Ausgabe 
18.10.1900
 
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wir zum &j}|lun noch ein kleine» Geschäft miteinander machen. Ich habe hier einige russische Papiere, die ich Ihnen zum Tageskurse verkaufen tvill. Sie haben wohl die Güte, Ihren Kassierer mit der erforderlichen Anweisung zu versehen".

Er hatte die Effekten aus der Tasche seines Ueber- roaes genommen, und sie Franz Norrenberg mit lässiger Handbewegung überreicht. Ratlos und unentschlossen blickte der Bankier zuerst auf die bedruckten Blätter und dann auf das Gesicht Scmdorys.

Nun?" meinte dieser etwas ungeduldig. Muß ich.Ihnen erst sagen, daß diese Obligationen so gut sind wie bares Geld?"

Das weiß ich Wohl. Aber können Sie mir auch ver­sichern, daß sie daß uns keine Ungelegenheiten aus dem Kaufgeschäft erwachsen werden? Sie verstehen sicher­lich, ivie ich das meine".

Gewiß, ich verstehe vollkommen. Sie dürfen ganz ruhig sein. Die Nummern dieser Stücke stehen auf keiner polizeilichen Fahndungsliste, ich würde sie sonst wahr­scheinlich anderswo versilbern, als gerade bei Ihnen".

Mit einem Seufzer öffnete Norrenberg die Thür und rief hinaus:Auf einen Augenblick, Herr Ruthardt, wenn ich bitten darf!"

Esu etwas bleicher und schmächtiger junger Mann mit feinem, bartlosem Gesicht erschien auf der Schwelle.

Gehen Sie damit zum Kassierer, und lassen Sie die Obligationen zum Tageskurse in Reichskassenscheine um­wechseln. Verkäufer ist Herr Rudolf Sandory."

Der junge Mann entfernte sich mit den Papieren. Sandory aber fragte:Ruthardt heißt dieser Jüngling? Vielleicht ein Verwandter des gleichnamigen Arztes?"

Ja sein Sohn! Er arbeitet seit einem halben Jahr als Volontär in meinem Kontor. Aber woher in aller Welt kennen Sie denn den Doktor?"

Ich kenne ihn noch nicht, aber ich habe den leb­haften^ Wunsch, mir dies Vergnügen zu verschaffen".

Das sollten, ©ie bleiben lassen! Doktor Ruthardt ist ein Mann, dem Sie viel besser aus dem Wege gehen".

Weshalb? Steht er in schlechtem Rufe?"

Im Gegenteil! Er gilt mit vollem Recht für einen Ehrenmann von unantastbarer Reinheit des Charakters. Aber er gehört nicht zu der Gattung der sogenannten ,guten Kerle'. Sein Scharfblick ist hier schon manchem ver­hängnisvoll geworden, und es giebt viele, die mit Schrecken an seine unbarmherzigen Rücksichtslosigkeiten denken; denn er ist ein Fanatiker der Wahrheit und hegt einen leidenschaftlichen Haß gegen jede Art von Heuchelei".

Vortrefflich, ein Mann ganz nach meinem Herzen. Aber bei solchen Charaktereigenschaften ist es eigentlich merkwürdig, daß er aus seinem Sohne gerade einen Börsianer machen will".

Das war ursprünglich auch nicht seine Absicht. Der junge Mann hatte sich auf seinen eigenen Wunsch dem Studium der Medizin gewidmet, als ihn aus Anlaß einer Studentenaufführung eine so unsinnige Leidenschaft für die Schauspielkunst erfaßte, daß er darauf und daran war, zum Theater zu gehen. Der Vater mußte seinen ganzen Einfluß aufbieten, es zu verhindern, und ich glaube wohl, daß es .damals sehr harte Kampfe Zwischen den beiden gegeben! hat. Der junge Ruthardt verfiel in eine schwere Krankheit, und als' er genesen war, erklärte er, unter keiner Bedingung zu seinem Studium znrückkehren zu können. Warum er sich dann gerade für den Kaufmanns­stand entschieden hat, weiß ich nicht. Aber ich! habe jeden­falls keinen Anlaß, es zu bedauern; denn er ist ein ge­wissenhafter und tüchtiger Arbeiter, der mir bereits voll­auf einen Buchhalter ersetzt".

Und der Doktor? Er hat keine Kinder außer diesem Sohne?"

Doch! Er Hai außerdem noch eine Tochter. Aber es ist merkwürdig, welches Interesse Sie an dieser Fa­milie nehmen".

Man unterrichtet sich doch gern ein wenig über die Leute, mit denen man künftig leben soll. Eine Tochter sagten Sie? Und wie alt?"

