Ausgabe 
18.9.1900
 
Einzelbild herunterladen

530 -

daß es MW, nur ein einziges. Wort tostet. Dich und ihn zu verderben?"

Bist Du einer solchen Schandthat fähig, so thue, ivozn es Dich treibt . Hoffentlich vergissest Du nicht, daß Tu damit zugleich auch Dich selbst verrätst."

Meine Schuld ist verjährt, und schon um des Ver­dienstes willech der strafenden Gerechtigkeit einen so ge­fährlichen Verbrecher ausgeliefert zu haben, würde mir der König ganz gewiß, verzeihen. Und wenn er es nicht thäte nun, so wäre mir selbst eine Strafe vielleicht kein zu hoher Preis für eine gewisse lang ersehnte Ge- nugthuung."

Für die Genugtuung, an Deinem edelmütigen Retter wie ein Schurke gehandelt zu haben! Ah, wenn ich es nicht aus Deinem eigenen Munde hörte, ich würde nimmermehr daran glauben, daß eines Menschen Herz so viel Schlechtigkeit bergen kann."

Warum nur Schlechtigkeit, Elisabeth? Hast Du wirk­lich noch nicht erraten, daß mein Herz von ganz anderem erfüllt ist, als von niedriger Bosheit, daß nur die Ver­zweiflung und der heilige Zorn verschmähter Liebe mich zum äußersten treiben würden? Wenn ich jetzt hingehe, diesen Major zu verraten, so bin nicht ich der Urheber seines Verderbens, sondern Du bist es Du allein. Denn in Deine Hand ist es gegeben, ihn zu retten. Ich leugne nicht, daß ich ihn hasse, so wie er mich gehaßt hat an dem Tage, da er mir zur Flucht verhalf. Aber ich will nicht undankbar sein. Ich will für ihn thun, was er für mich gethan hat. Unetkannt und ungefährdet foll er Lasdehnen verlassen. Ich bin bereit, wie ein ehr­licher Mann meine Rechnung mit ihm zu begleichen."

Wenn das Deine Meinung ist, Franz, wenn ich Dir unrecht gethan hätte"

Laß wich zuvor ausreden; denn ich war noch nicht zu Wnde. Weil ich nicht aus Liebe zu ihm seinen Retter machte, thäte ich es auch nicht umsonst. Aber ich fordere keinen höheren Preis, als er ihn damals begehrte. Das ist nur gerecht und billig. Auch der strengste Sittenrichter kann deshalb keinen Vorwurf gegen mich erheben."

Und wenn ich Dir nun schwöre, daß er nichts ge­fordert hat, nichts, als er sich für Dich zum -Opfer brachte, würdest Du auch dann noch daran denken, sein Leben zum Gegenstand eines schimpflichen Handels zu machen?"

Er ging vielleicht etwas weniger aufrichtig zu Werke als ich, das ist der ganze Unterschied zwischen ihm und mir. Den Preis, den Du ihm so bereitwillig entgegen­brachtest, brauchte er allerdings nicht erst zu fordern. Ist es meine Schuld, wenn Du Dich gegen mich so viel weniger großmütig und freigebig zeigst?"

Das faunische Lächeln auf seinem widerwärtigen Ge­sicht flößte Elisabeth einen unsäglichen Ekel ein.

Kommen wir zum Ende !Was ist es, das Du für Dein Schweigen begehrst?"

Was ich begehre? Dich!"

Er stand an ihrer Seite und streckte den Arm aus, sie tzn umfassen. Aber sie stieß ihn zurück, daß er taumelte, und er fühlte mit heiß aufsteigendem Jngrimme, daß sie stärker war als er.

Rühre irnich nicht an, oder ich rufe die Soldaten zu meinem Schutze herbei, und lasse Dich in Fesseln legen wie -einen Dieb. Du mußt wahnsinnig sein, wenn Du auf eine andere Antwort hoffen konntest, als auf die, daß ich- Dich jetzt nur noch tiefer verachte denn zuvor. Um solchen Preis will der Major so wenig gerettet fein, als ich ihn um solchen Preis zu retten vermöchte. Tausendmal eher will ich -mit ihm sterben."

(Fortsetzung folgt.)

Berühmte Frauen.

Von Friedrich Thieme.

Nachdruck verboten.

