Ausgabe 
19.5.1900
 
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so würde dem Fleisch der Frucht mit einem Durchmesser von 99 Millimeter eine Schale von wenig mehr als einem halben Millimeter Dicke entsprechen, und eine so dünne feste Rinde sollte im stände sein, den unbändigen Natur- kräften des seuerslüssigen Erdinnern stand zu halten, selbst wenn die 320 thätigen Vulkane mit ihren im Vergleich zur Größe des Erdballs doch immerhin sehr kleinen Oessnungen fortwährend der Funktion von Sicherheitsventilen, wie sie einen Dampfkessel gegen Explosion sichern, obliegen sollten. Die Humboldsche Ansicht, nach welcher die Auswurfsröhren der Vulkane direkt in das feuerflüssige Erdinnere hinunter­führen sollten, fand daher immer geringeren Beifall, und man verfiel wie gewöhnlich in das strikte Gegenteil, indem inan behauptete, daß die Erscheinungen des Vulkanismus nur die an der Erdoberfläche bemerkbaren Symptome eines in der Tiefe wütenden lokalen Erdbrandes seien, der sich von Kohle, Petroleum, Schwefel oder anderen brennbaren Mineralien nähre. Diese Erklärung ist noch viel unwahr­scheinlicher, als die erstere, ja im Hinblick auf die riesen­haften Dimensionen mancher Vulkanausbrüche und die Dauer derselben, welche an manchen Orten viele Jahr­tausende weit zurückreicht, geradezu absurd. Am wahr­scheinlichsten ist vielmehr folgendes: Ob die Erde in ihrem Mittelpunkte heute noch in feuerflüssigem Zustande sich befindet, mag dahingestellt bleiben; Thatsache aber ist, daß im Innern derselben noch heute sehr hohe Temperaturen herrschen. Wegen des ungeheuren, auf ihnen lastenden Druckes ist aber der Schmelzpunkt der Gesteine iw einer Tiefe von Hunderten und Tausenden von Kilometern jeden­falls ein bedeutend höherer als auf der Erdoberfläche und daraus folgt, daß entweder der Erdkern selber fest ist oder zum mindesten von einer festen Kruste von weit über 100 Meilen umgeben ist. Die ganze ungeheure Erdmasse ist nun in dem Weltraum, wo eine Temperatur von mehr als 200'Grad unter Null herrscht, einer langsamen, Ab­kühlung seit vielen Millionen Jahren unterworfen und zieht sich entsprechend einem allgemein gütigen Natur­gesetze allmählich aus ein kleineres Volumen zusammen. Dieser letzteren vermögen die obersten Partien der Erde natürlich nicht gleichmäßig zu folgen, und während auf großen Flächen der Erdboden langsam nachgiebt, und ein­sinkt (Meere und Tiefebenen) stülpt sich derselbe an den Begrenzungslinien in Form von Kettengebirgen empor, unter welchen bedeutende Hohlräume und längsverlaufende Spalten frei werden. Das darunterliegende feste Gestein wird von dem auf ihm liegenden Druck entlastet, und da­durch werden ungeheure Wärmemengen frei, welche einen Teil der Gesteine schmelzen, dis sich! nach oben einen Ausweg bahnen und namentliche dann mit elementarer Gewalt hin­aufdrängen, wenn gleichzeitig von nahen Wasserbecken her Wasser in die Hohlräume drängt, welches sich sofort in Dampf von hoher Spannung verwandelt, und übrigens, wenn es sich in seine Elemente, Wasserstoff und Sauerstoff scheidet, auch die Grundstoffe liefert, mit denen sich Schwefel, Phosphor und andere brennbare Materialien be­gierig unter Flammenerscheinungen verbinden. Ties der heutige Standpunkt der Wissenschaft.

GenreinnLWges.

