Ausgabe 
20.11.1900
 
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In früheren Zeiten, wo es nur wenige Aerzte gab, und wo das Landvolk fast ganz der ärztlichen Hilfe ent­behren mußte, waren die Bittermittel die getreuesten Schätze der Bevölkerung. Man war sich damals sehr wohl dessen bewußt, daß die meisten und verhängnisvollsten Krankheiten uns dem Magen kämen, und so liebte man es, auch den geistigen Getränken für die gesunden Tage Abkochungen dieser Mittel beizufügen.

Die neuere Arzneikunde hat die alten Erfahrungen sich zu nutze gemacht und so bilden auch heute die bitteren Tinkturen bei den Aerzten eine beliebte Verordnung, die ihren Erfolg nur selten vermissen läßt. Freilich zu täg­lichem Gebrauch waren solche Mittel bisher nicht zu verwenden. Es war daher ein sehr bedeutungsvolles Pro­blem, wie man die in vieltausendjährigem Gebrauch er­probten Mittel auch zu einem Haustrunk vereinigen könnte.

Freilich konnten die Angaben der Schäfer und Bauern der Schöpfer unserer modernen Wasserbehandlung Vincenz Prießnitz war ein schlichter Ackerbürger nicht ohne weiteres angenommen werden. Es mußte nicht nur die Wirkungsweise im allgemeinen untersucht werden, sondern vor allem ihr Einfluß auf die einzelnen Krank­heiten. Ein Segen für die leidende Menschheit kann somit die Naturheilmethode nur werden, wenn sie von einem umsichtigen und verständnisvollen Arzt je nach dem Einzel­fall angewendet wird. Ein tüchtiger Arzt wird im Wasser und' in der Massage immer nur eine Unterstützung für sein Heilungsbestreben sehen.

Leider hat der ungeahnte Erfolg der Wasserheilkunde auch sein Schlechtes gezeitigt. Man glaubte nun ganz und gar auf die früheren Arzneien verzichten zu können und sprach sogar davon, daß es geradezu Sünde sei,mit Giften" dem menschlichen Körper zu kommen. Gewiß lächeln die heutigen Aerzte über die Rezepte, wie sie noch, vor sechzig Jahren verordnet wurden. Da wurden oft 1020 vreschiedene Medikamente zusammengemischt, ohne Bedacht darauf, ob sie sich, nicht geradezu in ihrer Wirkung aufhoben. Der moderne Arzt dagegen sieht gerade in der Einfachheit seiner Verordnung die beste Gewähr für chre sichere Wirkung. Wenn er sich auch,' nicht der Be-

Ein solches Präparat liegt nunmehr in dem sogenann­tenMa gen do ktor" vor, der von dem Barmer Apo­theker W u r m hergestellt wird und die Anerkennung vieler Mediziner gefunden hat. Es toitb' bei dessen Zubereitung der Grundsatz verfolgt, nicht nur die einheimischen Pflanzen zu gebrauchen: Wachholder, Krauseminze, Pfefferminze, Fliederbeere. Sondern: wo immer auf der Welt ein Bitterkraut sich bewährt hat, wird es dabei in geschickter Kon­zentration und Zusammenstellung verwertet. Durch Zusatz von Karamel hat der Erfinder erreicht, daß seinemMagen­doktor" jener widerlich-bittere Geschmack fehlt, der für die heilkräftigen Bittertinkturen kennzeichnend ist Ein nied­riger Alkoholgehalt, etwa 30 Prozent, steigert nach be­kannten wissenschaftlichen Gesetzen die Wirkung der aroma­tischen Bitterstoffe auf Magen und Darmkanal aufs höchste.

