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und werde hier bleiben! sagte Bella in heftigem Zorn. Ich fürchte Euch nicht! Entweder seid Ihr alle boshafte Katzen, wenn Ihr ein Mädchen so behandelt, wie mich diese zwei Tage, oder es steckt etwas dahinter, was ich nicht verstehe, aber jetzt muß ich alles wissen! Ihr schweigt und laßt dieses Mädchen sprechen, welches behauptet, ich habe ihm diese Stelle genommen. Nur mit dieser habe ich zu thun. Aber erst will ich Ihnen sagen, wie ich diese Stelle erhalten habe, ich habe darum gebeten, das ist die ganze Geschichte, und ich wußte nicht, daß ich jemand den Platz wegnehme.

Bellas mutvolles Wesen brachte eine Wendung zu ihren Gunsten hervor, und alle horchten, was das entlassene Mädchen sagen werde. Dieses besaß nicht Bellas Energie. Nach einem langen Seufzer begann es, ohne den Kopf zu erheben: Ob Sie Recht haben oder nicht, darüber will ich nicht mit Ihnen streiten, ich wollte nur sehen, wer jetzt meinen alten Platz eingenommen hat.

Wie geht es Ihrer Mutter? fragte eines der Mädchen.

Sie liegt im Sterben, sie verhungert, antwortete die Fremde mit derselben tonlosen Stimme, und wieder rich­ten sich böse Blicke auf Bella.

Aber Bella wußte ihnen zu begegnen. Einen Augenblick riß sie ihre Augen entsetzt auf, dann sprang sie auf das Mädchen entsetzt zu, ergriff ihre Hand und rief: Großer Gott, was wollen Sie damit sagen? Kommen Sie, ich gehe mit Ihnen nach Hause.

Das Mädchen blickte Sie an. Ja, sagte sie, kommen Sie mit mir, dann werden Sie alles verstehen.

Wir werden Ihrer Mutter etwas bringen, sagten zwei oder drei Mädchen, während das arme Geschöpf sich lang­sam erhob, um Bella zu folgen.

XV.

Ich glaube an Sie!

Kommen Sie, rief Bella ungeduldig, während sie durch die überfüllten Straßen eilte, warum gehen Sie so lang­sam? Wenn meine Mutter so krank wäre, so würde ich zu ihr fliegen.

Schwerlich, wenn Sie seit zwei Tagen nichts gegessen hätten.

Was? rief Bella und blickte ihre Begleiterin fragend an. Sie zog sie in einen Bäckerladen, nahm ihre kleine Börse heraus und leerte sie in den Händen des Mädchens. Hier nehmen Sie alles, was ich habe, und kaufen Sie, was Sie wollen, sagte sie.

Ich glaube, Sie sind doch nicht so schlecht, sagte die Fremde langsam.

Ich bin nicht so schlecht, daß ich einen Pfennig be­halten könnte, wenn ich weiß, daß jemand hungrig ist. Sehen Sie mich nicht so an und kaufen Sie, was sie wollen.

Wie ist Ihr Name? fragte das Mädchen, als sie wieder auf der Straße waren.

Bella Howell.

Mein Name ist Klara Bute. Aber ich weiß nicht, wann ich Ihnen Ihr Geld wieder geben kann.

Ach, sprechen Sie nicht davon. Wir wollen kaufen, was Ihre Mutter brauchen kann, und es ihr bringen, ohne viele Reden.

Sie kauften Brot und Milch, etwas Thee und Fleisch, eine Hand voll Holz und damit waren Bellas schwache Finanzen erschöpft. Sie bogen in eine Seitenstraße ein und erreichten bald ein hohes Miethaus.

Ich kann nicht mehr, sagte das Mädchen, und Bella verließ sie aus der Treppe sitzend.

Sagen Sie mir, wo Ihr Zimmer ist, ich werde zurück­kommen und Ihnen helfen.

Das letzte Zimmer oben links.

Bald hatte Bella die Thüre erreicht, welche etwas offen stand, um Luft einzulassen, denn der Abend war schwül. Sie stieß die Thür mit dem Fuße auf und legte die eingekausten Sachen auf, den Tisch. Dann blickte sie sich um.

Sie irren sich wohl? sagte eine schwache, hohle Stimme. Dunkle, fieberhaft glänzende Augen blickten ihr entgegen. Bella rannte hinab zu Klara und half ihr herauf.

Schnell geben Sie Ihrer Mutter etwas, damit sie sich erholt. Sagen Sie mir, was ich thun soll.

