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er beste Edelstein ist, der selbst alle schneidet
Die andern und den Schnitt von keinem andern leidet. Das beste Menschenhcrz ist aber, das da litte Selbst lieber jeden Schnitt, als daß es andre schnitte.
Friedr. Rückert.
Nachdruck verboten.
Heimatlos.
Roman von E. P. Roe.
(Fortsetzung.) XXXIX.
Ein guter Engel.
Die junge Krankenwärterin war bald im Hause als Miß Mildred bekannt. Außer Frau Sheppard, dem Dieuer und dem Arzt betrat nur noch der alte Herr Vinton das Krankenzimmer wie ein ruheloser, vom Gewissen gequälter Geist. Im Inneren gestand sich der alte Kaufmann, daß er sich eines verhängnisvollen Irrtums schuldig gemacht habe, aber seine Frau hatte eine solche Macht über ihn, daß er sich während des langen Exils Arnolds in Europa nur zuweilen zu einem schwachen Widerspruch aufraffen konnte. Die Hoffnung, daß sein Sohn diese „unsinnige Jugendthorheit überwinden werde, war jetzt zerstört und er machte such bittere Vorwürfe darüber. Mildred sah dies bald an seinem Wesen, und sie bedauerte ihn auche
Frau Sheppard, die älteste Tochter, eine reiche Wittwe, saß meist in ihrem Zimmer bei offener Thüre. Der Kranke bedurfte jetzt viel weniger Pflege, als bisher. Sehnsüchtig folgten seine Augen den Bewegungen Mildreds. Alle wußten, daß sein Leben baldigem Erlöschen entgegenging. Sein Vater kam immer häufiger und sah oft erstaunt die junge, schöne Krankenpfegerin an, welche eine solche Veränderung in d-em Patienten hervorgebracht hatte. Mehrmals versuchte er, mit ihr näher bekannt zu werden, aber immer fand er sie höflich, doch sehr zurückhaltend.
Laura, s agte er eines Abends zu Frau Sheppard, welche in dem Arbeitszimmer bei ihm saß, diese junge Wärterin ist eine beständige Ueberraschnng für mich, ^ch habe nie eine vollendetere Dame gesehen, sie hat eine verfeinerte Grazie an sich. Es wundert mich nicht, daß Arnold unter ihrer Pflege sich gebessert hat, ich wurde auch gern krank sein, wenn ich eine solche Pflegerin haben sollte. Das Mädchen hat eine Geschichte. Wie kommt sie tn eine foldße
Gewiß ist sie ein ungewöhnlicher Charakter, aber
Du täuschest Dich Papa, wenst Du glaubst, daß diese Krankenwärterinnen alle ans niedrigeren Kreisen stammen.
Es ist wirklich ein edler Beruf, um den ich sie beneiden könnte.
Eines Tages sagte Arnold:
O Mildred, ich habe nachgedacht, wie sollte mir vergeben werden, außer, wenn ich auch vergebe? Ich sehe jetzt ein, daß ich Gottes Gesetz noch mehr verletzt habe, als meine Mutter, und ich wünsche ihr zu vergeben, und mich mit ihr zu versöhnen, ehe ich sterbe. Gegen meinen Vater habe ich schon lange keinen Groll mehr, er ist wie ich selbst ein Opfer unseres Familienstolzes.
O Arnold, ich kann Ihnen nicht sagen, welche Freude Sie mir durch diese Worte bereiten!
Bitten Sie meine Schwester, sogleich nach meinen Eltern zu senden. Ich fühle mich heute abend etwas stärker, aber ich glaube, der Anffang meines neuen Lebens ist sehr nahe.
Mildred ging in Fran Sheppards Zimmer und teilte ihr Arnolds Verlangen mit. Einen Augenblick sah sie das junge Mädchen mit thränenfeuchten Augen an und dann umarmte sie es leidenschaftlich.
O Mildred, sagte sie seufzend, wären Sie doch meine Schwester gewesen! Dann eilte sie fort, um die Wünsche ihres Bruders zu erfüllen.
Weder Frau Vinton, noch ihr Mann vermochte das Erstaunen über den unerwarteten Wunsch Arnolds zu verbergen.
Setzt Euch hier nahe zu mir, sagte Arnold, denn ich kann nur leise sprechen, und habe nur noch ein kurzes Stück Leben vor mir!
Wäre es nicht besser, die junge Person würde das Zimmer verlassen? bemerkte Frau Vinton mit einem kalten Blick nach Mildred.
Nein, erwiderte Arnold entschieden, sie muß bleiben! Ohne ihren Einfluß würdest Du mein Gesicht mit meinem Willen nie wieder gesehen haben. Mutter, ich vergebe Dir, obgleich ich dies nicht für möglich gehalten habe! Du hast meine Kindheit und Jugend zu bewahren gesucht, Du hast weder Geld, noch Mühe gespart, aber Du konntest nicht begreifen, daß das, was ich brauchte, herzliche Liebe war, daß mein Herz immer unglücklich war. Ich habe ein Herz gefunden, welches Edelmut mit Stärke verband, und Du weißt, wie ich es verloren habe. Hätte ich dem Antrieb meines Herzens folgen können, so wäre mein Schicksal ein ganz und gar anderes geworden. — Aber das ist jetzt alles vorüber! Du hattest nicht die Absicht, mich so schrecklich unglücklich zu machen! Mutter, ich sterbe jetzt, begrabe Deinen weltlichen Stolz in meinem Grab, und Gott mag Dir vergeben! , , _
Während er sprach, begann die kalte, stolze Frau zu zittern und zu weinen. Sie sank auf ihre Kniee niebeti


