Ausgabe 
18.12.1900
 
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Wirkung der Heublumen- und Essigwasser-Umschläge ist in diesem Falle die gleiche. Heublumen selbst dürfen bei einer Entzündung niemals aufgelegt werden.

Man gebrauche also etwa den einen Tag Heublumen- wickel, den andern Tag Lehmwickel; dazwischen hier und da eine Einreibung von Kampheröl oder Kampherspiritus. So wird fortgemacht, bis die Gelenke wieder ihre volle Biegsamkeit erlangt haben. Ist das Glied jedoch schon recht steif geworden, so greife man zu dem alten Haus­mittel des Einreibens mit Schweinefett. Zuweilen kann die Entzündung so stark auftreten, daß dadurch der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen wird. In diesem Falle sind Ganzwaschungen angezeigt.

Zur Dämpfung der Hitze und der Entzündung würde auch das Topfenkäsepflaster wegen seiner kühlenden Wirk­ung gute Dienste leisten. Dagegen ist die Anwendung von Eis, wie sie bei derartigen Verletzungen noch oftmals in der Uebung, durchaus zu verwerfen, da das Eis auf unsere Natur viel zu schroff einwirkt. Das Eis zieht gar nicht aus, sondern bewirkt nur eine große Kälte, des­halb bleibt der ungesunde Stofs stets drinnen; höchstens wird er nach einer andern Stelle getrieben.

Bei ununterbrochenem Gebrauch der oben erwähnten Wicklungen werden auch schwere Fälle von Verstauchungen (in leichteren Fällen können selbst einfache Gießungen des betreffenden Gliedes ausreichend sein) zur sicheren Heilung gelangen, und sei noch bemerkt, daß selbst gebrochene Füße wenn auch langsam bei dieser Behandlung durchaus gut verheilt sind.

Bei Verrenkungen sind durchwegs die gleichen An­wendungen, wie oben angezeigt; doch hat zuvor durch eine sachverständige Hand die Einrichtung' des betreffenden Ge­lenks stattzufinden. (Kn. Bl.)

Aus der Pflanzenwelt.

Neber die Verbreitung der Aepfel- und Birnen-Arten auf der Erde hat Folgner eine interessante Untersuchung angestellt. In ihrer Mehrzahl sind diese Obstbäume in wildem Zustande Bewohner von Gebirgshängen oder von hügeligem Gelände, viele ihrer Gattungen sind ganz auf die Gebirge beschränkt, und es gießt keine einzige unter ihnen, die wildwachsend nur in der Ebene vorkäme. Mit wenigen Ausnahmen sind die Aepfel und Birnbäume Ein­wohner der nördlichen Halbkugel, nur zwei Arten greifen auf die südliche Halbkugel hinüber, und eine einzige Gattung (Hesperomeles) fontmt nur auf der südlichen Halb­kugel vor, und zwar gerade die gewöhnlichsten und arten­reichsten, wie unser gemeiner Apfelbaum (Malus), sind auf beiden Seiten-Halbkugeln, der östlichen wie der westlichen, heimisch, über die Hälfte der Gattungen sind auf die alte Welt beschränkt, nur drei von ihnen sind ausschließlich, Kinder der Neuen Welt. Das Festland von Australien und Afrika hat keinen einzigen einheimischen Apfelbaum, Afrika besitzt nur an der Mittelmeerküste einige Arten, von denen eine diesem Platz allein eigentümliche ist. Auch die Insel Madeira hat übrigens einen Apfelbaum, der nur auf ihr vorkommt. Auf der australischen Inselwelt ist ein Apfelbaum vorhanden, der bis nach Japan verbreitet ist. Europa hat keine einzige Gattung dieser Obstbäume, die ausschließlich in seinem Gebiete vorkäme, unser Erd­teil teilt vielmehr den Besitz aller seiner Aepfel- und Birngeschlechter mit Asien und dem mittelländischen Afrika. Asien dagegen besitzt fünf Gattungen des Apfelbaums, die in Europa nicht Vorkommen.

GeIMeZMNNtzigOS»

Extrakt zu Zitronenpunsch, Einhalb Kilo­gramm Zucker wird geläutert und etwas abgekühlt; noch warm kommt der Saft von 4 Zitronen unh 1 Flasche Arrak hinzu. Diesen Extrakt füllt man in Flaschen. Beim Ge­brauchs gießt man das Punschglas ein Viertel bis ein Drittel voll Extrakt und dann das kochende Wasser hinzu. Hübsch verzierte Flaschen mit Extrakt eignen sich zu allzeit willkommenen Geschenken.

