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t>on sich zu geben, fiel er mit dem Gesicht vornüber auf die Dielen, als mit einem gräßlichen, dumpfen Geräusch die Schneide des wuchtig niedersausenden Beiles durch seine zertrümmerte Hirnschale drang.
(Fortsetzung folgt.)
Tierische Trunkenbolde.
Bon Dr, Hans Körte.
an _ Nachdruck verboten.
Wenn in der Spruchweisheit des Volkes auch eine kerniger Wahrheiten steckt, so treffen doch in vielen Fällen die diesbezüglichen Redensarten nicht Am 'Man macht einem betrunkenen Menschen den Vorwurf, daß er „be- .zecht fer wie ein Vieh", und in demselben Atemzuge hält man ihm vielleicht das Tier als nachahmenswertes Vorbild der Mäßigkeit mit den Worten vor: „Das Tier weiß wenn es genug hat; und Du. . . usw."
Wie gewöhnlich, liegt auch hier die Wahrheit in der Mitte. Fanatische Anhänger von Bacchus und Gambrinus sind die Tiere schon deswegen nicht, weil ihnen für gewöhnlich die Gelegenheit mangelt, zu alkoholischen Getränken zu gelangen, und obendrein bewahrt den weitaus größten Teil der Tierwelt die instinktive Abneigung gegen die dupch alkoholische Gärung entstandenen Getränke vor den Gefahren des Alkoholismus. Aber nicht alle sind Tempe- ränzler; es gießt vielmehr eine ziemliche Reihe unter ihnen, die, wenn sie zu Wein, Bier oder Schnaps gelangen, es eben so arg treiben, wie der ärgste Quartalssäufer und — es gießt doch noch eine Gerechtigkeit in der Welt — für ihre Exzesse ebenso mit Katzenjammer ßüßen müssen, wie volle.Menschen.
Wenn man vom größten aller Säugetiere, dem Walfisch, absieht, der begreiflicherweise kaum je in die Lage kommen kann, sich zu berauschen, ist gleich der nächstgrößte aus dieser Tierklasse, nämlich der Elefant, ein arges Kneipgenie. In Asien, wo dieser intelligenteste aller Vierfüßler als dienender Genosse des Menschen mit jenem in engster Berührung lebt, kann man das Bild eines völlig betrunkenen Dickhäuters nicht gar selten sehen. In Hinter- asien und auf den Sundainseln werden Arak und ähnliche Alkohole aus Reis und anderen mehlreichen Feldfrüchten in genau derselben Weise gewonnen, wie bei uns Korn aus Roggen und Spiritus aus Kartoffeln, d. h. es wird erst das Mehl in Zucker und dieser durch Gärung in Alkohol verwandelt, der dann abdestilliert wird. In der Mitte dieses Gärungsstadiums ist die Reismaische bereits ziemlich; alkoholreich, während sie auch noch einen beträchtlichen Teil Süßstoff besitzt, und wirkt so ungefähr wie der einige Tage alte süße junge Wein, in größeren Mengen genossen, höchst berauschend. Wehe der Brennerei, wenn durch eine unverschlossene Thüre um diese Zeit ein Elefant über das süße Getränk kommt. Dem Genüsse, der nicht eher unterbrochen wird, als bis der Magen bis auf das letzte Plätzchen gefüllt ist, folgt ein Ausbruch der ungebundensten Heiterkeit; nur zertrümmern diese Riesentiere in ihrer guten Laune häufig alles, was sich, in ihrer Nähe befindet, und kommen erst wieder zu sich, wenn sie ihren Rausch ausgeschlafen haben.
Noch ärger treiben es die Affen, welche, wenn sie erst einmal von dem süßen Trank der Lethe gekostet haben, leidenschaftliche Alkoholiker werden. In Ländern, wo man Palmwein als Hausgetränk genießt, muß man denselben daher auch ängstlich vor den trinklustigen Vierhändern verbergen, die übrigens in den verschiedenen Stufen der Trunkenheit von der tollsten Ausgelassenheit bis zur todes- ähnlichen Betäubung einen höchst ergötzlichen Anblick gewähren.
Unter unseren Haustieren huldigt eine große Anzahl dem Trünke. Eine überaus treffliche Beschreibung eines betrunkenen Esels liefert Zola im Anfang seines Romans „Mutter Erde", und der berühmte Romancier muß wohl einmal einen Meister Langohr in diesem Zustande gesehen haben; sonst hätte er unmöglich den Rausch dieser Tiere mit solcher Naturwahrheit schildern können.
Daß, man feurigen Rennpferden häufig kurz vor Beginn des Rennens eine Flasche Champagner einschüttet, um sie zu einer außergewöhnlichen Kraftleistung anzuspornen, ist bekannt. Aber auch der friedliche Ackergaul
und unser Rindvieh, welches ja vielfach ohnehin mit Schlempe gefüttert wird, trinkt mit besonderem Vergnügen, wenn ihnen der Zufall einmal einen Eimer süßer alkoholreicher Maische beschert.