Eine ivohl von keiner Seite bestrittene soziale For­derung unserer Zeit ist das Einfamilienhaus: ein eigenes Haus oder Häuschen im Garten. Diesem Ver­langen entspricht eine Preisaufgabe desPraktischen Rat­gebers im Obst- und Gartenbau". Die Redaktion hatte vor einigen Monaten einen Preis von 400 Mark aus­gesetzt für ein ländliches Haus, das für eine Familie mit drei Kindern bestimmt ist und Grund und Boden nicht berechnet höchstens 15 000 Mark kosten darf. Die Auf­gabe hat in Architektenkreisen soviel Verständnis gefun­den, daß 108 Arbeiten eingegangen sind, darunter eine größere Zahl von ebenso praktischer wie reizvoller Ge­staltung, sodaß das Preisgericht viel Arbeit findet. Das Preisrichteramt haben übernommen außer Mitgliedern der Redaktion die Königlichen Regierungs- und Bauräte Hesse und Oehmke und der Landesbauinspektor von Salz-

wedell. Da die Arbeiten gründlich geprüft und durchge­arbeitet werden müssen, ist die Entscheidung nicht vor Juni zu erwarten. Die Aufgabe ist jedenfalls dankbar zu begrüßen, und man kann der Redaktion nur zustimmen, wenn sie sagt: Je mehr es mit unserem Volke empfindende und zugleich praktische Architekten verstehen, uns das- Haus behaglich und billig herzustellen, desto mehr Men­schen werden ein eigenes Haus für sich und die Ihrigen erstreben.

Aür die Küche.

Einige Winke für das Spülen in der Küche. In großen Haushaltungen besonders erfordert diese Ar­beit viel heißes Wasser. Es ist natürlich daß man die Gläser und das feinere Tafelgeschirr zuerst vornimmt, mit klarem, kaltem und lauwarmem Wasser gleich nachspült und sofort an ihren bestimmten Platz stellt. Es sollte auch noch ein besonderes Handtuch ganz in der Nähe hängen, woran die Hände der Aufwäscherin sich vor jedesmaligem Abtrocknen einer Parthie Schüsseln abreiben könnte. Man sieht mitunter Hausfrauen, welche die für die Schüsseln bestimmten Trockentücher gedankenlos auch zum Abtrocknen von Gesicht und Hand benutzen, wenngleich sie in anderen Dingen höchst genau und reinlich sind. Man sollte noch eine zweite große Zinnschüssel haben, in welche die sauber mit Seifenwasser gewaschenen Teller, Platten und Schüsseln umgestülpt plaziert und mit reinem, heißem Wasser über­gossen werden. Die dampfenden Sachen werden nun mit einem reinen Handtuch rasch abgerieben.

Literarisches.

In der Sommerfrische" betitelt sich das soeben erschienene, besonders reich ausgestattete Heft der ,, Wien er Mode", das eine Fülle ungemein chiker Sommertoiletlen nebst allen in der Sommerfrische benötigten Kleinigkeiten enthält und speziell der jungen Damenwelt eine Menge graziöser Modelle bietet. Eine Neuerung wird besonders will­kommen sein. Der Hausarbeitstcil bringt Details der im Modetei. angewandten Aufputzartikel in stark vergrößertem Maßstab, so daß diese dem modernsten Geschmack entsprechenden Aufputzarten von jedermann ausgeführt werden können. Preis des Heftes 45 Pfg. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Postaustalten oder direkt vom Verlag derWiener Mode", Wien, IV., Wienstraße 19.

Ausgezeichnete Bilder von den Berliner Festtagen schmücken di­neueste Nummer desBär" (Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin SW., 13, Neuenbugerstr. 14a.) Es ist ein Triumph der modernen Repra- duktionsverfahren, daß eine Zeitschrift in der Lage ist, kaum 2 Tag: nach dem Ereignis 12 Bilder in großem Format und tadelloser Aus­führung ihren Lesern darzubieten. Besonders schön ist das figurenreiche Bild mit den beiden Kaisern während der Ansprache des Oberbürger­meisters, wie auch dasjenige vom Triumphbogen. Außerdem ist diese Nummer mit sehr vielen andern interessanten Bildern geschmückt. Der Bär" ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen.

Skataufgabe.

Nachdruck verboten.

(Bei französischen Karten gilt Treff gleich Eichel, Pique gleich Grün, Coeur gleich Rot, Carrean gleich Schellen.)

Da alles paßt, hofft Vorhand auf einen guten Skat und tonrniert mit folgenden Karten:

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Q Q Q

Q Q

0

O O

Anstatt der ersehnten Wenzel findet der Spieler zu seinem Schrecke!-' zuerst Grün<Piquc)-Neun und außerdem Rot(Coeur)-Acht. Mittelhand hat 31, Hinterhand 26 Augen in ihren Karten. Ist cs möglich, das Spiel z» gcwinucu?

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer:

H o l z s ch n h.

Äebatoon: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße».