Ausgabe 
20.5.1900
 
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S84

Gesellschaften und Korporationen auf eine internationale Regelung der Frage hin, und vor allem war es Jacobi, der Erfinder der Galvanoplastik, welcher, nachdem er bei Gelegenheit der Pariser Weltausstellung im Jahre 1867 als Delegierter Rußlands an dem über die Mittel zur Erzie­lung eines einheitlichen Maß-, Gewichts- und Münzsystems teilgenommen hatte, als Präsident der von diesem Komitee eingesetzten Kommission in seinem Bericht die allgemeine Einführung des metrischen Maß- und Gewichts-Systems empfahl. Hauptsächlich auf seine Veranlassung wurde auch eine internationale Kommission zur Leitung der Anferti­gung neuer metrischer Prototype entsprechend dem der­zeitigen Standpunkt der Wissenschaft und Technik nieder­gesetzt, da der scharfsinnige Forscher bei der Besichtigung der bisherigen Normalmaße deren Unzulänglichkeit er­kannte. Als weitere Aufgabe der Kommission wurde die Anfertigung genauer Kopien für die beteiligten Länder, sowie die Begründung eines ständigen internationalen Bu­reaus für die Vergleichung der Maße bezeichnet.

Anfänglich stellte sich die französische Regierung dem Vorhaben ziemlich gleichgiltig gegenüber, zuletzt ließ sie sich aber doch bereitfinden, die gewünschte internationale Kon­ferenz zu berufen. Doch mußte die Einberufung infolge der Kriegsereignisse auf das Jahr 1872 verschoben werden. Auch diese Konferenz faßte aber nur vorbereitende Be­schlüsse, dahingehend, daß für die beteiligten 28 Staaten, neue internationale Prototype nach dem Muster des fran­zösischen angefertigt werden sollten, gleichzeitig wählte man ein permanentes Komitee, auf dessen Anregung am 1. Fe-, buarr 1875 zu Paris die diplomatische Konferenz zur end- giltigen Regelung der Frage zusammentrat. Deutschland war durch den Botschafter Fürsten Hohenlohe und den Pro­fessor Dr. Förster, den Direktor der Sternwarte und der Normal-Aichungs-Kommission zu Berlin, vertreten. Langer Auseinandersetzung, hauptsächlich durch politische Bedenken hervorgerufen, bedurfte es, bis endlich am 20. Mai 1875 also vor nunmehr 25 Jahren ein den das internatio­nale Maß- und Gewichtsbureau regelnde Organisation be­treffender Vertrag zu stände kam, welcher von den Ver­tretern nachstehender Staaten wir folgen hierbei den bereits erwähnten Ausführungen des Dr. Leo Grumnach unterzeichnet wurde: Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Bel­gien, Brasilien, Spanien, Dänemark, Vereinigte Staaten, Argentinien, Peru, Portugal, Italien, Frankreich, Rußland, Schweden, Norwegen, Schweiz, Türkei und Venezuela. Der zunächst auf 12 Jahre abgeschlossene Vertrag trat am 1. Ja­nuar 1876 in Kraft. Auf gemeinsame Kosten gelangte durch denselben ein permanentes wissenschaftliches Institut mit dem Sitz in Paris zur Einführung; dasselbe führt die Bezeichnung:Internationales Bureau für Maß und Ge­wicht" und steht unter der Oberleitung eines internatio­nalen Komitees, das seinerseits derGeneral-Konferenz für Maß und Gewicht" untergeordnet ist.

Die Hauptaufgabe des Bureaus ist die Herstellung neuer, genauer metrischer Urmaße und Urgewichte, doch sind derselben auch noch eine Reihe von anderen wichtigen, mit der Sache im engsten Zusammenhang stehenden Arbeiten zugewiesen. Als Material für die Prototype wählte man eine Legierung von Platin und Iridium, da der von anderer Seite vorgeschlagene Bergkrystall, der sich durch feine Härte, geringe Ausdehnung und Unveränder­lichkeit besonders empfiehlt, nicht in hinreichend großen Stücken aufzutreiben ist. Der Konvention traten später noch England, Japan, Mexiko, Serbien und Rumänien bei; die Einführung des Systems selbst ist aber noch nicht in allen Staaten, welche den Vertrag unterzeichnet haben, erfolgt. Das durch denselben gegründete Institut wurde auf gemeinsame Kosten auf der Höhe von St. Cloud bei Paris erbaut und eingerichtet, es enthält mehrere Beob­achtungsräume zur Erzeugung verschiedener Temperaturen mittels Einpumpens von Salzwasser in die hohlgebauten Wände, sowie ein physikalisches Laboratorium zur Vor­nahme der erforderlichen Arbeiten. Ein Direktor leitet das Institut, und mehrere Assistenten sind unter ihm thätig.

