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Zatschte aus die Weinblätter des Rankengewirrs, das die ^^anda umklerdete. Und über der See lag ein dichter M^tsch^^ an ter dem grau und trübselig die Wasser- flache sich brertete. "
^arf die Zigarrette fort und gähnte. So etwas von xangtoeik! Dazu war man nun an die See gereist um schon sert drei Tagen fest zu liegen in dem elenden Dorskruge, wahrend draußen Wege und Stege aufqeweicht wurden von immerwährendem Regen. Und kein einziger verwertenaut^ nur äum einfachsten Gedichte r« '.-^^^ttch stöhnte Fritz ganz laut und gähnte wieder. Ern silberhelles Lachen schreckte ihn auf. Er fuhr in die
’ der Thür ein junges Ding und lachte aus vollem Halse. Und Frrtz fand das Ding gar nicht einmal so übel, war es doch ein blondhaariges und blau- augrges Mädel mit frischen, rosigen Wangen und reizenden Grübchen zu beiden Seiten des Mundes, aus dem zwei Perlenreihen blendend weiß schimmerten. Und das Mädel dem die kleidsame Fischerinnentracht allerliebst stand, lachte .noch immer.
„Lachen Sie über mich? Oder macht Ihnen der Regen solchen Spaß?" fragte Fritz halb ärgerlich, halb belustigt. — „Nee! Dat makt mi keen Vergnäugen, wenn bat Water so piplings dal kummt von'n Hewen. Do löpt jo de ganze Keller vull und de Kartüffeln fangen an tau fulen." — „Wie meinen das gnädige Fräulein?" fragte Fritz lachend, denn er hatte kaum ein Wort verstanden. — „Soo? Sei künnen also keen Plattdütsch verstah'n! Un denn fernen Sei in uns' ooles Dörp und weten gor nich, woans Sei mrt de Lüd' snaken sülln? Na, denn möt ick woll up hochdütsch mit Sei spreken!" — Und sie machte einen allerliebsten Knix und lachte unferm Fritz, der schon längst .aufrecht in der Hängematte saß, fröhlich ins Gesicht.
„Sie langweilen sich wohl sehr hier?" sagte sie in rernstem Hochdeutsch „Ich sah Sie vorhin ein paar Mal gähnen — so weit", — und sie hielt die sauberen, kleinen Hände um einen halben Meter voneinander entfernt — „ba mußte ich lachen bei bem ©ebänfen, baß bie Schwalbe, die ba oben im Gebälk ihre Jungen füttert, Ihnen vor Schreck vielleicht eine fette Raupe in ben offenen Mund fallen lassen könnte. Aber sie that es leiber nicht." — «Ich bin Ihnen für Ihre frommen Wünsche von Herzen dankbar", gab Fritz lachenb zur Antwort. „Aber nun thun Sie mir ben einzigen Gefallen unb sagen Sie mir, ob Sie eine verwunschene Prinzessin ober eine entlaufene Meeresnixe sind? Sonst steht mir nächstens ber Verstand still — vor Freude nämlich Denn wissen Sie, als Sie mir .zuerst Mit Jhrech verflixten Kauderwelfch kamen,, ba glaubte .ich eine reizende Seebärentochter ober dergleichen Gutes vor mir zu haben,--unb jetzt sind Sie wohl gar ein
.verkleidetes Stadtdämchen?" — — „Sehen Sie mal an, wie gescheidt Sie sind", erwiderte sie. „Da hätten Sie mit Berbern so ziemlich ins Schwarze geschossen." — Aber ehe sie weiter sprechen konnte, war Fritz aus der Hängematte gesprungen, hatte sich den Rock zugeknöpft unb stellte sich nun mit tadelloser Verbeugung vor: „Fritz Wunder- hold, Königlicher Regierungsreferendar und Leutnant der Reserve aus Erfurt.
Sie drehte sich um und schien sich ausschütten zu wollen vor Lachem „Nein, wie komisch!" rief sie, indem sie sich .wieder zu ilfm wendete. „Daß wir uns hier treffen müssen!" — „Hier treffen? — Ja, kennen Sie mW denn etwa schon von früher her?" — Sie wurde rot, aber sie stochte doch noch „Es ist durchaus nicht sehr schmeichelhaft, daß Sie sich meiner so absolut nicht mehr erinnern. Wissen Sie denn gar nicht mehr, wie wir auf bem Ball beim Regierungsrat Müller zusammen getanzt haben? Das Sträußchen, das Sie mir beim Kotillvn brachten, habe ich sogar ausgehoben. Meinen Orden haben Sie natürlich längst nicht mehr, Herr Königlicher Regierungsreferendar und Leutnant der Reserve? ---Na, beruhigen Sie sich
nur", fuhr sie neckend fort, als sich auf Fritz' Antlitz die größte Verlegenheit malte. „Sie schnitten damals ber schönen Clotilbe von Arnswalb mit solcher Anstrengung bie Cour, daß Sie mW beim Tanzen kaum' angesehen haben.
