Ausgabe 
22.2.1900
 
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Art waren ihr schon zn bekannt, um den Strom ihrer Ge­danken zu unterbrechen.

Miß Howell, sagte der Arzt, welcher nach einigen Minuten rchch erntrat, der Fall wird zu uns kommen.

Rasch sprang Mildred auf und begann, ihre Vor­bereitungen zu treffen.

hd) bin froh, daß ich Arbeit bekomme, murmelte sie, und meine Gedanken verbannen muß, bis ich ruhiger werde habe beurteilen kann, was recht ist und was ich zu thun ar - ®er Arzt hatte recht, der Patient wurde durch den Auszug heraufbefördert und in den Krankensaal getragen. Dann näherte sie sich dem Verletzten, um seinen Zustand« zu untersuchen.

? Himmel, es ist Robert! rief sie nach dem ersten Blick schluchzend.

Sie kennen ihn? fragte der Wundarzt, welcher die Tragbahre begleitet hatte.

ji*jrein Bruder, mein bester Freund in der Welt! O rasch! Aber vorsichtig! O Gott, er ist bewußtlos! Sein Rock ist mit Blut getränkt, aber sein Herz schlägt noch! O gewiß, er wird noch gerettet werden!

, c- ich glaube, aber der Fall ist so ernst, daß es besser ist, den Oberarzt holen zu lassen!

Sie eilte fort, um den Oberarzt zu rufen. Als sie zuruckkehrte, war Roberts Aermel abgezogen, und an dem unteren ^veil seines linken Armes zeigte sich eine große von dem Huf des Pferdes, welcher wegen des Glatteises auf den Straßen scharf gemacht worden war. Am Oberarm war eine Aderpresse aufgelegt, um die Blutung zu stillen, und nach der Anwendung von Be- lebungsmitteln zeigten sich Anzeichen des zurückkehrenden A^"^iseins Bald erschien der Oberarzt, und geeignete Hilfsmittel der Wissenschaft wurden angewendct. Die schone, junge Wärterin stand im Hintergrund, zitternd in überwältigender Angst, aber sie war |o geschult und diszipliniert, daß sie mit der Pünktlichkeit eines Veteranen den leisesten Wink des Arztes befolgen konnte.

Endlich erwachte Robert und erkannte sie mit glück­lichem Lächeln. Am bedenklichsten war der große Blut­verlust und die daraus folgende Erschöpfung.' Der Ober­arzt erklärte, daß die hauptsächlichste Gefahr in einer er- neuten Blutung liege, und wenn eine solche Vorkommen I schlte, so müsse er sogleich gerufen werden. Dann über­ließ er den Patienten Mildreds Sorge.

_ Robert lag in einem halbwachen Zustand träumerischer Zufriedenheit. Als sie so neben ihm saß und seine Hand hielt, war sie nicht mehr im Zweifel.

Mein einfältiges, altes Herz, wie Bella sagte, ist endlich erwacht, dachte sie. O, wie unglücklich wäre ich, wenn er I sterben würde! Jetzt weiß ich, was er mir ist! Arnoldj liebte ich als Mädchen, Robert aber als Weib! O, was 1 könnte ich nicht für ihn zum Opfer bringen! Endlich habe ich ihn verstanden. Ich hoffte, er würde es über­winden, als ob man dies überwinden könnte! O Gott erhalte ihn! ' I

Mildred, sagte Robert mit schwacher Stimme, Ihre Hand sendet Pulsschläge direkt zu meinem Herzen, sonst I würde ich glauben, mein Körper sei schon tot. I

Gegen Morgen schien er wieder Kräfte zu sammeln', und sre verließ ihn einige Augenblicke, um andere Pflichten I 8 erfüllen. Als sie zurückkehrte, sah sie zu ihrem Ent­setzen, daß die Blutung wieder eingetreten war. Sie sprang I an seine Seite und drückte nach den Regeln der Wissen- I lchaft rhren Finger auf die Ader, wodurch sie den Blut­fluß sogleich unterdrückte. Dann rief sie dem Wärter zu sofort den Oberarzt zu rufen. ' I

dickte in ihr entsetztes Gesicht und sagte ruhig: Mildred, ich furchte nicht den Tod, ich glaube sogar, es I iüare ain besten für mich, zu sterben, so, wie bisher könnte ich nicht mehr langer weiterleben.

Husch, Husch! flüsterte sie.

