Ausgabe 
22.2.1900
 
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teilung der Sommerregen int Norden der alten Welt Er halt für den einzigen Lieferanten des Wasserdampfes, der stch tn den Regen des sibirischen Sommers verdichtet, die Verdunstung von den Landflächen. Brückner selbst ist auf anderem Wege zu dem gleichen Resultat gelangt.

,®r untersucht zunächst, ob die Verdunstung von Land- slachen, zu denen er auch die Oberfläche der Binnen­gewässer, der Seen und Moore rechnet, der Atmosphäre überhaupt erhebliche Quantitäten Wasserdampf zuführt.

Von dem als Regen oder Schnee fallenden meteorischen Wasser slreßt ein gewisser Teil oberirdisch ab, ein gewisser Terl verdunstet ohne Verzug, ein Teil endlich versickert. Dreses versickerte Wasser bleibt aber nicht dauernd int Voden, es wird z. T. von der Vegetation verbraucht, die Wasser aus umso größeren Tiefen hervorholt, je tiefer chre Wurzeln reichen, und gelangt so nachträglich zum Verdunsten tn die Atmosphäre. Ein anderer Teil speist das Grundwasser, von dessen Oberfläche ebenfalls Ver- dunstung stattfindet, sofern die Hangende Gesteinsschicht utcht zu mächtig ist. Das Grundwasser, so weit es nicht verdunstet, endlich tritt als Quelle zu Tage und hilft die obertrdstch fließenden Gewässer speisen, ist also zum Ab- schlugen. Einzig der Rest, der teils etwa im Grundwasferstrom zum Meere sich bewegt und hier unter» Irisch austritt, teils in chemischen Prozessen int Boden dauernd gebunden wird, vereinigt sich, weder mit dem verdunfteten, noch mit dem oberirdisch abfließenden Wasser: er tft nicht zur Verdunstung zu schlagen. Dieser Teil ist aber nach allem, was wir wissen, unbedeutend. Es ge­stattet daher die Kenntnis des Regenvolumens, das auf et Stromgebiet fällt, so wie der durch den Strom abflteßenden Wassermenge einen Näherungswert für die Verdunstung zu berechnen.

Sind auch manche der so ermittelten Zahlen noch unsicher, so zeigen sie doch die Größenordnung, um die es stch handelt: Die Verdunstung von den Landslächen ist in regenreichen Gebieten bedeutend und steht hier jedenfalls der Verdunstung vom benachbarten Meeresspiegel wenig Zwar feheln Beobachtungen der Verdunstung auf dem Meere; doch können wir auf deren Betrag aus den Beobachtungen schließen, die an größeren Wasserflächen des Landes in der Nähe der Küste in ebenem Gelände ge­macht worden sind. Sicherlich ist darnach die Verdunstung von den Landflächen West- und Mitteleuropas mindestens halb so groß wie die vom benachbarten atlantischen Ozean und tntnter noch ein Drittel ober ein Viertel der Verdunstung in tropischen Meeren. So viel steht fest, die Verdunstung von den Landslächen ist so groß, daß sie einen bedeutenden Einfluß auf den Regenfall haben kann. Es läßt sich aber auch zeigen, daß sie ihn wirklich hat. Einen wichtigen Beweis dafür liefert uns die Wasser­führung der Flüsse.

. Die Wassermasse des Ozeans muß innerhalb längerer Zeiträume als konstant angenommen werden; andernfalls würden allgemeine Veränderungen des Wasserstandes er­folgen, die sich der Wahrnehmung nicht hätten entziehen können. Es muß also ebensoviel Wasser dem Ozean zurück­gegeben werden, als ihm durch Verdunstung entzogen wird. Würde also der gesamte Regen der Landflächen direkt dem vom Ozean aufgestiegenen Wasserdampf entstammen, so müßte die gleiche Menge auch zum Ozean zurückkehren. Ein solches Rückkehren könnte aber nur, von den Gletschern der Polarregion abgesehen, in flüssigem Zustand durch die Flusse oder in gasförmigem Zustand durch die Atmosphäre erfolgen.

Durch die Flüsse werden aber von dem gesamten Niederschlag der Landflächen nur 22 pCt. dem Meere zu- Wführt, also rund zwei Neuntel. Wenn wirklich aller Regen ozeanischen Ursprunges wäre, so müßten die übrigen sieben Neuntel durch die Atmosphäre zum Meer zurück- Mlangen. Das ist völlig ausgeschlossen. Die Menge Regen «ber, die nicht zum Ozean zurückkehrt, kann auch nicht vom Ozean stammen; mit anderen Worten: ein wesentlicher DE des Niederschlags der Kontinente nach einer Schätzung, die ich vorgenommen, wahrscheinlich zwei Drittel, sicher mehr als die Hälfte entsteht ans Wasser- danchf, der den Landflächen entstammt.

