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In dem leeren Laden verbreitete die Gasflamme einen flackernden Schein.
„Sitte, wollen Sie die Laden schließen", sagte Marthe zu Dautra. Und beiden war das Herz zusammengepreßt vor Angst, und schreckenstarr sahen sie sich, an- derselbe Gedanke stand in ihren Augen, es war gerade, als wenn jemand gestorben.--
Inzwischen war Claire in dem Regen weiter und weiter gelaufen, über die Brücke in die Altstadt und dann wieder über eine Brücke, und auf der Langenbrücke war sie dann stehen geblieben, und hatte mit fieberheißen Augen in das finstere, gurgelnde Wasser zu ihren Füßen gestarrt.
Kurz bevor sie die Brücke betrat, hatte sich ihr ein Knabe von vielleicht vierzehn Jahren angeschlossen, dem bei dem flackernden Schein der Gesichtsausdruck Claires ausgefallen war, während er müßig, die Hände in den Hosentaschen, in einer Thüruische gestanden hatte.
„So wahr ich „Hans, in allen Gassen" heiße", sagte der Junge, „das kleine Fräulein sieht gerade so aus, als wenn es ein kaltes Bad nehmen möchte . . ." und während er sich wie eine Katze dicht an Claire heranschlich, meinte er:
„Da heißt's aufpassen, und zwar gehörig!"
In dem Augenblick stieß Claire einen verzweifelten Schrei, fast nur ein unterdrücktes Stöhnen aus, und während sie die Hände fest auf das Geländer stützte, beugte sie sich tief mit dem Oberkörper über dasselbe.
„Nun! Nun! . . . Und die Mama, was würde die dazu sagen?!"
„Hans in allen Gaffen" war es, der bei den Worten das junge Mädchen mit kräftigem Griff um die Taille faßte und zurückriß.
„Nein, nein! Lassen Sie mich!"
„Das wäre!"
Der Junge lieh sie nicht los, und bei Claire machte sich, die fürchterliche Erregung in einem Thräneustrorn Luft.
„Sie brauchen sich, nicht zu ängstigen, kleines Fräulein .... nun werden wir ganz ruhig nach Hause gehen und morgen denken Sie ganz anders. . . Na, das wäre was Schones! So jung wie Sie find... wo wohnen Sie denn?"
„Tempelherrnstraße", sagte Claire leise und beschämt, und heiße Thränen rannen über ihr blasses Gesichtchen.
In dem düstern Regen sitzen schweigend Marthe und Dautra.
„Oh! Ich kann's nicht mehr ertragen", stöhnt Marthe und ringt die Hände.
„Wollen wir gehen, vielleicht hat man sie in der Nachbarschaft gesehen. . ."
„Und wenn sie nun inzwischen kommt, und ich bin nicht hier?"
Als sie sich gerade wieder setzen wollten, wurde die Klingel am Laden gezogen . . .
„Claire. . . o Claire . . .! Schwester, Du. . .!"
Marthe war ihr entgegengestürzt, angstvoll fragte sie:
„Wo warst Du denn, und dann . . . „Nein, nein, sprich nicht! . . . Da, setz' Dich hier hin . . . ruhe Dich aus! gieb mir Deine kalten Hände, damit ich sie warm reiben kann!"
„Hans in allen Gassen" war näher getreten und drehte seine Mütze zwischen den Fingern.
„Die Herrschaften werden entschuldigen ... es ist gar Nichts von Bedeutung... das kleine Fräulein hat sich verirrt... ich bin ihr begegnet, als ich spazieren ging, und da ich nichts zu thun hatte, habe ich sie eben nach Haus gebracht. . . weiter war's nichts!"
Claire sah den Sprechenden mit einem wehmütigen Blick an und schüttelte den Kopf.
„Nein ... er hat mich gerettet 7 . . auf der Brücke . . . als . . ."
„Oh! Schiwester, Claire! das ist nicht möglich . . ."