So erkämpfte sich im Laufe eines vollen Jahrhunderts allmählich das metrische System den Sieg, und wenig Jahrzehnte werden vergehen, so wird es in allen Staaten

der Zivilisation Einzug gehalten haben, damit dem Ver­kehre einen neuen Triumph bereitend, dem Verkehre, dem wir die Beseitigung fast aller die Nationen geistig und materiell trennenden Schranken zu danken haben. Auch in der Einführung des Einheitsmaßes haben wir ein Stück Arbeit des 19 Jahrhunderts vor uns, das sich würdig den übrigen großen Erfolgen des vergangenen Säkulums auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiete anschließt. Wir begrüßen in ihm die Vollendung eines Friedenswerkes von hoher Bedeutung, einer Kulturschöpfung ersten Ranges, mehr geeignet, die Menschen wieder näher zu bringen, als dicke Bände hon Vorstellungen; denn wir Sterblichen nennen nun einmal die Gewohnheit unsere Amme, trennen uns schwer von ererbten und anerzogenen Vorurteilen und fügen uns nur den eisernen Gesetzen der Notwendigkeit.

Um Stock - oder Moderflecke aus Wäschestücken zu entfernen, verfährt man wie folgt: Man feuchtet einen Eßlöffel voll Salmiak mit Wasser an. Beginnt der Salmiak sich aufzulösen, so schüttet man zwei Löffel voll feinge­stoßenes Kochsalz dazu, rührt dann so lange, bis beides gut vermischt und verbunden ist. Mit der Masse werden die Stockflecke eingerieben. Später, wenn trocken, reibt man sie ab und wiederholt das Verfahren, wenn die Flecke noch nicht ganz verschwunden sind.

Konservierung der Farben in der Wäsche. Essig, sogleich zur Waschbrühe gegeben, erhält blaßrote und grüne, zum letzten Wasser gegeben, stellt er veränderte hoch­rote Farben wieder her. Soda erhält purpurrot und. blei­blau; reine Potasche erhält und bessert schwarz auf reiner Wolle. Ist eine Farbe durch Saucen verändert, so stellt Salmiakgeist, mit 12 Teilen Wasser verdünnt, sie wieder her; ist sie durch Alkalien verändert, so stellt Essig sie wieder her.

Fußböden gründlich zu reinigen. Die schmutzigen Zimmerböden scheuere man zuerst mit Sand und heißem Wasser, reibe sie dann mit Seifensiederlauge mittelst! einer steifen Bürste und wasche mit heißem Wasser nach. Nach einiger Zeit bestreiche man den noch feuchten Boden mit stark verdünnter Salzsäure und darüber bringe man einen dünnen, gleichförmigen Brei von Chlorkalk. In dieser Beschaffenheit beläßt man die Dielen 10 bis 12 Stunden lang, wäscht dann mit heißem Wasser nach und erhält dadurch den zartesten, hellsten Fußboden.

Citatenrätsel.

Nachdruck verboten.

Aus jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen, sodaß sich ein neues Citat ergiebt.

1. Anfangs wollt' ich fast verzagen.

2. Die Botschaft meldet, man habe dem neuen König von allen Seiten zugejubelt.

3. Logik giebt's für keine Frau.

4. Des Menschen Engel ist die Zeit.

5. Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen.

6. Fürchterlich ist Einer, der nichts zu verlieren hat.

7. Wenn alle Tag im Jahr gefeiert würden, so würde Spiel so lästig sein wie Arbeit.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a Eichel, Treff; b Grün, Pique; c == Rot, Coeur; d Schellen, Carreau;

A = 2I§; U = Unter, Wenzel, Bube; D = Dame, Ober.)

Vorhand gewinnt ibr Spiel; sie legt aZ und dZ in den Skat. Mittelhand hatte, d U, aK, a 9, a7, b Z, b D, b 8, cZ, d 9, Hinterhand den Rest. Verlauf des Spieles:

1. V. a A M. a7 H. a 8 11.

2. $. c A M. oZ §. c 9 = 21.

3. V. dA M. d9 H. d8 11.

Der Spieler bekommt nichts mehr, hat aber schon genug, da er ja 20 gedrükt hatte.

Rebattio»: t. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'scheu Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erden) in M-tem