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21.8.1900
 
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LrtterarLfches.

Wilh. F. Brand: Reise um die Welt. Leipzig, Verlag von B. Elischer Nachfolger, 1899. Preis eleg. geh. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Ein brillant geschriebenes, ungemein interessantes und höchst lesens­wertes Buch! Wilh. F. Brand hat sich bereits durch seine Bücher Allerlei aus Albion" undLondon life" als Reiseschriftsteller einen guten Namen gemacht, und sein neuestes Werk, das aus einer Reihe auf der Reise und unter dem unmittelbaren Eindrücke des Erlebten ver­faßter Feuilletons besteht, ist durchaus geignet, noch weitere Kreise des deutschen Lesepublikums auf ihn aufmerksam zu machen. Er hat eine scharfe Beobachtungsgabe, ist immer und überall gut eingeführt, ver­bindet die vornehme Anschauung des Gentleman mit strenger Wahr­heitsliebe, hat einen liebenswürdigen Humor und versteht es ausge­zeichnet, das Ernste und Wissenswerte bei der Schilderung von Land und Leuten in frischem Plaudertone mit heiteren Anekdoten zu verbin­den. Mag er uns das Leben und Treiben aus den Schiffen während der Seereisen schildern oder unZ ein lebendiges Bild der Länder, Städte und Menschen zeichnen, zu denen er uns führt immer weiß er in eigenartiger Weise Neues zu entdecken, Unbekanntes mitzuteilen, unsere Kenntnisse zu bereichern rmd unsere Vorstellungen zu berichtigen. Und dabei schreibt er so anziehend, so spannend, daß man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Auf seinerReise um die Welt" führt Brand den Leser zunächst um Westeuropa herum nach Aegypten und erzählt uns mancherlei vom Lande der Pharaonen, das wir trotz aller Reiseberichte über dasselbe noch nicht wußten. Dann geht es durch den Suez-Kanal und das Rote Meernach Ceylon, und unterwegs erfahren wir höchst interessante Einzel­heiten über Arabien. Die Schilderung von Ceylon, wo Brand sich längere Zeit aufgehalten hat, enthält eine ganz neue Welt und gehört zum Besten, was über diese Insel und ihre Bewohner geschrieben worden ist. Alsdann werden wir über Singapore und Hongkong nach China geführt, wobei wir mit dem Verfasser einen ungemein lehrreichen Aus­flug nach Kanton machen, um dann über Shanghai nach Kiautschon zu gehen und dort unsere neueste Kolonie aus's genaueste kennen zu lernen. Nach längerem Verweilen inDeutsch-China" reifen wir mit Brand nach Japan, um hier eingehende Studien zu machen. Brand hat einem Feste des Mikado beigewohnt und denBismarck des Ostens", den Marquis Ito, interviewt, worüber er sehr interessante Mitteilungen macht. Besonders hervorzuheben ist es auch, daß der Verfasser in das Innere der japanischen Inseln gedrungen ist und hierüber vieles ganz Neue berichtet. Daun geht es wieder über's Meer nach Hawaii, wo Brand eine pikante Unterredung mit der Prinzessin Kainlani hatte. Und endlich gelangen wir mit ihm nach Nordamerika und lesen mit fliegendem Atem seine Schilderungen der Mormonenstadt, des Niagara und der großen nordamerikanischen Städte mit ihrem bunten Leben und Treiben. Auch hier weiß Brand ganz neue Saiten anzuschlagen, und Licht und Schatten so offen und gerecht zu verteilen, daß wir ihn mit Bedauern denBarbarossa" in New-York besteigen und nach Hause fahren sehen.

Wir können BrandsReise um die Welt" nur aus's wärmste zur Lektüre empfehlen, und sind überzeugt, daß niemand, sei er nun ein Privatmann, der gern von fernen Völkern und Ländern Kunde erhält, oder ein Geschäftsmann, dem die Kenntnis überseeischer Verhältnisse not­wendig ist, das Buch unbefriedigt aus der Hand legen wird.

Ergänzungsrätsel.

Nachdruck verboten.

In den nachstehenden Wörtern sind die Striche durch Vokale und Punkte durch Konsonanten sinngemäß zu ergänzen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Not bricht Eisen.

aber mit einer Schmutzkruste von oben bis unten über­zogenen alten Götzenpriester immerfort um sich zu haben, wird vollends unerträglich. Indessen so etwas sicht ja die Chinesen weniger an, und der Brauch, der in dem der Gasthöfe" beinahe noch gänzlich entbehrenden China all­gemein ist, der Brauch, daß die Tempel dem Rersendeu ein freies Obdach gewähren, ist immerhin ebenso über­raschend, wie anerkennenswert. Doch giebt es in Tsintau glücklicherweise daneben heute aber auch schon deutsche Gasthöfe". ,