Sicher ist namentlich, daß der Niederschlag der Wärme- fletoitter des Sommers größtenteils dem Wasserdampf des

Landes entspringt. Das gilt selbst von Mitteleuropa. Nicht selten beobachtet man, daß während einer schwach ausgesprochenen anticyklonalen Wetterlage zuerst schönes Wetter herrscht, gar bald aber das Spiel der aufsteigenden Luftströme, das mit der aufsteigenden Temperatur von Tag zu Tag höher greift, nachmittags zu Kondensation und Wolkenbildung führt: Gewitter setzen ein, die sich jeden Nachmittag wiederholen, während vormittags die Sonne brennt. Die Verdunstung des frischgefallenen Regens vom Boden und besonders von der triefenden Vegetation aus liefert jeden Vormittag den Wassexdampf für das nach­mittägliche Gewitter. Eine andere Herkunft ist aus­geschlossen; denn es fehlt jegliche allgemeine Luft­bewegung, die etwa Wasserdampf vom Meer zuführen könnte. Aehnlich dürften die Verhältnisse zur Regenzeit in den ausgedehnten tropischen Landgebieten z. B. am Amazonenstrom sein. Solche Gewitter-Perioden sind Perioden besonders lebhaften Umsatzes von Wasser in Dampf und von Dampf in Niederschlag.

Nicht unthätig ist also die Rolle, die die Landfläche im Kreislauf des Wassers spielt; in gewaltigem Umfang trägt sie zum Feuchtigkeitsgehalt der Luft bei: nahezu zwei Drittel des auf sie fallenden Regens entstammen den von ihr sselbst gelieferten Dampfmassen, sind also kontinen­talen Ursprungs. Indirekt ist allerdings der Ozean auch für diese Dampfmassen Urquell: er liefert eine gewisse Wassermenge, die sich über dem Lande mehrfach umsetzt, dort rascher, hier langsamer, und so im Regenfall mehrfach in Erscheinung tritt. Ein Wasserteilchen, das durch die Atmosphäre vom Ozean zum Lande kam, fällt hier durch­schnittlich dreimal als Niederschlag nieder, ehe es wieder in den Schoß des Ozeans zurückkehrt.

Transvaal-Lotosland.

Bon Fred Hood.

Nachdruck verboten.

Es gießt int Nordosten von Transvaal, dieser so viel umstrittenen Republik, ein Gebiet, das allen anderen Teilen des Landes so wenig ähnlich ist, daß alle hierher ver­schlagenen Fremden in ein wahres Entzücken geraten über die Reize, welche die Natur hier vor den Augen der Sterb­lichen enthüllt. _ Es ist eines der am wenigsten bekannten Gebiete Südafrikas, ein von der modernen Kultur unbe­rührter und unbefleckter Boden.

Die Natur hat ihr Bestes gethan, diese grüne Einsam­keit tn ungestörtem Frieden zu erhalten und vor den Ein­fällen der Weißen zu schützen. Nur von den Hufen der Stiere und Rinder getretene Pfade, die bei jedem Regen tu ein Strombett verwandelt werden, führen in dieses Land, und an den Ufern des Limpopo lauert die tötliM Malaria.

Aber noch schrecklichere Bundesgenossen haben die Eingefrorenen, die Tsetsefliegen, die in großen Schwärmen dw Pferde der Reisenden überfallen und töten. Nach neuerer Beobachtung soll es allerdings nicht das Gift dieser Stechfliege (Glossina morsitaus), sondern eine Infektions­krankheit fein, an welcher die Tiere zu Grunde gehen. Einerlei!

Jedenfalls wissen die Eingeborenen, Gegenden, in denen diese Seuche herrscht, zu vermeiden und ihr Vieh zu schützen. Aber von ihnen haben die Fremden keinen Beistand zu erwarten, Magatv rühmlichen Angedenkens hatte seine Untertanen vor den eindringenden Gold­suchern als den gefährlichsten und listigsten Feinden des Landes gewarnt.

Die Bewohner dieses Gebietes sind völlig unabhängig, obwohl sie unter dem Schutze der Regierung stehen; sie sind niemals von den Buren besiegt worden, und Magata hatte es verstanden, ihre Unabhängigkeit zu befestigen. Er soll ein tüchtiger, zielbewußter Herrscher gewesen sein, und die Geschichte erzählt, daß er den gefürchteten Burengeneral Joubert, der ausgesandt war, die rückständige Hüttensteuer eiuzuzichen, sehr kurz afrgefertigt hatte.Ihr seid nicht Paul Krüger", sagte er,Ihr seid nur sein Diener. Wenn er mich zu sprechen wünscht, so mag er nur selbst kommen". Und die Hüttensteuer wurde bis zum heutigem Tage nicht eingezogen.