^etn,. sagte er entschieden, meine Lebensaufgabe ist gelostr sie werden ein Engel der Barmherzigkeit Ihr | Sefeen lang fern, ich aber finde, daß ich trotz allen Ehr- I gerzes nur ein gewöhnlicher Mensch bin. Sie sind stärker und edler als ich. Sie glauben, mein Leben zu retten indem Sie die Arterie schließen, aber die Wunde, die mich I

I tötet, ist in meinem Herzen. Ich kann Sie nicht tadeln, Mildred ich bin schwach ich rede irre

I ,. , Robert! Robert! rief sie angstvoll, ich bin nur ein liebendes Weib! ^ch liebe Sie von ganzem Herzen, und wenn Sie nicht genesen, so ist die Sonne von meinem Himmel ausgelöscht. Jetzt weiß ich, was Sie mir sind! Robert, ich hebe Sie! Robert, leben Sie! Leben Sie!

Er blickte Sie ernsthaft an und dann erleuchtete ein freudiges Lächeln seine Züge.

Ich will leben, sagte er ruhig.

Rasch erschien der Arzt und schloß wieder die Arterie dann wurden ihm Stärkungsmittel gereicht. Robert vex- !nf emen ruhigen Schlaf, und Mildred wußte, daß ihre Worte ihm Ruhe und Glück gebracht hatten, inehr als die Geschicklichkeit eines Arztes vermochte.

Seit sie ihm die Hoffnung gewährt hatte, auf welche er Jo lange und geduldig gewartet hatte, gewann er stünd- "W. an Kraft. Er spielte etwas den Invaliden; denn er dachte mit Widerstreben an die Zeit, wo er das icwsvital verlassen sollte. r

Wenige Monate später fuhr sie mit Frau Heartwold, der früheren Miß, Wetheridge, nach Roberts Haus, ihrer neuen Heimat. Die eleganten Zimmer waren nicht mehr leer, doch nicht inmitten ihrer Pracht und Schönheit wurde sie getraut, sondern unter den Bildnissen ihrer Lieben, welche lächelnd auf sie herabsahen, gab sie sich Robert hin. hhre wenigen Freunde umgaben sie, und es herrschte Friede und Ruhe in ihrem Herzen.

Als alle gegangen waren, rückte Robert den Lehnstuhl au leinen alten Platz beim Kamin.

Milli, sagte er, endlich haben wir beide eine Heimat! Sieh, wie Bella uns anlacht!

Teure Bella! murmelte Mildred. Ihre Worte sind wahr geworden! Als ich so thöricht war, Robert, Dich zu fliehen, sagte sie: Er wird Dich doch noch gewinnen! Und nun hast Du alles, was von mir übrig geblieben ist.

Er schloß sie in seine Arme.

Mildred, sagte er, wir werden nie wieder heimatlos Jem, bis wir die bessere Heimat im Himmel finden.

Ende.

Die Heckunst des Regens.

Nachdruck verboten.

Jii derGeographischen Zeitschrift", herausgegeben von Prof. Dr. A. Hettner (Verlag von B. G. Terckmer, Leipzig) veröffentlicht Prof. Dr. E. Brückner einen Aufsatz über die Herkunft des Regens, der geeignet ist, die Aufmerk­samkeit (weiterer Greife in Anspruch zu nehmen. Wir weisen gleichzeitig auf die genannte Zeitschrift überhaupt hin, die vor allem geographischen Fragen von allgemeinem Inter­esse dauernd ihre Aufmerksamkeit zuwendet, und geben im Nachstehenden wichtigere Ausführungen Prof. Dr. Brück­ners wieder.

Ueberblickeu wir eine Regenkarte der Erde, so drängt sich uns in zwingender Weise die Thatsache auf, daß in erster Reihe die Lage eines Ortes zum Weltmeer über die lährlich fallende Regenmenge entscheidet. Am Gestade de« Ozeans treffen wir die regenreichsten Gebiete, int Herzen der Kontinente, besonders wo hohe Gebirge dem Zutritt ozeanischer Luft wehren, dehnen sich dürre Steppen und wasserlose Wüsten. Die Berücksichtigung der Lage zum Weltmeer und zu den herrschenden Winden giebt den Schlussel zum Verständnis der großen Züge der Verteilung des Regefalls auf den Land flächen. Was war natürlicher, als daß man meist das Meer auch mehr oder minder al« einzigen Dampfspender ansah und die Herkunft des Regen« fast ausschließlich vom Meer äbleitete! Nur vereinzelt er­hoben sich Stimmen dafür, daß auch die Verdunstung von den Landflächen wesentlich zum Regenfalle beitrage. Alexander Woeikof führte u. a. aus, daß so beträchtliche Regenmengen in großer Entfernung vom Meer und fern bon hohen Gebirgen, wie sie die Amozanasebene aufweist, mcht wohl zu erklären seien, wenn nicht die Verdunstung der Binnengewässer und des Vegetationsbodens gleichfalls zur Speisung der Niederschläge beitrüge. Einen ent­sprechenden Schluß zog jüngst Alexander Supau aus der verhältnismäßig großen Gleichförmigkeit in der Ver-