Bald nach der Besitzergreifung von Kiantschon hatte ich eine Unterredung mit dem Marquis Ito, dem Minister- Präsidenten Japans, die in meinem letzthin veröffentlichten BuchReise um die Welt" *) im einzelnen wiedergegeben ist. DerBismarck des Ostens" antwortete mir damals aus mein Befragen über diesen Punkt vorsichtig und nach! einigem Zögern:Die Besitzergreifung der Bucht mag ja eine wesentliche Errungenschaft für Deutschland sein, und andere, von anderen Völkern offenbar geplante ähnliche Schritte mögen einen ebenso großen Erfolg aufweisen vielleicht! Wer weiß! Sie mögen aber auch; eine Art Kuba für ihre Besitzer werden was Kuba für dre Spanier geworden." ,

Nun, wir kennen ja den Standpunkt Japans trt Bezug auf China. Nach den neuerlichen Vorgängen in diesem Lande ist es ja nicht ausgeschlossen, daß uns der Besitz Kiautschous noch streitig gemacht werden, noch blutige Opfer auferlegen mag. Aber wir wissen auch, daß, wo dre deutsche Flagge einmal aufgehißt ist, dieselbe niemals wieder eingezogen wird!

*) Verlag von B. Elischer Nachfolger in Leipzig. Preis Mk. 4., geb. Mk. 5. (Vgl. Litterarisches.)

Humoristisches.

Immer derselbe. Dame:O, ich bin meistens heiter, nur manchmal habe ich so trübe, nachdenkliche Stunden!" Student:Ach so! Nicht wahr, so gegen deu Seiten ^cTiitn ?/z

Kindlich. Lehrerin ldie den Kindern vomDorn­röschen" erzählt):Womit hat also der Prinz das Dorn­röschen aufgeweckt? Was gab er dem Dornröschen? (Mariechen schweigt.) Nun, Mariechen, er gab ihm doch dasselbe, womit Dich morgens Deine Mutter betm Er­wachen begrüßt! Was gab er ihm also?" Mariechen: Einen Lössel Leberthran!"

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GemetWItÄizigss.

Chinesische und japanische Weinreben in Frankreich! Die neueste Nummer des praktischen Rat­gebers im Obst- und Gartenbau bringt hochinteressante und auch für uns Deutsche beachtenswerte Mitteilungen über Erfolge, die man in Frankreich mit der Einführung chine­sischer und japanischer Weinreben erzielt hat. Herr Caplat, der Maire von Damigny im Gebiete von Almcon, westlich von Paris, hat die ersten Versuche damit im Jahre 1882 gemacht, in dem Bestreben, den Weinbau in seiner hoch­gelegenen rauhen Heimat zu.ermöglichen, und diese Ver­suche sind so glänzend ausgefallen, daß die chinesischen und japanischen Reben sich schnell in Frankreich zu ver­breiten beginnen. Sie sind völlig winterhart, unempfind­lich gegen Krankheiten, anspruchslos an Boden und Klima, üppig im Wachstum und reichtragend. Die Beeren sind rund, haben eine dünne, dabei feste Haut und sind von großem Wohlgeschmack. Auf der Hochfläche in rauher Lage reifen sie Mitte September. Die aus den Beeren gekel­terten Weine sind jetzt im Auftrage des Landwirtschafts- Ministers vom Professor Lindet analysiert und haben nach dessen Gutachten vorzügliche Eigenschaften, die ohne Zweifel im Weinhandel noch eine große Bedeutung erlangen werden. Die Nummer des praktischen Ratgebers, die den betr. Aufsatz enthält, wird aus Wunsch vom Geschäftsamt in Frankfurt a. Oder gern umsonst zugeschickt.

Um Schuhw erk vollkommen wasserdicht zu machen. Man nehme ein halbes Liter Klauenöl und ein Viertelliter Leinöl und koche sie miteinander. Damit reibt man die Schuhe am Feuer so lange ein, bis sie vollkommen damit gesättigt sind. Tie Sohlen eleganter Stiefel könneU durch dieselbe Mischung undurchdringlich für Regen und Schnee gemacht werden. , ,

Reinigung von Maschinenteilen. Um durch Schmieröl und Staub klebrig gewordene Maschmenterle zu reinigen, nehme man auf 1OOO Gewichtsterle Wasser 10 bis 15 Gewichtsteile kaustischer Soda oder Aetznatron und 100 Teile gewöhnlicher Soda. Diese Mischung lasse man kochen, lege die Maschinenteile hinein, und alles Fett Oel und Schmutz wird sich rasch ablösen, man braucht dann nur noch das Metall abzuspülen und gut zu trocknen.

Wehrfttw: e. ®nrt*«r»t. Druck UN» Setlag der Brühl'sch« UntdersitStt-vuch. und Stetndrmkerei (Piets» Erden, in «ießen.

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