Hunde gewöhnen sich überaus leicht ans Biertrinken und wenn sie z. B. in einer Restauration leicht über das Abtropfbier geraten können, so gewöhnen sie sich derart an den Gerstensaft, daß sie schließlich täglich ihr Deputat förmlich fordern, und leichthin vier bis fünf Glas bewältigen, ohne einen Rausch davonzutragen. Man sagt ihnen nach daß sie einen Widerwillen gegen Wein haben; das trifft aber in Wahrheit gar nicht zu; der Wein muß nur entsprechend gesüßt sein. Verfasser dieser Zeilen besitzt als Beweis hierfür noch jetzt einen alten Vorsteher Namens „Punzel", der schon als einjähriges Tier die Süßigkeiten der Bacchiusgabe entdeckte, als er einmal dazu kam, etwas vergossenen Glühwein aufzulecken, und der seitdem auch einen Schluck spanischen Wein oder Marsala nicht verschmäht.
Als Verächterin des Alkohols durchaus gilt im allgemeinen die Katze, und das trifft ungefähr zu. Da aber keine Regel ohne Ausnahme ist, möge hier der selbstbeobachtete Fall in einer befreundeten Familie erwähnt werden, wo ein lungenleidendes Familienmitglied täglich Milch mit Cognac trank, von welchem ja nicht üblen Gemisch die schöne Kauskatze, ein mächtiger Angorakater, jedesmal seinen Anteil bekam und mit Würde aufschlürfte.
Hiermit ist aber die Reihe der Trinker unter den Säugetieren noch lange nicht abgeschlossen. Ratten, Mäuse und Meerschweinchen haben eine wahre Leidenschaft für den Alkohol, und trachten, wenn sie jerft einmal hinter den Geschmack gekommen sind, auf jede Weise sich in den Besitz desselben zu setzen. Auch andere Nager, wie Hamster und Zieselmäuse, verschmähen einen herzhaften Trunk nicht, und daß unser bei alt und jung beliebter Meister Petz, ein Allesesser in des Wortes vollstem Sinne, sich gern einen gehörigen Fetzen antrinkt, können alle, namentlich; int Osten häufigen Wandertruppen, bestätigen, die mit einem oder mehreren Tanzbären von Ort zu Ort ziehen, und deren zottiger, in einem leeren Stalle logierender Kuntpan recht ost den Weg zu Bier und Wein zu finden weiß.
Unter Pen Bogelgeschlechtern sind ganz gefährliche Trunkenbolde die Gänse. Sind sie erst einmal zur Kenntnis der berauschenden Wirkung von Wein und Bier gekommen, so lassen sie nicht davon ab, und auf Landgütern, wo die alkoholhaltigen Äbfallwässer von Brennereien über den freien Hof laufen, gewöhnen sich die Wächterinnen des Kapitols regelmäßig das Trinken an, sodaß sie in dem darauf folgenden Zustande schwerlich durch ihr Schnattern ein modernes Kapitol vor einem Gallier, nehmen wir an, ein deutsches Sperrfort in den Vogesen vor einem heraufkletternden Franzosen, retten würden. Die Ente, das genußsüchtigste und gefräßigste von unseren Haustieren, thut es natürliche ihnen nach. Am närrischsten gebärden sich aber unsere Hühner. Um ein Hühnervolk im Zeitraum von 10 Minuten völlig betrunken zu machen, ist nichts weiter nötig, als sie, namentlich wenn sie recht hungrig sind, mit kleingeschnittenem Brot oder Weißgebäck, welches man in einen süßen Schnaps getaucht hat, zu füttern. Der Scherz ist ziemlich, ungefährlich, und es gewährt einen drolligen Anblick, unsere Eierlegerinnen, die dank ihrer Zweibeinigkeit die Bewegungen eines si^ver- bezechten Menschen sehr getreu wiedergeben, augenverdrehend in Zickzackbewegungen über den Hof torkeln zn sehen.
Unsere Zier- und Singvögel, einheimisch^ wie exotische, gewöhnen sich fast ausnahmlos leicht an Spiri- tuofen. Ein Stückchen Biskuit oder sonst eine Lieblingsspeise in süßen Likör getaucht, wird von Heu wenigsten verschmäht, und Papageien, selbst die zierlichen Jnseparables (Wellensittiche) erheben, nachdem sie sich einmal an die Bacchusgabe gewöhnt haben, ein so mörderisches Geschrei, wenn ihnen dieselbe einmal vorenthalten wird, daß man ihnen des lieben Friedens wegen gern nachgiebt.
Der Puter oder Truthahn verliert beim Alkoholgenuß alle seine Würde und Ehrsamkeit, die ihn sonst zum unbestrittenen Herrscher des Geflügelhofes machen.