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001 dem .Schreibtisch nieder und warf mit I Lande saust, zwingt der Mensch dazu, daß er ihm Mühlen raschen Federzugen emrge Zeilen auf ein Blatt Papier, treibe. Die wilden Tiere hat er gezähmt, um sw vor den IT ^nen ersparen; denn alles | Pflug zu spannen. Und da sollte^es eine Sünde sein die

nrn haben Ich werde Sie nW I Pflanzen zu verwerten, Korn und Baumfrucht und all die

drangen; aber Sie sollen doch ein- I Kräuter! Ja, selbst die giftigsten lernte der Mensch so gedenk blerben, daß Sre mein Schuldner sind. Schreiben I anzuwenden, daß sie für ihn zum Segen wurden als ^te ^ren Namen darunter, und stecken Sie das Geld | Heilmittel. Seit tausenden von Jahren haben weise iM'prim?aSrMn-ien Einzahlung' bei ber Per- I Frauen und Männer aus Kräutern heilsame Säfte ge-

sichierungsgesellschast noch heute leisten. Dann ist die I Wonnen, und wir sollten so einseitig werden nur- dumme Geschichte ein- für allemal abgethan." noch des Wassers und der Knetknren uns bedienen zu

Nlrt unsicherer Hand leistete Sigismund die verlangte I wollen! °

Unterschrift. Vor seinen Augen krochen die Buchstaben I Wir brauchen nicht an den Mohn zu erinnern aus so wirr durcheinander, daß er Mühe gehabt haben würde, I dem das Morphium gewonnen wurde, das Milliarden oen Wortlaut des Scheines zu erfassen, auch wenn er I von Menschen die Stunden furchtbarster Schmerlen ge- uberhaupt daran gedacht hätte, ihn zu lesen. Noch bevor I kürzt hat; nicht an die Chinabaumrinde, die das schireck- "1? Feder aus der Hand 'gelegt, hatte ihm Sandory I liche Malariafieber, diese Plage der Bewohner sumpfiger das Papier auch schon fortgezogen, um es zu rascherem |l'@egenben, zur Ruhe bringt. Unser deutsches Vaterland Trocknen ern paarmal in der Luft zu schwenken und I birgt eine große Menge von Heilkräutern, die schon in eS baun nachlässig zusammen zu falten. Als wünsche I den grauesten Zeiten der germanischen Völker von klugen er, den Besucher nun so schnell als möglich los zu werden, I Frauen für Kranke und für Gesunde gesammelt und reichte er ihm daraus zum Abschied die Hand. I benutzt wurden. Ich brauche nur auf den Fingerhut hin-

Keme Redensarten mehr, wenn ich bitten darf! I zuweisen, der das Leben so vieler Herzleidenden auf Jahre Das ist erledigt, und bis zu dem Tage, an dem Sie I hinaus erhalten hat zur Freude ihrer Angehörigen

r ®eIb zurückbringen, ist davon zwischen uns I Besonders geschätzt waren bei allen Völkern und zu nicht mehr die Rede." I allen Zeiten die sogenannten Bitterkräuter und die aroma-

Er schob ihn fast aus der Thür, und dann streckte I tischen Gewächse. Man denke an die Vanille, die schon er iich wieder bequem auf dem Ruhebett aus, um bei I von der Urbevölkerung Mexikos, den Azteken, von denen einer frischen Zigarette die vorhin unterbrochene Lektüre I heute nur noch wenige Menschenexemplare vorhanden sind von neuem aufzunehmen. I gebraucht wurde; an den Fenchel, der in dem ältesten

(Fortsetzung folgt.) I Buch über Heilmittel, dem Papyrus Ebers, schon vor über

___________ I 4000 Jahren gerühmt wird. So lange die Menschheit sich! , | geschichtlich verfolgen läßt, sehen wir sie Zimmt, Jngwer

iDtnetflrttttef I Melken, Pomeranzen, Enzian, Liebstöckel und Kamille an-

n 7I senden; denn die Erfahrung hatte gelehrt, daß diese

Von vr. wea. P h. S o g l st r I bitteren Stoffe Appetit und Verbauung anregen und be-

Nachdruck verboten. I ianders mit den aromatischen Gewürzen gepaart ünan- , Fu dem letzten Jahrzehnt hat die praktische Medizin I genehme Empfindungen im Magen und Darm beseitiaen eine bedeutende Schwenkung gemacht. Das immer wieder- 1 c"r------- °

kehrende Geschrei derNaturheilkundigen" hat schließlich auch die berufene Wissenschaft veranlaßt, die neuen Me­thoden der Wasser- und Massagebehandlung auf ihre Be­deutung hin zu prüfen. Und es hat sich ergeben, daß in der That die neuen Behandlungsweisen in der Hand ge­schickter Aerzte zu einer wesentlichen Bereicherung der Heil­technik führen.