Ausgabe 
22.3.1900
 
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einer Ziehharmonika, deren dünne Melodie der Abendwind auf seine Flügel nahm.

(Fortsetzung folgt.)

llnbestimmter Bescheid.

Nachdruck verboten.

Ich glaube, vielen Lesern, besonders den Hausfrauen, aus der Seele zu sprechen, wenn ich hier zu Felde ziehe gegen eine gesellschaftliche Unbedachtsamkeit, die mancher Gastgeberin schon ernstliche Unannehmlichkeiten bereitet hat. Es ist der unbestimmte Bescheid auf eine ergangene Ein­ladung.

Da gedenkt die jung verheiratete Fran M. eine größere Gesellschaft zu geben, um alle ein sie bereits ergangenen Einladungen zu erwidern. Die Karten werden verschickt mit der Bitte:II. A. w. g." Am liebsten möchte Frau M. ergänzen:Um baldige Antwort wird gebeten". Tas geht leider nicht, und doch, wie gerne hätte sie möglichst rechtzeitig Bescheid; müssen doch die Vorbereitungen nach der Zahl der Gäste getroffen werden. Vielleicht ist es gar nötig, ein Zimmer auszuräumen; und dann die Besprech­ungen mit der Kochfrau! Aber nun heißt's:a b w a r t e n!" Und die Antworten laufen ein. Frau Dr. G. dankt ver- bindlichst für die liebenswürdige Einladung, der sie mit ihrem Manne gern Folge leisten wird, wenn das erkrankte Töchterchen zu der Zeit hergestellt sein sollte; sie hofft es sehr, aber bestimmt zusagen kann sie unter solchen Umständen natürlich nicht.

Herr A. muß eine notwendige Geschäftsreise antreten und kann noch nicht genau berechnen, ob er am angesetzten Abend wieder zurück sein wird; sollte dies der Fall sein, so würde er nebst Gattin mit Vergnügen erscheinen.

Fräulein C. erwartet eine ältere, durchreisende Ver­wandte; wenn dieselbe am betreffenden Abend noch nicht angelangt sei, so .... re.--

So gehts fort mit verschiedenen Antworten; etwa zehn Geladene sagen bestimmt zu. Was macht die Hausfrau aber nun mit den andern fraglichen Gästen? Kommen sie oder kommen sie nicht? Muß ein Zimmer ausgeräumt werden oder nicht? Richtet man sich aus 40 oder 20 Personen ein?

Die Besprechung mit der Kochfrau ist nicht länger hinauszuschieben; beim Gärtner müssen Tischbouquets be­stellt werden.

Also was nun? Sich auf zu wenig einrichten, ist immer mißlich, man nimmt daher lieber an, daß alle erscheinen werden, wie es ja möglicherweise auch der Fall sein wird.

Gedacht, gethan.

Frcku M. richtet sich auf 40 Personen ein, die Tisch­ordnung wird demgemäß bestimmt.Ach, wenn jetzt doch alle Gäste erscheinen möchten!" seufzt Frau M. leise auf, da klingelts. Am letzten Nachmittag läßt Frau W. wegen plötzlich aufgetretener, heftiger Migräne abfagen. Nun heißt es schnell die Tischplätze ändern; keineswegs eine leichte Arbeit; möchte man doch gern jedem passende Nach­barschaft geben. Mit einiger Mühe ist das Werk vollbracht. Da klingelts wieder.

Eine Empfehlung von Frau Dr. S. und ihr Mann sei plötzlich aufs Land gerufen worden, sie bedauere un­endlich 2C. Abermals Aenderung bet Tischordnung. Die Hausfrau fängt bereits an, etwas nervös zu werden. Kein Wunder; weiß sie doch immer noch nicht, wieviele Gäste eigentlich kommen werden.

Der Abend bricht an. Etliche von jenen mit be- dingungsweiser Zusage kommen zur Freude der Hausfrau doch nach. Man zögert ein wenig mit dem Zutischgehen, endlich sagte sich die Gastgeberin, daß auf die bis jetzt Ausgebliebenen nicht mehr zu rechnen fei. Wie Schade! Nun wäre das Ausräumen des einen Zimmers gar nicht nötig gewesen, zehn Bouquets welken zwecklos dahin; gar nicht zu gedenken der reichlich eingekauften Vorräte! Schade! Schade! Hätte man das vorher gewußt!

Geht's nicht so, werter Leser? Hast Du vielleicht schon selbst ähnliche Erfahrungen gemacht? Was wir aber selbst als, lästig empfinden, das sollten wir auch anderen nicht znfügen. Ein unbestimmter Bescheid ist immer peinlich und unangenehm. Ist eine Einladung an uns ergangen,

so mögen wir in zweifelhaften Fällen ernstlM das Für und Wider prüfen, dann aber b e ft i m in t e n Bescheid geben. E. Friedel-

Banknoten als Liebesbriefe.