Und Marthe riß mit einem angstvollen Blick das junge Wesen in ihre Arme und flüsterte:
„Und Du hast an Deiner großen Schwester gezweifelt - . . und ihr nicht getraut, während sie doch nur den holen wollte, an dem Dein Herz hängt . . . und der gerade selbst kommen wollte. . ."
„Dautra?"
„Ja, Claire", sagte Dautra, uitb trat zu beit Schwestern . . . „ich habe Dich ja lange schon lieb . .. Hat Marthe recht, wenn sie sagt, daß Du mich auch liebst?"
„Dich lieben. . ." flüsterte Claire und barg das errötende Gesichtchen an der Schulter ihrer Schwester, sodaß es nur wie ein Flüstern kam: „Immer, immer, bis zum Tode!"
Und bei den Worten überlief alle ein Zittern. Der Tod war ihnen ja so nahe gewesen.
Gemeinnütziges.
KesundHettspffege.
Gegen rauhe, unreine Haut, Sonnen, brand usw. ist Buttermilch ein sehr gutes Mittel. Gesicht und Hände werden abends vor dem Niederlegen damit be- feuchtet, woraus man sie auf der Haut eintrocknen läßt. Die Buttermilch wirkt besser, wenn sie etwas sauer ist, und noch besser, wenn man einige Stunden vorher aus einhalb Liter einen kleinen Eßlöffel voll geriebenen Meerrettich in dieselbe einweicht. Dies entfernt nicht allein Sonnenbrand, sondern macht die Haut auch weiß und zart. Ein anderes Mittel, das ähnlich wirkt, besteht aus einhalb Liter Rosen- wasser nnd einem Weinglas voll Zitronensaft. Mit dieser Mischung wird das Gesicht gleichfalls einige Male des Tages benetzt.
Gegen trübe und entzündete Augen. Ein halbes Gramm weißes Vitriol und 1 Gramm Bleizucker wird in 17 Gramm Rosenwasser aufgelöst und zweieinhalb Gramm Kampferspiritus hinzugegossen. Ein leinenes Stückchen Zeug wird doppelt zusammeugelegt, mit bem Augenwasser befeuchtet und eine Viertelstunde auf die geschloffenen Augenlider gelegt; dieses Verfahren wird des Tags über öfters wiederholt. Vor dem Gebrauche muß das Augenwasser immer geschüttelt werden.
Musik
Theoret.-prakttsche Klavierschule von H. Bovet, 2. vm mehrte und verbesserte Auflage (P. I. Tanger Köln). Wenn schm bei Beurteilung der früheren Ausgabe der Verfasser als echter Pädagoge bezeichnet wurde, der in lückenlosem Fortschritt neben dem Theo- retischen auch das Praktische verfolgt, dann die Art und Weise, rote der Schüler in Noten und Takt eingeführt wird, besonders lobend hervorgehoben und vor allem die Eigenschaft betont wurde, daß die Schule sofort an Selbstständigkeit gewöhne und Geist und Gemüt des Schülers, anrege, so läßt sich eigentlich bei der 2. Auflage nur noch die Bereicherung mit praktischem Uebungsstoff und wertvollen Beispielen hervorheben. Neu ist ferner bei der Schule der vorgedrukte instrultive „Umriß der Mufikgeschichte", und anerkennenswert die trotz prachtvollster Ausstattung (schönes, holzfreies Papier, großer klarer Druck) erfolgte Preisherabsetzung (früher zus. in 1 Band broschiert Mk. 5.50, geb, Mk. 6.75, jetzt in 4 Bänden je Mk. 1.—, zus. in 1 Band broschiert Mk. 3.—, schön und stark geb. Mk. 4.50).
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten).
München
JsaX n '-t-*— Pas sa u
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer. Ich habe keine Zeit, müde zu sein.
»edaltion: E. Burkhardt. — »ruck und »erlag der «rühl'fchen UniversttätS-Buch. und Steiudruckerei (Pietsch Erben) in «ießeu.


