Ausgabe 
20.1.1900
 
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ich' und falle mit eignem stopfe, Thu' das Deine und thu' cS frisch ! Besser stolz an dem irdnen Topfe, Als demütig am goldnen Tisch,

(E. M. Arndt.)

Nachdruck verboten.

Heimatlos.

Roman von E. P. Roe.

(Fortsetzung.)

Frau Howell und Mildred lachten und seufzten über jung Bellas humoristische Erzählung ihres Abenteuers. Aber etneit Teil ihres Gespräches mit Schriven hatte sie verschwiegen, weil sie wußte, daß ihre Mutter dann aus kernen Fall ihre Einwilligung geben würde. Bella hatte stch rasch eine gewisse, geschäftsmäßige Härte und Un- empfrndlrchkert angeeignet und blickte der Zukunft erwar­tungsvoll entgegen. Sie wußte, daß ihr ein Leben des Kampfes mit anderen in gleicher Lage bevorstand. Papa würde diesen Menschen niederschlagen, wenn ich ihm sagte tote er gesprochen nnd mich augeblickt hat, aber was wäre dre Folge davon? Wenn nicht Papa sehr bald wieder auf- rommen kann, so müssen Mildred und ich selbst für uns sorgen. Jetzt bin ich eine Ladendame und muß ohne sen­timentalen Unsinn nach Erfolg streben, soviel habe ich schon gelernt, während ich mit Mama nach Stellen gesucht habe. a 1 '

Ach! Sie wußte nicht, welche Prüfungen ihr noch be- vorftandcn. Als sie am Montag im Geschäft erschien, wurde ste vom Geschäftsführer an ihren Platz gewiesen. Er sagte ihr kurz, das Mädchen am Ladentisch werde ihr die Zeichen Preise und so weiter mitteilen. Dieses Mädchen und die anderen Verkäuferinnen empfingen Bella sehr kalt und teilten ihr in schroffer Weise nur das Nötigste mit. Bella achtete nicht darauf, sondern bestand darauf, daß ihr alles Nötige initgeteilt wurde. Ich werde mit den anderen besser fertig iverden, wenn ich so viel weiß, als sie, dachte sie.

|te m das Zimmer ging, in dem sie frühstückten, hielten |td) die Mädchen von ihr fern, wie von einer Aus- satzigeu, aber, um sie zu ärgern, that sie, als ob sie das mcht bemerkte, und war so heiter wie ein Maimorqen.

Befriedigung sah sie, daß ihr Benehnlen den gewünsch­ten Erfolg hatte. Abends eilte sie nach Hause, um aus­zuruhen von der ungewohnten Anstrengung, den ganzen Tag über aus den Beinen zu sein. Denn hier mußten, wie in so vielen Läden, die Berkäuferinneu den ganzen

Tag über, auch in müßigen Augenblicken, stehen oder gehen und es gab keine Stühle oder Bänke zum Ausruhen für sie. Der nächste Tag verlief ebenso. Ihr heiteres, frisches Aus­sehen verschaffte ihr bereits manche Bevorzugung vvil Seiten der Käufer, aber die anderen Mädchen hielten sich mit eisigem Schweigen von ihr fern. Es herrschte augen­scheinlich eine Spannung in der Bänderabteilung, und dies schien auch der Geschäftsführer zu bemerken, welcher häu­figer als sonst mit finsterer Miene erschien. Bella hatte das Gefühl, daß ein Sturm im Anzug war. Ihre Ent­rüstung stieg rasch, und in ihren dunklen Augen glänzte eine drohende Glut. Sie glaubte, ebensoviel Recht zti haben als die anderen, und war entschlossen, es zu verteidigen. Gegen Abend, als man begann, das Geschäft zu schließen erschien ein bleiches, schmächtiges Mädchen, setzte sich vor Bella nieder und blickte sie starr an.

Sie sind also die herzlose Person, die mir meine Stelle weggenommen hat? sagte sie langsam.

Ich verstehe sie nicht erwiderte Bella entrüstet.

_ O, Sie verstehen sie ganz gut, kleine Schlange! flü­sterte ihr emes der Mädchen ins Ohr, während es einen Karton ivegsetzte. Bella wendete sich so plötzlich und heftig mit zornigem Gesicht um, daß das junge Mädchen eilig zurucktrat und den Karton fallen ließ.

Gerade in diesem Augenblick kam Schriven aus seinem Koutor. um zu gehen, und war Zeuge der ganzen Scene. Er blieb lachend stehen. Der Geschäftsführer hatte ihm mehrmals über die kleine Komödie in der Bünderabteilung Bericht erstattet, und die beiden Potentaten sahen die leb­hafte Szene als ein erheiterndes Schauspiel in dieser flauen an.

. Sie ist gewandt wie ein Jagdhund, sagte das Echo, und sie wird bald mehr verkaufe,!, als zwei andere Mäd- Xn- Bella schrak nicht zurück vor dieser allseitigen Feind- seligkeit und juchte ihren Zorn nicht zu verbergen. Um seine Wurde zu bewahren, schien Mister Schriven nicht zu bemerken, was vorging, hüllte sich in seine Größe und ging den Laden entlang, indem er die erregte Gruppe mit etnem kalten $fitf streifte. Sobald er verschwunden war, uatre etn lebhafter Tumult zum Ausbruch gekomrnen, wenn nicht Bella in ihrer entschiedenen Weise die Sache zu einer raschen Entwickelung gebracht hätte. Es waren keine Käufer toeye ttn Laden, und die Disziplin des Tages war vorüber. Deshalb rief das Mädchen, nach dem Bella sich so zornig angewandt hatte, ans sicherer Entfernnng ihr zu: Ich age es noch einmal, daß es alle hören können, selbst, wenn ich meine Stelle deshalb verliere, Sie sind eine nichtswürdige, schwarze Giftschlange! Wir wissen alle, wie öte dieses Mädchen um seinen Platz gebracht haben, und §enn Sie hier bleiben wollen, so werden wir Ihnen die Hölle heiß machen!

Und ich sage Ihnen, ich habe ein Recht, hier zu sein