Von Fred Hood.

Nachdruck verboten.

Man weiß, daß vielen Freiern ein Packet Banknoten ebenso wertvoll erscheint wie ein liebendes Herz oder eigentlich noch wertvoller und es ist sicher, daß Wert­papiere schon häufig die Stelle der sonst zwischen Ver­lobten üblichen Liebesbriefe vertreten haben. Daß aber Banknoten thatsächlich als Billet doux gedient haben, ist doch nur selten vorgekommen. In einigen amüsanten Fällen, von denen Tit-Bits zu berichten weiß, haben sie aber thatsächlich diese Rolle gespielt. Doch zeigte es sich, daß derartige Liebesbriefe unter Umständen auch geeignet sind, Liebende von einander zu trennen. Und das ist die Moral von der Geschichte.

Ein reicher Mann aus Philadelphia verliebte sich in eine hübsche Schauspielerin, Verlobte sich mit ihr und schrieb ihr dann täglich glühende Liebesbriefe, obwohl ihn nur eine Entfernung von einer Viertel Meile von ihr trennte. Ab und zu waren seine Huldigungen von außergewöhnlicher Form, nämlich mit Bleistift auf zehn Pfund-Noten (200 M.) geschrieben. Natürlich radierte die schöne-Empfängerin die Liebesworte ab und gab schnell das Geld aus. Dies gefiel aber ihrem Liebhaber gar nicht; er wünschte, sie sollte die Scheine als Aeußerungen seiner unwandelbaren Liebe aufbewahren. Infolge dessen schrieb er die nächsten Episteln mit echt schwarzer Tinte, die sich, ohne das kost­bare Papier zu beschädigen, nicht entfernen ließen. Trotz­dem wechselte hier und da seine Verlobte einen Schein. Einige behielt sie aber doch zurück, in der berechtigten Ver­mutung, daß so freigebige Verehrer kurz von Gedächtnis und veränderlich seien. Sie hatte sich auch nicht geirrt. Ein anderes Mädchen gewann die einträgliche Liebe des braven Mannes und er wünschte frei zu fein. Sofort verklagte ihn die bezaubernde Schauspielerin wegen Bruches des Heiratversprechens. Seine wertvollen, bei Gericht vor­gelegten Briefe galten als vollgiltige Beweise, und das Resultat war, daß er noch ein schönes Sümmchen als Reu­geld nachzahlen mußte.

Ein anderer Gentleman war nicht ganz so freigebig. Er schrieb seine Liebesbriefe auf fünf Pfund-Noten. Eine solche ging aus Versehen an den Geschäftsführer eines großen Wollwarenhauses, während sie für die Braut des Absenders bestimmt war. Der etwas nervöse Herr hatte in der Eile die beiden Couverts verwechselt, und seiner Dame einen großen Bogen voller Zahlen und Wollstoff­muster gesandt, aus denen sie gar nicht klug wurde. Sie erkannte jedoch die Handschrift auf dem Couvert, sandte die Offerte wieder an ihn zurück und betrachtete den ganzen Zwischenfall als einen Irrtum ihres Bräutigamsh Ter Geschäftsführer des Wollwarenhauses erkannte die Hand­schrift auf dem die Banknote umschließenden Couvert aber nicht und wußte nicht, an wen er sie zurücksenden sollte. Der Liebesbrief enthielt die AnredeTeuerstes Sieb" und war mitRex" unterzeichnet, also von der Adresse des Absenders keine Spur. Es wurde die fünf Pfund-Note einstweilen ad akta gelegt. Als Rex keine Empfangs - Be­scheinigung von seiner Braut erhielt, überging er die Sache mit Stillschweigen. Es war ihm peinlich, feine Braut erst speziell an seine Freigebigkeit erinnern zu müssen. Tie Sache wurde nun dadurch noch verwickelter, daß seine Braut bei Rücksendung her Stoffliste kein Wort der Er­klärung hinzngesügt hatte. Zufällig steckte sie gerade, als der Brief eintraf, bis an die Ellenbogen im Seifenschaum; ihr Bruder schrieb für sie die Adresse, und dessen Handschrift war ihrem Verlobten fremd. Beleidigt über sein Schreiben, hielt sich die junge Dame stolz zurück, woraus eine Ent­fremdung entstand, die aber nur einen Monat währte. Die Sache klärte sich erst auf, als Rex bei dem Wollwaren­händler vorsprach, und sich eine Aufklärung wegen Rück­sendung seiner Offerte erbat.- Er zog sie aus der Tasche und wies sie vor mit dem Bemerken, daß er nicht einmal ein Begleitschreiben erhalten. Und er bekam die Ank-