Ausgabe 
19.8.1900
 
Einzelbild herunterladen

MWM iBW ilUSB

sW

> yv^~-- \T

<^Vn><t-s3r\ AtV Vj V lEZM'b «ß

®v?

ESU

VS3SSÄBBÄ

p

ME

Ws

.N

W

hne Segel, ohne Steuer

Schisst durch's blaue Aelhermeer ' Wohl im ew'gen Nebelschleier

Gold'ner Sterne leichtes Heer.

Trennungsstunde, Wiederfinden

Läßt sie kalt, wie Lust und Leid; Ruhig sehen sie entschwinden Und entflieh'» die flücht'ge Zeit.

Denk' in schwarzen Unglücksstunden

An die himmlischen zurück: Also werd' von dir verwunden, Was dir bringet das Geschick.

Lermontow.

(Nachdruck verboten.)

Geächtet.

Roman vonLotharBrenkendorf.

sFortsetzung.)

Ob nun die unglücklichen Bewohner des Dorfes von barbarischen Eindringlingen niedergemetzelt worden waren, oder ob an dieser Stelle ein kriegerischer Zusammenstoß stattgefunden hatte, nach welchem es den Siegern wie den Besiegten an Zeit gefehlt, ihre Toten zu bestatten jeden­falls waren einige Dutzend menschlicher Lerchname auf einen Haufen geworfen und so den Raubtieren nne den Elementen preisgegeben worden. Ein grausiges Durchs einander von gebleichten Knochen und aus schauerlich großen Augenhöhlen starrenden schneeweißen Totenschädeln türmte sich da zu einem gräßlichen Hügel auf, und nut der instinktiven Furcht aller lebendigen Kreatur vor den schauerlichen Zeichen des Todes sträubte sich Elisabeths feuriges Tier, ihn zu passieren. Es knirschte ins Gebiß und stieg kerzengerade in die Höhe, als seine Reiterm es vorwärts zu zwingen versuchte, und als ihre Gerte zum dritten oder vierten Male auf seine Flanken niedersauste, that es, von Schmerz und Angst gepeinigt, einen gewaltrgen Satz, um dann, des Zügels nicht mehr achtend, in rasendem Galopp über Stock und Stein davonzujagen.

Mit allen Krästen war Elisabeth bemüht, die Herr­schaft über das Pferd zurückzugewinnen; zum ersten Male aber wollte es ihr nicht gelingen, und sie mußte bald ihre ganze Gewandtheit aufbieten, um sich der dem tollen Ritt überhaupt noch im Sattel zu halten. Dabei nahm sie schon nach Verlauf der ersten fünf Minuten wahr, daß

dies rasende, durch nichts zu hemmende Ungestüm des sür ihre geschickte Hand sonst so leicht zu behandelnden Tieres jetzt noch eine andere Ursache haben müsse, als das Erschrecken vor dem Totenhügel. Die Art wie es immer wieder witternd den Kopf erhob, und das eigen­tümliche Spiel der Ohren ließen der geübten Reiterin keinen Zweifel, daß irgend etwas Außergewöhnliches, für ihre Sinne noch nicht Wahrnehmbares, das Pferd in seiner sonderbaren und für fie selbst so gefährlichen Aufregung erhielt.

Nicht lange aber sollte sie über die Natur dieses geheimnisvollen Etwas im ungewissen bleiben. Seltsame Laute, die mit unglaublicher Schnelligkeit näher kamen, unterschied sie jetzt deutlich als das Wiehern und Schnauben zahlreicher Pferde, deren von dem weichen Rasenteppich gedämpftes Hufgetrappel bereits den Boden erzittern machte. Ihr schweiß,bedeckter Brauner warf den Kopf empor und gab nun ebenfalls durch lautes Gewieher seine Freude darüber kund, daß es ihm gelungen war, die glück­licheren Kameraden zu erreichen. Denn schon brachen sie in dichtem Schwarm aus dem Walde hervor, ohne Zügel und Zaum, mit slatternden Mähnen Und Schweifen, in -ihrem stürmischen Daherjagen ein wahrhaft prächtiges Schauspiel unbändiger Kraft und Freiheitsfreude bietend.

Oft hatte sich Elisabeth gewünscht, die verwilderten Pferde, die in großen, oft nach Hunderten zählenden -Herden das verwüstete Land durchstreiften, aus der Nähe zu beobachten, denn in der Stille trug sie sich längst mit dem verwegenen Gedanken, durch ihr Einfangen und ihre erneute Zähmung für den menschlichen Dienst eine vielleicht sehr ergiebige Einnahmequelle für Lasdehnen zu er­schließen. Und da sie als eine leidenschaftliche Liebhaberin der edlen, klugen und temperamentvollen Geschöpfe keine 'Furcht vor ihnen kannte, vergaß sie jetzt alle kaum über­standene Aufregung in dem herrlichen Anblick, den ein Zufall ihr so unverhofft zu teil werden ließ.

Während die Annäherung eines Wagens oder selbst eines einzelnen Fußgängers die scheuen Tiere stets sogleich in rascher Flucht ausbrechen machte, mußte die Erscheinung eines Reiters offenbar nichts Beängstigendes für sie haben: denn sie nahmen ihren Weg gerade auf Elisabeth zu, und in weniger als eister Minute sah sie sich ringsum von fliegenden Mähnen und von erhobenen Pferdeköpfen um­geben, die aus großen, neugierigen Augen auf sie blickten. , Ihrem eben noch so unbändigen Braunen freilich schien es inmitten der wilden Genossen plötzlich sehr unbehaglich zu werden; denn er begann heftig zu zittern und fügte sich jetzt wieder gehorsam jeder Zügelbewegung seiner Herrin, wie wenn er von ihr seine Befreiung aus der ungewohnten und beängsttgenden Situation erhoffte. Auch die Reiterin selbst mußte trotz ihrer sorglosen Kühnheit