Ausgabe 
19.5.1900
 
Einzelbild herunterladen

I

ZM

j e/?

«s wächst ein Blümlein: Bescheidenheit, Der Mägdlein Kränzet und Ehrenkleid. Wer solches Blümlein sich frisch erhält, Dem blühet golden die ganze Welt.

E. M. Arndt.

Nachdruck verboten.

Es sah eine Linde ins tiefe Thal."

Novelle von R. Litten.

(Fortsetzung.)

Ein paar Minuten später wußte Herbert Kraneck, welche dunkle Wolke die kaum anfgegangene Sonne seiner Liebe zu verlöschen drohte. Es traf ihn, wie dergleichen eben einen heißblütigen jungen Mann, einen Menschen, der soeben das Ideal seiner Träume, den Inhalt seines Lebens Gefunden zu haben meint, trifft.

Er loderte und glühte, wollte zum Grafen, ihm das Mündliche Spiel aufdecken, der Gräfin die Larve vom Antlitz reißen, Ramberg, dessen Name ihm, wenn auch keineswegs im guten Sinne, bekannt war, fordern aber schließlich hielt er doch in seinem wilden klmherwandern inne und drückte, vor dem zitternden Mädchen stehen bleibend, ihre kalten Finger an seine Lippen.

Verzeih, mein Lieb, verzeih mir! Ich weiß nicht, lvas ich spreche! Du hast recht, mein armer Liebling, das alles ist nicht ausführbar, und ich ängstige Dich nur. Aber ich kann Dich nicht verlieren, nicht mit gebundenen Händen von ferne stehen, wenn man Dich diesem Menschen, diesem Unwürdigen ausliefert."

Er rannte wieder den Gartenweg auf und ab, dann kam er zurück und warf sich ihr zu Füßen.

Komm mit mir, mein Lieb, mein Glück, mein alles! Ich bringe Dich zu meiner Mutter, wie ihren Augapfel wird sie Dich hüten und Pflegen, bis ich Dich heimführe in mein Haus. Lange kann es ja nicht dauern, bis ich es gründe. Ich weiß als ich Dein holdes Antlitz wiedergeben durfte, ist es mir klar geworden großes kann ich leisten, mich an das Höchste wagen, und bei Gott, ich werde es, und ich will es! Nicht zurücksehnen soll sich das Weib des Künst­lers nach seinem stolzen Schlosse, segnen soll es die Stunde, wo es mir folgte zum Glück und zur Liebe!"

Er suchte mit seinen schönen flammenden Augen die ihren.Sei nicht so stumm, Geliebte, sprich zu mir, gieb mir Hoffnung! Sieh, ich weiß, es ist viel, was ich von Mr verlange. Alles sollst Du aufgeben, die Erinnerungen

Deiner Kindheit, Rang und Reichtum, und das um mich, den fremden, namenlosen Mann, und doch ich kann nicht anders: Nicht um mein Glück allein, auch um das Deine ringe ich."

Ich weiß es, Herbert, und ich sterbe, wenn ich. Ram- bergs Weib werden soll."

lind doch zögerst Du, Geliebte, willst mir nicht folgen ? Entscheide Dich, morgen ist es vielleicht schon zu spät!"

Sie richtete sich aus den sie umschlingenden Armen auf, marmorweiß hob sich ihr Gesicht von den schwarzen 'spitzen ihrer Umhüllung ab.

Gieb mir eine oder zwei Stunden Bedenkzeit, Herbert! Nur so lange, bis mein Kopf klar denken kann. Siehst Du dann ein Licht an tneinem Fenster es ist das des rechten Erkers, Du kannst es von hier aus erblicken dann er­warte mich, dann gehe ich mit Dir, bleibt es aber dunkel - dann, Herbert, dann ist auch mein ferneres Leben so."

Sie ergriff seine Hand und preßte sie gegen ihr Herz; eine Minute darauf war sie verschwunden.

Sie flog den Weg zum. Schlosse, zu ihrem Zimmer zurück. Eben wollte sie sich erschöpft in einen Sessel werfen, als sich von einem der Fenster eine helle Gestalt ablöste.

Erschrick nicht, Dina, ich bin e§£'

Du, Mama, und im Dunkeln?" Sie schritt müde zum Glockenzug.Ich rufe Brigitte, sie soll die Lampe an­zünden."

Die Gräfin hielt ihre Hand fest.Glicht doch, der Mond geht eben auf, und sein Schein ist Verliebten gerade, recht." Sie lachte schrill auf.Du siehst, Kleine, ich nehme Rücksicht auf Deine bräutlichen Gefühle."

Sie zog das Mädchen mit fast schmerzhaftem Drucke aus den Divan.So stumm, Dina? Hat Dich Dein Glück! so sehr bewältigt?"

Mein Glück, Mama? Wozu noch jetzt die Komödie?"

Komödie?" Wie erstaunt der Ton klang.Ich ver­stehe Dich wohl nicht recht! Eberhard bittet mich um meine Vermittelung, Deiner sei er gewiß; ich thue mein mög­lichstes, und nun, da die Sache zum fröhlichen Ende kommt, statt jauchzender Dankbarkeit dieser Ton?"

Dina hatte sich erhoben, mit einer Gebärde unsäglichen Ekels ivehrte sie die Hand ab, welche auf ihrem Arme lag.

Kein Wort mehr, ich bitte! Ich bin kein Kind mehr, welches an rasch erfundene Märchen glaubt; ich kenne mei­nes Vaters Schmach!"

Ein leises Zähneknirschen kam vom Divan, dann wieder nervöses Lachen.

Du phantasierst. Kleine, und noch dazu am Vorabend Deiner Verlobung. "Dein Vater hat Dir dpch mitgeteilt, daß morgen"

Mein Todesurteil gesprochen wird, ich weiß!"