Sie mag zwischen siebzehn und achtzehn sein doch dc» ist Ihr Geld, Herr Sandory. Wollen Sie die Güte

haben, tu nachzuzählen und mir daun btt Ordnung Halber diese Quittung zu unterschreiben?"

Rudolf Sandory steckte das ganze Bündel von Kass«t- scheinen achtlos in die Tasche.

Ich denke, es hat wohl seine Richtigkeit. Aber die Quittung müssen Sie natürlich haben. Geben Sie mir eine Feder!"

Er setzte mit raschem energischem Zuge seinen Namen auf das Blatt und reichte es dem jungen Ruthardt zurück, der in der Thür darauf gewartet hatte. Dann schüttelte er Franz Norrenberg kräftig die Hand und ging mit einem fröhlich klingenden:Auf Wiedersehen morgen mittag!" von dannen.

(Fortsetzung folgt.)

Renatus Karl Freiherr von Senkenberg.

Zum 18. Oktober 1900.

Nachdruck verboten.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1800 herrschte in unserer Stadt eine schlimme Blättern-Epidemie, die noch in die ersten Monate des nächsten Jahres hinübergriff und große Opfer an Menschenleben, besonders in der Kinder- welt, forderte. Unter den Erwachsenen traf die Sense des Todes Renatus Karl Reichssreiherrn von © e n f e n & e r g, der im kräftigen Mannesälter von 49 Jahren am 18. Oktober von der verheerenden Krankheit dahingerafft und um 21. desselben Monats zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Wenige Wochen vorher, am 1. Ok­tober, hatte er seine einzige Tochter Sophie, die Gattin des Rittmeisters von Buseck, die im Alter von 23 Jahren der gleichen Krankheit zum Opfer gefallen war, zu Grabe geleitet. Es war der letzte große Schmerz seines von trüben Erfahrungen nicht freien Lebens^

Wie bekannt, hat Senkenberg in seinen letzten Willens­verordnungen seine reiche Bibliothek von 15 000 Bänden, sein Hans und 10000 Gulden der Universität vermacht. Die hundertste Wiederkehr seines Todestages wird daher von der Universität durch eine besondere Festschrift ge­feiert werden, in der der Stifter als Gelehrter und zweiter Begründer der Universitäts-Bibliothek gewürdigt werden wird. Wir wollen in diesen Blättern zu seinem Gedächtnis nur einen Blick ans sein Leben werfen und dabei sehen, welche Beziehungen ihn und seine Familie mitunseremLandundbesondersmitunserer Stadt verknüpft haben.

Karl Renatus Senkenbergs Urgroßvater war aus Troppan in Oberschlesien in Friedberg eingewandert, wo er sich als Apotheker niederließ, und obgleich Fremder, im Laufe der Zeit in den Rat, später sogar zum zweiten Bürgermeister gewählt wurde. Auch feine Söhne wurden in der Folge Schöffen und Ratsmitglieder; der zweite Sohn, zugleich Physieus ordinarius der Stadt, legte 1688 seine Friedberger Aemter nieder und siedelte nach Frank­furt a. M. über. Als er int Jahre 1703 zum zweitenmal heiratet, findet die Hochzeit in Gießen statt, wo die Mutter der Brant in zweiter Ehe mit dem Professor der Theologie Johann Heinrich Mai lebte und ihre Schjwester die Gattin des Kanzlers Grolmann wurde. Diesen ver­wandtschaftlichen Beziehungen verdankte es Heinrich Christian, der älteste Sohn des Frankfurter Physikus und Vater Karls Renatus', daß er schon in seinem dritten Lebensjahre dem schlimmen Einflüsse seiner Mutter, die als Typus einer Megäre geschildert wird, und den uner­quicklichen Verhältnissen des Vaterhauses entzogen wurde und unter die Obhut seiner Großmutter nach Gießen kam. Hier verbrachte er unter der Leitung des hochgebildeten Mai seine Jugend bis zum 18. Lebensjahre. Seinen Unter­richt erhielt er zuerst durch Privatlehrer, sodann in der Stadtschule und seit 1713 int fürstlichen Pädagogium. Sechs Jahre später bezog er die Universität, an der er bis 1724 Jurisprudenz studierte. Nahe daran, in dem wüsten Treiben Gießener Studenten unterzngehen, wurde er von seinem Oheim, dem Kanzler Grolmann, vor diesem Unglück bewahrt. Sein Fleiß und seine Tüchtigkeit, durch die er sich nachher auszeichnete, fanden nach der öffentlichen Ver­teidigung einer von ihm verfaßten staatsrechtlichen Schrift dadurch Ausdruck, daß ihm die Universität die Doktor-

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