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icht das viele Wissen ttjut’S, Sondern wissen etwas Gut's.
Logan.
(Nachdruck verboten.)
Tante Justines Weihnachtssünde.
Eine heitere Weihnachtsgeschichte von Alwin Römer.
„Echtes Weihnachtswetter!" sagte mit einem befriedigten Blick in die wirbelnden Flocken einer der Jungen, die sich seit Wochen schon verabredet hatten, an diesem „Heiligen Abend" vor anderer Leute . Thüren Weihnachtslieder zu singen.
„Das hat das Christkind famos gemacht!" bestätigte fein Kumpan; da riß ihm im gleichen Augenblick der übermütige Wind, der den Schnee kaum zur Erde kommen ließ, die dicke Mütze vom Kopfe, nahm sie eine Weile mit in die Lüfte hinaus, als wäre sie genau so leicht, wie die tanzenden ^chneesternchen, und trieb sie dann quer über die Straße in eine Thorwegecke, wo jte das hurtig hinterdrein stampfende Menschlein glücklich wieder einfing.
„Das hat das Christkind famos gemacht!" dachte beim Anblick dieser lustigen Jagd auch. ein schönes, dunkeläugiges Fräulein, das am Fenster eines hohen, alten Patrizierhauses stand. Laut aber kam es von den seinen roten Lippen:
„Es ist ein wahres Unwetter, Tante! Tu kannst unmöglich mit zur Kirche gehen! Sieh nur, wie der Sturm den Leuten die Sachen vom Kopfe reißt! Und dieses Schneetreiben! Ganz sicher, Du bekämest einen neuen Gichtanfall, wenn Du Dich dem aussetztest!"
Tante Justine lächelte nur ein wenig und! rückte sich dabei im Lehnstuhl zurecht. Dann fragte sie plötzlich:
Sag 'mal, Rose, was ist denn das für ein Fräulein Fafner, mit der Du jetzt öfter zusammen gesehen wirft? Ich! kenne hier gar keine Familie dieses Namens!"
„Fafner? — Liebe Tante, ich — nein, das must eine Verwechslung sein, — ich kenne gar kein Fräulein Fafner!"
„Aber einen Herrn Roderichs kennst Du doch!?"
„Roderich?" stammelte Rose, und das Blut schpß ihr jäh in die Wangen. , „ . ..
„Ganz richtig: Roderich! Derselbe, der Dir den Brief geschrieben hat, in dem von dem Fräulein Fafner die Rede ist, nach der ich vorhin fragte. Ich! habe ihn zufällig in Deinem Muff gefunden, wie ich! den Korridorfchlüssel suchte. Und da steht es mit durchaus nicht zu verkennenden Buchstaben: Fafner! „Hoffentlich kommst Du morgen ohne Dein schreckenverbreitendes Fräulein Fafner
zur Kirche; ich erwarte Dich dann am Portal. Und wenn Ihr Eure Chöre singt, stell' Dich! in die vorderste Reihe, daß ich Dich sehen kann, süßes Herz". — Das ist ja ein recht intimer Ton von einem wildfremden Mann! Schäme Dich, Rose!" sagte die alte Dame und faltete den Brief wieder zusammen.
„Er ist aber gar kein Wildfremder! Du kennst ihn ganz gut, Tante, und hast ihn früher auch wohl leiden mögen!" verteidigte sich; Rose Hartwig gegen ihre gestrenge Tante.
„Ah, dacht' ich's doch", entrüstete sich die daraus, „daß es dieser ungezogene Herr Leutnant sein müsse, dieser Besserwisser, der alten, erfahrenen Leuten über den Mund fährt, als ob's seine Rekruten wären! Dieser Tempelschänder! Dieser —" \
„Aber, Tante, rede Dich doch nicht in Zorn!" bat Rose, der die Thränen schon in den Augen standen.
„In Zorn brauch, ich mich nicht erst zu reden, der kocht schon lange in mir! Dieser Herr von Habenichts will Dich' also heiraten und denkt natürlich ich!, das; Fräulein Fafner, das schreckenverbreitende Ungetüm, der Lindwurm aus dem Nibelungenring —"
„Tante, liebste Tante!" flehte Rose, entsetzt über diese unvermutete und leider unangreifbare Auslegung des bösen Wortes. Aber Tante"Justine ließ sich; nicht unterbrechen; es mußte herunter, was ihr einmal auf dem Herzen lastete, trotz der Würde des Festtages, an dessen Schwelle sie standen, und so wiederholte sie:
„Ich!, der Lindwurm aus dem Nibelungenring, bin dazu gut genug, ■ Euch; die Moneten zu geben, ohne die's, Gott sei Dank, nun einmal nicht steht! Aber da irrt er sich;, der Herr Roderich von Wilmsen. Keinen Heller geb' ich! dazu, daß Du's gleich weißt! Und wenn morgen der Aelteste von Bürgermeisters aus Berlin kommt, der schon immer seinen Narren an Dir gefressen hatte, so thust Du gut, ihm kein schiefes Gesicht zu schneiden; denn den mag ich! Punktum!"
„Aber ich- mag ihn! nicht!" trotzte Rose.
„So thu, was Dir gut dünkt! Die Welt steht Dir ja offen. Aber so lange Du noch in meinem Hause bist, — und das dauert immer noch über ein Jahr; denn eher bist Du nicht mündig, — so lange streich diesen edlen Herrn von Unverschämt aus Deinem Gedächtnis. Ich werde es als meine vornehmste Pflicht betrachten, jede Zusammenkunft zwischen Euch; zu vereiteln. Deshalb gehe ick> auch! heute mit Dir zur Kirche, trotz aller Gichtanfälle, die Du befürchtest. Und sobald der Gottesdienst zu Ende ist, werde W am Portale stehen und Dich erwarten.. Es ist arg, daß ich auf meine alten Tage dergleichen noch- auf mich nehmen muß, aber es geht nicht anders!" orakelte die Tante und schlug dabei mit der Hand auf


