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„Und Sie verdienen für Ihr Benehmen eine Züch- tl9LUUnb kaum Maren in schneller Rede und Gegenrede die letzten Worte gefallen, da berührte klatschend Herrn Mon- tigny's Hand die Wange von Herrn Salvet.
Die Damen, auf's höchste erregt, sprachen auf den Gatten und Vater ein, und es gelang ihnen, die Gegner insoweit zu trennen, daß sie nur noch, ohne ein Word zu sprechen, die Karten austauschten.
Daß nach der vorhergehenden Szene der Besuch des zoologischen Gartens nicht gerade sehr harmonisch für die Familie verlief, bedarf wohl keiner Erwähnung. Herr Mvntigny sprach gar nicht, Frau Montigny sah ängstlich auf den Gatten, und das Töchterchen warf scheue Blicke auf die Eltern, und dann und wann schaute sie sich verstohlen um, denn nur sie bemerkte, daß während des ganzen Nachmittags, auf allen Kreuz- und Querwegen durch den Garten, der zweite junge Herr, der im Kupee mit ihnen zusammen gefahren war, ihnen aus Schritt und Tritt folgte.
Als Herr Mvntigny es endlich an der Zeit hielt, den Rüjckweg anzutreten, da hoffte das junge Mädchen den lästigen Begleiter los zu sein, und eine rasche Umschau auf dem Bahnhof hatte ihr keine Spur ihres „Schatten , wie sie ihn schon getauft hatte, gezeigt.
Aber ach! In Paris beim Ausstergen sah sie den Gefürchteten wieder, und ihre Unruhe stieg noch, als sre bemerkte, daß -er sichtlich zu dem Entschluß gekommen schien, sich 'bemerkbar zu machen.
Und richtig, als sie die Bahnhofshalle verlassen hatten, trat der junge Mann auf Herrn Montigny zu, lüftete artig den Hut und sagte: „Verzeihen Sie, wenn rch stnr erlaube, Sie hier anzusprechen ... ich war heute nachmrt- taq Zeuge eines von Ihnen begangenen, sehr bedauerlich^ Irrtums ... Sie haben mit Unrecht einen Unschuldigen als Urheber eines gewagten Scherzes bezichtigt, den rch mir thörichterweise erlaubte, als wir den Tunnel passierten . . ."
„Sie sind es gewesen?" ... -
„Jawohl! Ich habe nicht soviel Selbstbeherrschung gehabt, einen dummen Scherz zu unterlassen, durch welchen auf einen von Ms der Verdacht fallen mußte, das Fraulern in der Dunkelheit geküßt zu haben ... das ist aber nicht der Fall, denn ich habe nur auf meiner Hand das Geräusch von Küssen erzeugt. . . fragen Sie, bitte, das Fraulern, ob sie die leiseste Berührung auf ihrer Wange gefühlt hat. . . Ich bitte Sie, meinen Worten zu glauben, rch spreche die Wahrheit... ich habe nicht etwa dre Absicht, den anderen jungen Mann von dem Verdacht frei zu machen: ich kenne den jungen Herrn, welchen Sre vorhin beleidigt haben, gar nicht .... aber ich halte es für Ehren- pflicht, auch alle Folgen meines kindischen Scherzes aus mich zu nehmen. . Hier ist meine Adresse", fügte er hinzu, ü,nd überreichte Herrn Montigny ferne Karte mit einer Verbeugung.
Derselbe las: c „
„Paul Leblanc, Maler, 147 Rue de Rome".
Herr Montigny hatte ein heftiges Temperament, aber er war ein rechtlich denkender Mann, der es zugab, wenn er einen Irrtum begangen hatte. „
Er sah seinen Weg klar vor sich, und ohne Zögern trennte er sich, an seiner Wvhnung angelangt, von Frau und Tochter, und begab sich zu Herrn Salvet. .
Derselbe war nicht wenig überrascht, fernen Gegner noch- in später Abendstunde bei sich erscheinen zu sehen, hörte mit Erstaunen die Erklärung, dre ihm Herr Mvu- tiqny über das unglückliche Mißverständnis gab, Und nach der warmen und herzlich ausgesprochenen Bitte um Entschuldigung reichten sich die beiden Herren dre Hand zum Zeichen der Versöhüung. .
Boll banger Sorge warteten dre Damen auf dre Herm- sehr des Hausherrn, und nachdem derselbe seinen Bericht damit geschlossen, daß Frau Montigny sich für den kommenden Sonntag auf einen Tischgast, nämlich Herrn ^zules Salvet, einrichten möchte, gingen alle, von einer schweren Last befreit, zur Ruhe. , ,,
Die verschiedensten Träume quälten dre drei Menschen
nach dem aufregenden Tage. Herr Montrgnh zankte srch so laut im Schlaf, daß seine liebende Gattin rhn mehrere Male rufen mußte; als sie selbst dann eingeschlummert, da quälten sie ängstliche Vorstellungen über em Mittag- essen, mit dem sie nicht zu stände kommen konnte, und Fräulein Edmee Montigny machte im Traum erne weite Reise, aber nicht Mein, sondern „zu Zweien", und wachte darüber auf, als sie laut sagte: „Der Schnurrbart kitzelt nticf) cibe'E
Der nächste Sonntag brachte Herrn Salvet, Ingenieur, als Tischgast, und die nächste Zeit sah rhn noch öfter im Hause von Montignys. Aber nicht Braten noch Fisch, noch Wein und Zigarren, so vorzüglich sre sern mochten, hatten es ihm angethan, sondern dre blonde Tochter des Hauses war der Magnet, und der Magnet war so stark, daß, ehe der Sommer gekommen, ber Mon- tigny's Verlobung gefeiert wurde.
Des Kusses war in der ganzen Zeit Nicht Erwähnung gethan worden, aber Jules Salvet hatte srch dre Adresse des Malers wohl gemerkt, ihn ausgesucht, und dre beiden jungen Männer waren sich sehr bald näher getreten.
Bei der Hochzeit war Paul Leblanc Brautführer, und als Papa Montigny sich einen ganz kleinen Spitz angetrunken hatte, da hielt er eine launige Rede auf den „Kuß und schloß mit einem „Hoch" auf Paul Leblane.
Die Uneingeweihten meinten, „welch/ einen Unsinn spricht der Gute zusammen", aber den Eingeweihten war die Rede sehr klar, und das junge Paar nahm a tempo die Champagnerkelche, ging Ms Paul Leblanc zu, und, klingend trafen die Gläser zusammen.
Lttterarisches.
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Logogriph.
Nachdruck verboten.
Trägt mein Wort ein „t" zuletzt, Jst's der Erde Schoß entnommen.
Wird als Fuß ein „B" gesetzt, Jst's vom Bauern zu bekommen. H-
Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummer. K
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Kedaklion: E. Burkhardt. — Druck und «erlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch. und Gtrindruckerei (Pietsch erben) in «ließen.