Fritz war heftig errötet. Er dachte an den Korb, den
er sW ber der stolzen Clotilde geholt hatte, die jetzt längst E Frau fernes Regierungspräsidenten war. Aber er faßte sW schnell, als er wieder das schelmische Lächeln sah, mit bem chu bre hübsche Unbekannte fragte: „Noch immer nicht Uirouuben?" — Unb nun wollte er wissen, wo er bie Ehre gehabt hatte „Ja, sehen Sie wohl, — ba kommen
tmr tot eher auf eine von Ihren Sünden zu sprechen", sagte ste ernsthafter werdend. „Ihre Tante, die verwitwete Frau LaudgerWtsrat Senden hat sW schon lange gewundert, baß Sre es ber bem einen Höflichkeitsbesuch haben Be- wenben lassen unb ihre Einladung unter einem Vorwanbe ablehnten - ." — „Sie kennen meine Tante?" unter»
lte" "3a, Gott, sie ist ja eine liebe, vornehme alte Dame, aber was soll ich ba unter lauter alten ganten?" — „Sehr schmeichelhaft für mich!" — Er starrte ste fassungslos an. „Ich Bin nämlich als Gesellschafterin rm Hause ber Frau Lanbgerichtsrat, mit ber ich weitläufig verwanbt Bin, unb bie mW in ber Pension hat erziehen lassen, um mW bann ganz zu sich zu nehmem" — „Herr Gott! Da muß W ja aber gleich nach meiner Rückkehr nach. Erfurt Visite machen! Aber nun sagen Sie mir nur um des Himmels Willen, was machen Sie hier in biefem weltverlorenen Nest?" — „Ich bin hier zu Hause", antwortete sie einfache „Meinem Vater gehört dieses Haus unb bie Aecker bort brüben, unb ber Dorfkrug wirb noch immer aus alter lieber Gewohnheit weiter geführt. Jetzt bin W auf vier Wochen baheim, — gestern abenb im strömenden Regen angekommen, — unb so lange ich hier bin, ziehe ich bie Stadtdame aus unb Bin Mädchen für alles und nichts als die Tochter meiner lieben Eltern, bei denen es doch! schließlich am besten ist."
Fritz, wußte gar nicht, was er sagen sollte. Er kam sW all diesen Ueberraschungen gegenüber ganz dumm vor. Da hörte er bie Stimme ber Wirtin durchs Haus rufen. „Marie! Marie! Kämmst denn gor nW Webber? De ©toten’ mitten to supen hebben!" — Da brehte sich das Mädel lachend um. „Gliek, Mutting! Jck kumm all!" Und zu Fritz sW wendend wies sie mit ber Hand über ben ©arten hinaus: „Sehen Sie, Herr Reserenbar, ba hinten hellt sich der Himmel auf. Nun werben Sie nicht mehr nötig haben, sW hier zu langweilen!" — „Langweilen? Ich mW langweilen? Ich unterhalte mW ja göttlich schön!" rief er fast begeistert aus. „Unb wahrhaftig, ba kommt ja schon ein Streifen Himmelsblau. Fräulein Marie darf W Sie da für heute nachmittag zu einer Bootfahrt einladen?"
Und als sie dann nach stundenlanger Fahrt, bie ihnen im Glück ihrer jungen Liebe wie int Fluge dahingegangen toar, wieder an Laub zurückkehrten, traten sie gemeinsam den Weg zu Mariens Eltern an.
Kinderkost auf Reifen und in der Sommerftische.
Von Sanitätsrat Dr. L. F.
Nachdruck tierboten.
„Unsere Kinder sollen sW erholen. Sie sollen in ein Bad, aufs Land , oder an die See." Das ist jetzt, zur Ferienzeit, die Parole in vielen Familien, deren kleine Mitglieder durchs Stadtluft, rasches Wachstum, Schule und viele andere Ursachen blaß, mager unb schlaff geworden sttob- „Sie sollen kräftiger, voller, mit frischeren Farben zurückkehren!" Dieser Wunsch ber Eltern ist ein sehr berechtigter; benn sie möchten bvch bie Kosten für eine Reise und einen Sommer aufenthalt nicht umsonst aufwenden, möchten ihre Lieblinge rosig, munter unb gut genährt toieber haben.
„Ja, bei dem „gut genährt" liegt eben die Schwierigkeit, benn bie schöne, reine Lust auf ben Bergen, bas Ozon ber Wälder, bie ersrischenbe Brise am Straube — alles bies .allein thut's nicht. Auch bas „Süße Nichtsthun", bas echte unb rechte „Faulenzen", bie Spiele unb Wanderungen in Gottes freier Natur, bas Trinken unb Baden in Kurorten genügen nicht. Zu alledem gehört auch eine gute, kräftige, wohlschmeckende unb leicht verdauliche Nahrung.
Die Ernährungsfrage also ist es, von deren glücklicher Lösung ber Erfolg ber Sommerferien für bas Kinb zum großen Teile abhängt. Gerade mit der Qua-


