Ausgabe 
18.12.1900
 
Einzelbild herunterladen

722

Der Regulator.

Skizze von IoachimVoß, B-umren.

33 Nachdruck verboten.

Norderney weilte, allerlei praktische Winke und Ratschläge

Ich für meine Person träumte mit offenen Augen und erfreute mich des erfrischenden weichen Wmdes, der von der See her mir ins Gesicht blies.

Plötzlich! mußte ich aufschauen. Em alter. ^welß- haariger Herr im tadellosen schwarzen Gehrock schritt drcht vor unserem Platze über den Strand dahm.

Gang und Haltung des stattlichen alten Herrn kamen mir bekannt vor, und ich! rief unwillkürlich halblaut. r>nM Gottfried!" Der Herr wandte sich. um. Richtig, er war es, unser lieber guter Onkel, Herr Rentier Gottfried Sasse aus L., den wir seit Jahr und Tag nicht mehr ge-

Sie werden den Gefangenen zur Vermeidung unnötigen Aussehens nicht durch das Gastzimmer und über die Straße, sondern hier über den Hof nach dem Polizeigesängnis führen", befahl der Po^Mrat /,Es grebt da eine kleine Verbindungsthur m der Mauer .

Rudolf Sandory lächelte spöttisch - .. .

Darum also wählten Sie für unsere heutige Abendunterhaltung diese überaus gemütliche Wemstube, die so hübsch nahe beim Polizeiamt gelegen ist! Es wird Ihnen am Ende nicht mehr viel an meiner Anerkennung gelegen sein, aber wenn einer von uns berechtigten An- sL-irrh mit den Titel eines Halunken erheben darf, so ^ind Sie es, mein hochverehrter Herr Polizeirat Tauscher

Dann ließ er sWuhig abführen ausrech und elastisch dahinschreitend wie an dem Tage da rn >mnem firmmen Wettermantel vor Herrn <^akob Schwansiugei^ S »»« eSiro" aus dem H-t-I-mmbus g-p-g«»

Auch »"wollt- sich erfrischen und lrastigeu in diesem vormalichen Seebade. Nachdem der Freude des Wieder- Mus aufs lebhafteste Ausdruck gegeben worden war, wurde beschlossen, die Stunden am Strande fortan ge­meinschaftlich zu verbringen und thunlichstauch rm^ Kur^ garten zu dey Nachmittagskonzerten der 40 Mann starten

A zu Effea- Au, di° sch-u°» S-uhwnz°rw im Vorgarten des Konversationshauses, die als Wandet konzertesich großer Beliebtheit erfreuen, verzichtete der Onkel, da er des Morgens gern etwas lange zu schlafen pflegt, was bei seinem Alter, er rst schon <6 ^ahre alt, wohl erklärlich und verzeihliche ist.

Schon am folgenden Tage wurde auch für Onkel Gott- friebetn Strandkorb beschafft. Ich schob denselben. r«l)t° winklicb. an unfern Korb heran, und wir hielten hier m der Folge die gemütlichsten Plauderstündchen, zu denen das abwechselnd laute oder sanfte Rau chen der Wellen s.4p Mniik lieferte, und 6et denen oft neu erworvene Freunde und Bekannte uns Gesellschaft leisteten.

Eines Tags kam die Rede auf das neue bürgerliche Gesetzbuch.' Wir freuten uns dieses wichtigen Fort-

I schrittes in 'der Rechtspflege, und Onkel Gottfried, er aern in Juqenderinnerungen sich erging, erzählte von der wunderlichen Handhabung des Rechts. wie ft-- vor fünfzig Jahren in seinem heimatlichen Fürstentum üblich war, und wie ihm dieselbe einmal einen recht ärgerlichen aVS't.ieOttteine Geschichte mit seinen eigenen -V8VZL- °°n -cht Jahren war. wohnte» meine Eltern in dem Ostseebade Travemünde.

1 schloß Freundschaft mit einem würdigen graubartigen Uhr­macher Namens Wahnschaff, der in unserer Straße, der

I Norderreihe", neben uns wohnte. Er war tn seiner I '^uaend genötigt worden, dies Handwerk zu ergreifen, I nachdem er schon zwei Semester studiert hatte, da er plötzliche Tod seines Vaters ihm die Fortsetzung semes Studiums unmöglich gemacht hatte. . hinf.r

I Er hatte nicht geheiratet und erfreute sich als jovialer I Herr eines großen Freundeskreises, in welchem er nur I mit dem Namen Brüderchen angeredet wurde.

I -ich, war viel bei ihm in seinem Laden, der auch seme I Werkstube bildete und erfreute mich an seinen heiteren I Reden und ebensosehr an den vielen verschiedenen Uhren, die an den Wänden aufgehängt waren. .

I Die größte Bewunderung erregte Bet mir em ziemlich , großer ReSator, über dessen Zifferblatt das Konterfu ; | einer schönen Dame in rotem Reifrock, angebracht war, | w» teöen Stundenschlag mit em em Knrx begleitete.

I Die Zeit verging. Mein Vater wurde ms Bmnen- I sand versetzt, und ich vergaß über den vielen neuen Em- I drücken und den strengeren Anforderungen der Schule bald meinen alten Freund Wahnschaff samt semem ab-

lang^um^n nSe«^ StodS

-Ä.Ä9eiÄ:

n l,pwundert hatte, war bei den außergewöhnlichen

Nebenumständen des F-ll-s

pa nicht von vornherein m ihrer Absicht gelegen y , I würde Dora Norrenberg sich jetzt genotig gefehen haben einen Ort zu verlassen, an dem sie durch ihre vnen- fimbiaen Beziehungen zu dem Verbrecher em Gegenstand I -llg°L°e Wtf« und »«««XEÄS mnrhen war Niemand außer dem alten Proluriilen iyrev verstorbenen Vaters wußte, wohin sie sich begeben Halle und allgemach, wurde dann auch ihr Name tote ihre «eftr Ruthardt aber blieb die Schmach, seinen Sohn vor der Oeffentlichkeit blosgestellt zu sehen, I

bet Dir. Zwinge mich., Dich Zu achten^ und ich;

das Geschehene gern vergessen". . . I

Nureinmal noch sprach bS

SSZWKt hatte Gelegenheit gefunden,. wahEdM 6 h Waaentbür zu offnen und hmauszufprmgen.

7- Ä Z

Vergeltung blieb dennoch, nicht aus.

-vib batte letzten Sommer das herrliche Jnselbad N°-L»"Ä» sMß'MW-ßW llnw hatte in lebhafte Unterhaltung vertieft und erhielt von dieser liebenswürdigen Dame, die schon langer f

so" d GrstnachchchtzehüJ ahr en führte mich der Znfallwieder nach^ravemunda bemßefantlten Uhrmacherladen vorüberkaim bemerkte ich vor demselben ein^großes Ge- dränge und sth erfuhr auf meine Nachfrage, daß mein atterVeunb Wahnschaff kürzlich gestorben sei und heut sein Nachlaß verauktioniert werde.

Ich ging in den Laden hinem, und das erste, wa^ mir lort9 in die Augen fiel, war der Regulator nut der knixenden Dame im roten Reifrock.