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A 51
Martin Greif.
ls ich auf der Wiese lag Und nach Wand'rers Weise Süßen Selbstvergessens Pflog, Hort' ich's donnern leise Droben in den Höh'n.
Als das Äug' ich aufgethan, Siehe, Wolken zogen Dunkel überall heran, Und die Vöglein flogen Aengstlich über mir.
So voll Glück und Sonnenschein War mein Jugendmorgen;
Doch es zog Gewölk herein, Und es kam der Sorgen Dichtgedrängtes Heer.
(Nachdruck verboten.)
Geächtet.
Roman vonLotharBrenkendorf.
(Fortsetzung.)
Franz war kreidebleich geworden. Er hatte gewußt, daß sich die Stolze nicht ohne Kampf ergeben würde, auf eine so todesmutige Entschlossenheit aber hatte er doch nicht gerechnet.
„Es stirbt sich nicht so leicht, Elisabeth, wenn man jung und schön ist wie Du, und wenn man ein langes Leben voll Glück und Genuß vor sich hat. Ich habe nicht den Wunsch, Dich ohne Not zu betrüben; aber es muß doch gesagt sein — die Tage Deines Freundes sind gezählt, auch'wenn ihn nicht schon in dieser Nacht sein Verhängnis ereilt. .Ob ich! ihn ausliefere oder nicht, Du würdest zur Witwe werden, noch ehe Du die Seligkeit gekostet hättest, seine Gattin zu sein. Nur ein eingebildetes Glück ist es, auf das Du verzichtest, wenn Du Dich nicht ihm zu eigen giebst, sondern mir — mir, der ich Dich heißer liebe als er, und der ich —"
„Genug! Mehr als genug! Spare Deine Worte, die Dich! mir nur widerwärtiger machen können. Quäle mich nicht länger, und wenn e§ Dir eine so köstliche Genug- thuung gewährt, so geh in: Gottes Rainen hin, uns zu verraten! Du siehst, daß ich nicht einen' Finger rühre. Dich daran zu hindern." .
Deutlicher als alle Versicherungen sagte ihm die mar-, mörne Starrheit ihrer Züge, daß es ihr heiliger Ernst
sei mit dem, was sie sprach, daß ihr weder Drohungen noch .Vorstellungen jetzt eine andere Antwort entlocken würden. Aber er konnte sich trotzdem noch nicht entschließen, auf die Verwirklichung des Traumes zu verzichten, in dessen Seligkeiten er bereits geschwelgt hatte wie in einem sicheren Glück. Nach kurzem Kampfe griff er darum zu einem letzten Auskunftsmittel.
„Höre mich an, Elisabeth", sagte er, mit komödiantischem Geschick einen freundlichen, fast treuherzigen Ton anschlagend. „Wenn ich in Wahrheit der Schurke wäre, zu dem Du mich! durchaus machen willst, so würde ich nach dieser Erwiderung vermutlich nicht länger zögern, meine Rache zu nehmen für den neuen Schimpf, den Du mir angethan hast. Aber ich liebe Dich zu sehr, als daß. ich nicht von ganzem Herzen wünschen sollte. Dir und mir jene traurige Notwendigkeit zu ersparen. Und ich 'hoffe, daß Du bei ruhigerer Ueberlegung selbst zu der Einsicht kommen wirst, wie wenig unbillig mein Verlangen ist. So lasse ich Dir eine Stunde Bedenkzeit, Deinen letzten endgiltigen Entschluß zu fassen. Die Umstände gestatten mir nicht. Dir eine längere Frist zu gewähren, doch ich meine, daß diese mehr als ausreichend ist, Dich erkennen zu lassen, was Du Dir und Deinem Freunde:schuldig bist. Ich will Dir unterdessen nicht mit meiner Gegenwart lästig fallen. In einer Stunde erst klopfe ich wieder an Deine Thür, und es steht bei Dir, ob Du mich alsdann einlassen willst oder nicht. Vor einem nur muß ich Dich zu Deinem eigenen Besten warnen. Du sollst Dich nicht der trügerischen Hoffnung hingeben, daß Du diese Stunde nützen tonntest, um dem Major zur Flucht zu verhelfen. Auch wenn die Posten ihn durchließen — ich bin auf meiner Hut, und jeder Versuch, zu entweichen, besiegelt sein Geschick."
Schweigend, mit abgewandtem Gesicht, hatte Elisabeth seine Rede über sich, ergehen lassen, und vergebens wartete er jetzt auf ihre Antwort.
„Ich stehe", wiederholte er mit gesteigertem Nachdruck. „Denke daran, daß Deines Freundes Wohl und Wehe jetzt einzig von Deiner Entscheidung abhängt. In einer Stunde komme ich, sie mir zu holen."
Nach einem letzten fruchtlosen Zaudern entfernte er sich »wirklich; aber Minuten vergingen, ehe Elisabeth aus ihrer statuenhaften Erstarrung erwachte. Sie sah mit wirrem Blick in dem leeren Zimmer umher und strich sich ein paarmal mit der Hand über die Stirn, wie wenn sie da etwas Drückendes fortwischen wollte, das sie hinderte, ihre Gedanken, zu sammeln. Sie that ein paar unentschlossene, zwecklose Schritte, um dann wieder stehen zu bleiben und wie geistesabwesend vor sich hinzustarren. Endlich rang es sich gleich einem verzweifelten Aufschrei von ihren Lippen: „Zu ihm! — Ich will zu ihm! —