VermMehteS.

Die Puppe spielt zur Weihnachtszeit für die gesamte Kinderwelt weiblichen Geschlechts eine große Rolle. Dem trägt die Liebig's Fleisch-Extrakt-Kompagnie Rechnung, indem sie die zum diesjährigen Weihnachts­feste erscheinende Serie ihrer sogenannten Liebig-Bilder dem Thema der Entstehung der Puppe gewidmet hat. In bunter Darstellung wird vorgeführt, wie die Puppe nach und nach Form und Wesen erhält, wie die Herstell­ung der Kugelgelenke, das Stopfen, das Frisieren, das Be­malen, das Ankleiden vor sich geht, mit welcher strahlenden Freude die kleinen Mädchen unter dem Weihnachtsbaum das neue Spielzeug empfangen und wie es dann bald nachher vomPuppendoktor" wieder zusammengeflickt wer­den muß. Manche Mama wird auch der Rückseite der Bildchen Beachtung schenken, namentlich den zuverlässigen Kochrezepten, die für die Vielseitigkeit der Anwendung von Liebig's Fleisch-Extrakt wiederum praktische Belege erbringen. ____________

Literarisches.

Seidel, Heinrich, Leberecht Hühnchen. Eleg. geb. Mk. 5..

I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf. G. m. b. H., Stuttgart.

Dieses Kleinod unter Heinrich Seidels erzählenden Schriften ist in gediegener Fassung gerade noch rechtzeitig vor dem Feste erschienen, um überall da als hochwillkommene Weihnachtsgabe begrüßt zu werden, wo bei natürlichem Frohsinn Genügsamkeit und stille Beschaulichkeit ihre Heim­stätte aufgeschlagen haben.

Wenn die Weihnachtszeit heranrückt, denkt jeder darüber nach, wie er den ihm Nahestehenden eine Freude bereiten könne. So hat es, sich auch die ,,Weite SBelt'' angelegen sein lassen, ihre Leser durch einen möglichst glänzenden, litterarisch und künstlerich hochstehenden Inhalt ihrer Weihnachtsnummer in rechte Festtagsstimmung zu versetzen.

Von den schönen Gaben der Nummer erwähnen wir vor allem die stimmungsvolle, tief empfundene DichtungArme Seele" von Ernst von Wildenbruch, sowie den Beitrag der gefeierten Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach:Das Blockhaus", zwei längere dichterische Arbeiten von größtem Reiz. Ihnen schließen fich an Dich­tungen von Anna Ritter, Lou Andreas Salome, Otto Julius Bier­baum, Ludwig Fulda und Johannes Trojan, ferner eine hübsche, leben­dige Novelle des Freiherrn von Ompteda, eine lustige Humoreske des Wieners Ed. Pötzl und die feinsinnige Kompsiotion eines Weihnachts­liedes von Arnold Mendelssohn. Der sorgfältigen Textauswahl stehen die Illustrationen, farbige Wiedergaben von Bildern einiger unserer hervorragendsten Meister, ebenbürtig zur Seite; von Böcklin find die GemäldeHerbstgcdanken" und derEinsiedler" ersteres farbig wiedergegebcn, Hans Thoma ist mit einigen Originallithographien, der jüngst verstorbene Leibl mit seinem GemäldeBirkhahnjäger im Herbst" vertreten, Menzel und Paul Meyerheim haben farbenprächtige Aquarelle beigesteuert. Das in einem hübschen Weihnachtsumschag zur Ausgabe gelangte Heft ist zu dem ungemein billigen Preise von 25 Pfg. (Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin) durch alle Buchhand­lungen zu beziehen.

Scherzrätsel.

Nachdruck verboten.

In feine Zirkel bring' ich Glanz Durch Witz, Tournüre, Eleganz. Nimmt man mir Kopf und Fuß auch, doch Hab Kops und Fuß ich immer noch; Ich bin bekannt der ganzen Welt, Dem Büblein wird von mir erzählt. Was ich zum Anschau'n auch erkor, Nie sah's ein Menschenaug' zuvor. Man macht zum Vorwurf mir nur dies, Daß ich mich leicht bethörcn ließ. Nimm wieder Kopf und Fuß, fürwahr! Da bin und bleib ich immerdar.

Mit mir würd' bin ich auch nur klein Ein Marschall ein Prophete sein.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenversteckrätsels in voriger Nummer: Hunger ist der beste Koch.

Briefkasten.

Y 100. EineErbtante" haben die Familienblätter im laufenden Jahrgange nicht zu verzeichnen. D. R.

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Umverfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.