Donnerstag den 22. Februar
1900.
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er Aberglaube ist eine unsinnige Verirrung; er fürchtet, was er lieben sollte, er beleidigt, was er verehren will.
Seneca.
i Schluß.)
Eine große, glänzende Gesellschaft war an dem Abend zugegen, an dem sie ihr Diplom erhielt, denn dre Schule besaß das Interesse der besten Kreise der stadt. Mildreds gewinnende Erscheinung und treffliche Zeugnisse, lenkten die allgemeine Aufmerksamkeit auf sie, und viele ließen ftch vorstellen. Mit Beredsamkeit sprach Mister Wentworth ihr Lob und auch der alte Vinton und seine Tochter sprachen mit so innigem Dank von ihren Verdiensten, daß sie tief qerU«ac£)beni die Formalitäten vorüber charen, wurde sie von ihrer alten Freundin, der früheren Miß Wetherrdge, bC9U®ir sind eben aus dem Ausland zurückgekommen rief sie und ich bin glücklich darüber, daß die Gesundheit meines Mannes wieder hergestellt ist. Vergeben ete mn mein langes Schweigen, denn in dem ersten Jahre befand er ich cn so kläglichem Zustande, daß ich alles darüber vergaß. Aber nun möchte ich von Ihren eigenen Lippen "U^^Mildr^ch "mußte ihr versprechen, sie bald und oft zn besuchen Während sie' so vielfach in Anspruch genommen war, hatte Robert sie nur von ferne beobachtet. Endlich tlClt Wollen wir nicht noch ein wenig in diese Neben- .immer treten? fragte sie. In wenigen Augenblicken ruft mich die Pflicht nnd ich muß in einen dusteren Krankensaal zurückkehren. Aber ich liebe meinen Berus, Robert, obgleich ich noch keine eigene Heimat habe.
Ich bin auch heimatlos, Mildred!
Sie? In diesem schönen Hause? . -
Wände und Möbel machen keine Heimat aus. Sagen Sie mir, Mildred, wie krank muß ein Mensch sem, um eine 9^^RobeR^sageu Sw nür°ehrlich, bat sie mit ängstlichem leise, ich bin heute abend abgespannt ich verliere den Mut. Man hält mich für den /äcklichsten Menschen und beneidet mich, aber ich fühle
Nachdruck verboten.
Heimatlos.
Roman von R. P. Roe.
mich einsam. Damals, als ich Ihre Sorge und Ihre Armut teilte, war ich zehnfach glücklicher, als jetzt.
Robert, Sie machen mir Sorgen, Sie find Nicht
möchte nicht auf Ihre schöne Feier eine Wolke werfen, aber ich fühle mich so niedergeschlagen und^ kann mich nicht mehr beherrschen. Die Oberin scheint öie zu suchen! Vielleicht bin ich bald krank genug, um eine geschulte Pflegerin zu bekommen. Sehen Sie, ich spiele ein chlaues Spiel! Mit einem Versuch zu einem herzlichen Lachen nahm er Abschied, und sie eilte fort, um ihre Pflichten, zu crfüll'en.
Wenige Augenblicke später befand sie sich un Krankensaal, aber ihre Gedanken waren abwesend.
Kann ich ihn diesem unglücklichen Leben überlassen? fragte sie sich unter Selbstvorwürfen und wachsender Unruhe. -- , , ,
Nachdem die meisten Gäste gegangen waren, trat auch Robert in trüber Stimmung in die frostige Nachtluft hinaus, welche früher seine Schritte so rasch und elastisch gemacht hatte. Er war noch nicht weit gegangen, als er die Hufschläge von galoppierenden Pferden vernahm und weibliche Stimmen, welche um Hilfe riefen. Als er sich umwandte, erblickte er einen Wagen, welcher in rasender Eile auf ichn zukam. Eine plötzliche Verwegenheit und der Antrieb, Hilfe zu bringen, erfaßte ihn, er sprang auf den Fahrweg hinaus, ergriff den Zügel des euren Pferdes und hängte sich mit seinem ganzen Gewicht daran. Sein ungestümer Angriff und sein Gewicht nötigten das eine Pferd zu etwas langsamerem Lauf, ein Schutzmann kam ihm zu Hilfe, versetzte dem anderen Pferd erneu Schlag, hinter das Ohr mit seiner Waffe und ergriff den anderen ^Roberts rechter Arm war so angestrengt, daß er den Griff verlor, und ehe er aus dem Wege kommen konnte, hatte das Pferd ihn niedergeworfen und lief über ihn weg. Durch die rasch sich sammelnde Menge wurde das Pferd zum Stehen gebracht, aber er war unfährg, srch
Bringen Sie mich in das Bellevue-Hospital! sagte er.
Dieses war nicht weit entfernt, aber noch ehe eine Tragbahre kam, wurde er ohnmächtig. .
Mildred saß in ihrem kleinen Zimmer, welches eine Abteilung des Saales bildete, tief in Gedanken versunken. Plötzlich ertönten vier heftige Schläge der Glocke von der Pforte des Hospitals. Sie fuhr aus ihrer Träumerei miy, denn das Zeichen bedeutete einen chirurgischen Fall, welcher in ihren Saal gebracht werden mußte. Sie war jedoch noch so in ihre Gedanken vertieft, daß sie kaum bemerkte, wie eine Tragbahre in den Hof hineingebracht tourbe,. ' von welcher die Gestalt eines Mannes gehoben wurde. Dies sah sie alles vom Fenster aus, aber Szenen dieser


