte Sam wird immer feine Schuldigkeit thun. Aber . . . mein gnädiger Herr ... geschlafen hab ich nicht!"
„Hätt' ich sonst wohl Dich gefunden?" raunte Hans lachend feiner Braut ins Ohr.
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Kollektion Hartleben. Eine Auswahl der hervorragendsten Romane aller Nationen. Achter Jahrgang. Vierzehntägig erscheint ein Band, eleg. geb. ä, 75 Pf. Jährlich 26 Bände; bisher Band 1 bis 24 vom VIII. Jahrgang ausgegeben (A. Hartleben's Verlag in Wien). — Der VIII. Jahrgang der beliebten „Kollektion Hart leb en", von welchem uns soeben die Bände 21 bis 24 zugehen, hat folgenden Inhalt an Romanen: I.—III. Pont-Uest, „Eine vornehme Ehe". 3 Bde. IV. Orzeszko, „Der Australier". V.—VI. Savage, „Die gefangene Prinzessin". 2 Bde. VII. Bülow, „Ohne Herz". VIII.—IX. Rovetta, „Das Idol". 2 Bde. X. Benedek, „Anna Huszar". XL—XII. Fleming, „Vom Sturm getragen". 2 Bde. XIII. —XIV. Mairet, „Die Studentin". 2 Bde. XV.—XVII. LStang, „Eine schöne Frau". 3 Bde. XVIII.—XIX. Lancken, „Ein neues Geschlecht". 2 Bde. XX. Memini, „Mario". XXI.—XXII. Lescot, „Michelette". 2 Bde. XXIII.-XXIV. Paura, „Irmengarde". 2 Bde. XXV.-XXVI. Sales, „Beaulieu". 2 Bde. Wir können nur wiederholen, daß jeder Freund guter Belletristik in der „Kollektion Hartleben" alle seine Erwartungen reichlich erfüllt finden wird.
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten).
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des LogogriphS in voriger Nummer; Wiege — Ziege.
Ued,lti,n: E. Burkhardt. — Druck und »erlag der Brühl'schen llniversttiitl-Buch- und Bteindruckerei (Pietsch Erden) in Äießen,