Klara ging zu ihrer Mutter und küßte sie zärtlich.

Fasse Mut, Mama, ich habe etwas für Dich. Sie fi» so aufgeregt, Bella, lassen Sie sich Zeit, ich weiß, toe§ zu thun ist. Sie tauchte etwas Brot in die MiÜH und reichte es ihrer Mutter.

Wer hat Dir das alles gegeben? Wer ist das? fragte die Kranke.

Ich bin das Mädchen, das Klaras Stelle eingenommen hatte, begann Bella. Ich wußte nichts davon und kann es mir nicht verzeihen.

Sprechen Sie nicht so! Wenn Sie arm finb,jo haben Sie keine Wahl, und jetzt ist es mir lieber, daß tote meine Stelle haben, als sonst jemand; denn ich hätte sie doch nicht mehr lange behalten können. Es fiel mir immer schwerer, diese Treppen heraufzuklettern. Ich wünschte, ich könttte hier bei meiner Mutter bleiben, bis man uns herabträgt, die Füße voran.

Verlieren Sie nicht den Mut! ries Bella. Wir alte werden für Sie sorgen, und es wird besser gehen.

Wir alle? Wer sind diese? Möchten Sie mir sagen, wer Sie sind, und wie Sie meine Stelle bekommen haben?

Bellas kurze Erzählung war sehr einfach, aber originell.

O Himmel! rief Klara, als es dunkelte, Ihre Elteim werden in Angst um Sie sein, gehen Sie nach Hause. Sie haben uns mehr Gutes als Uebles zugefügt und Sie haben uns nicht schaden wollen.

Gewiß nicht, rief Bella. Aber ich werde meine «Schwester Mildred mit mir zurückbringen und zugleich einige Sachen.

Man war in der Tat besorgt um Bella. Jhp Vater war schon nach dem Laden gegangen, und Frau Willst» blickte die Straße entlang nach ihr, als Bella erschien.

Bella erzählte hastig ihr Erlebnis, und Frau Willst» wurde ins Vertrauen gezogen. Eine Nachbarin versprach, auf Frau Willows Kinder acht zu geben, worauf die beiden Schwestern sich mit ihr auf den Weg machten, beladen mit allerlei nützlichen Dingen.

Wie geht's? fragte die praktische Frau Willow, welche sich sogleich der Kranken zuwandte.

O, viel besser! Ich glaube, ich werde wieder gesund werden.

Klara, hier ist meine Schwester Mildred, von der ich Ihnen gesagt habe, sagte Bella.

Warum haben Sie Ihre Mutter nicht ins Hospital gebracht fragte Frau Willow.

Sprechen Sie nicht vom Hospital, meine Mutter kann es nicht hören, denn sie fürchtet nichts so sehr, als von mir getrennt zu werden.

Klara sah mit Erstaunen, daß ihr kleiner Schrank mit Vorräten für die Zukunft sich füllte. Aber wie könnt Ihr alle diese Dinge entbehren, wenn Ihr doch selbst arm seid? fragte sie.

Ja, wir sind arm, aber nicht so arm, wie Sie, sagte Mildred einfach- In diesem Augenblick öffnete sich die Thüre, und zwei Mädchen aus dem Laden erschienen mit einigen kleinen Packeten. Ehe sie eintraten, flüsterte Klara hastig mit ihnen auf dem Flur, dann erst traten sie ein und blickten Bella an, welche am Tische saß und einge- schlafen war. Klara küßte sie und Bella murmelte: Mama! Mama!

Sie glaubt zu Hause zu sein, erklärte Mildred mit feuchten Augen.

Dies ist ihre Schwester, sagte Klara, und diese Fran ist eine Freundin von ihnen, sie haben sich selbst beraubt, um mich zu beschenken.

Wir wollen Ihre Schwester nicht aufwecken, sagte das eine der Mädchen. Sie ist müde, das ist kein Wunder. Hätten wir sie besser, gekannt, so hätten wir sie nicht so schlecht behandelt. Bitte, sagen Sie ihr, daß Sie morgen einen besseren Empfang haben wird. Dann gingen sie, begleitet von Klara, mit der sie nochmals draußen flü­sterten.

Bald erschien Howell mit einem Arzt, welcher ihn nach kurzer Unterredung mit der Kranken bei Seite rief uno sagte: Sie kann jeden Augenblick sterben. Es ist über­flüssig, noch etwas zu unternehmen, denn ihr Ende ist nahe.