In einer Zeit, in welcher die Frauenbewegung eine so bedeutsame Rolle spielt, erscheint die Frage von In­teresse, welchen Anteil die Frau von dem- größeren Hervortreten des weiblichen Geschlechts in den letzten 30 bis 40 Jahren ganz abgesehen eigentlich an der Kultur- thätigkeit gemeinhin gehabt hat. Wollen' wir uns mit

einer allgemein gütigen Antwort begnügen, jo muß die­selbe dahin lauten, daß die Frau überall und zu allen Zeiten des Mannes redliche Mitarbeiterin gewesen ist; nicht nur in zivilisierten Ländern, wo die Frau als des Mannes gleichberechtigte Gefährtin gilt, sondern auch dort, wo man sie lediglich als Sklavin und Dienerin betrachtet. Hier wirkt sie segensreich als Verwalterin des Hauses und Er­zieherin der Kinder, dort ist sie die schwergeplagte Trä­gerin der physischen Arbeit, das Lasttier des Mannes immer aber finden wir sie in reger kulturfördernder Thä- tigkeit, mit alleiniger Ausnahme der Staaten, in denen Vielweiberei herrscht, und wo, besonders in den Kreisen der Vornehmen und Reichen das Weib zum bloßen Vergnü­gungsgegenstand herabgesunken ist.

Zu einem anderen Resultat gelangen wir, sobald wir der Frage tiefer auf den Grund gehen und den Anteil der Frauen an den besonders hervorragenden Leistungen der Menschheit zu ergründen suchen. Die allgemeine Arbeit am sausenden Webstuhl der Zeit hat ja hauptsächlich die Erhaltung des Bestehenden zum Zwecke, während die Ent­wickelung zu höheren Kulturstufen durch die besonderen Verdienste und Thaten ausgezeichneter Geister herbeige­führt wird, die durch ihr Genie oder Talent ihren Menschen- brüdern neue Wege zeigen und dem Fortschritte der Mensch­heit als Apostel dienen. Inwieweit nun finden wir die Frauen unter diesen Aposteln der Menschheit, den Genies und Talenten, den Erfindern, Entdeckern, Gelehrten, Künstlern usw. vertreten? Oder vielmehr, inwieweit waren sie bisher unter ihnen vertreten, bevor die neue Bewe­gung neue Ideale in einem Teil ihrer Herzen pflanzte? Denn letztere selbst ist noch zu sehr im Werden begriffen, als daß wir sie für unsere Zwecke bereits in Betracht ziehen könnten.

Da drangt sich uns denn die zunächst unerwartete Er­kenntnis auf, daß die Zahl der berühmten Frauen gegen­über jener der berühmten Männer eine außerordentlich kleine ist wir sagen zunächst; denn bei näherer Betrach­tung finden wir leicht die Erklärung für diese anscheinend so befremdliche Erscheinung, durch welche durchaus nicht etwa, wie mancher denken könnte, die geringere Bedeutung des weiblichen Geschlechts bewiesen wird. Doch halten wir uns zuvörderst an das tatsächliche Material. Verfasser dieser Skizze hat es versucht, eine Antwort auf obige ihn interessierende Frage zu finden, in einer ihm vorliegenden Aufstellung sämtlicher Berühmtheiten der Welt seit Adam, von einem Ungenannten nach Stand und Beruf geordnet und mit kurzen biographischen Notizen versehen, unter den verzeichneten 4486 berühmten Personen diejenigen weib­lichen Geschlechts herauszusuchen, und fand zu seinem Erstaunen als Ergebnis, daß die Zahl derselben nur 184 betrug, also nur etwas über 4 Prozent. Nimmt man auch an, daß der Zufammensteller manchen Namen weggelassen hat, so macht das im Ergebnis nicht viel ans; denn hundert berühmte Frauen mehr würden noch immer nicht viel be­deuten, und außerdem befinden sich unter den 184 noch eine ganze Anzahl, die sich- einer nur leidigen Berühmt­heit erfreuen, das heißt, sich nicht durch hervorragende Leistungen und Tugenden auszeichneten, sondern aus an­deren Gründen Ruf erlangt haben, fei es durch! besondere Schönheit (wie Paula de Vigniers, Ninon de Lenelos usw.), oder durch besonderes Unglück, wie Maria Stuart, Johanna Gray, oder durch schwärmerische Verherrlichung berühm­ter Dichter, wie Bürgers Molly, Goethes Friederike, Frau von Warens, Heloise, Laura, Beatrice, Therese Levasseur, Christiane Vulpius, Hölderlins Diotima usw., oder als berühmte Selbstmörderinnen, wie Henriette Vogel und Charlotte Stieglitz.

Zunächst wird es interessieren, die Verteilung dieser geringen Prozentzahl auf die einzelnen Berufe und Ma­terien kennen zu lernen. Unsere Statistik weist auf: Be­rühmte Fürstinnen 73, Schriftstellerinnen 34, Schauspieler­innen 24, Sängerinnen 17, Staatspersonen 12, Heilige 6, Tänzerinnen 5, Historikerinnen 2, Kriegerinnen 2, Maler­innen 2, Reisende 2, Virtuosinnen 1, Erfinder 1, Astro­nomen 1.

Wie aus den angeführten Zahlen hervorgeht, hat unser Zusammensteller sich bestrebt, nur durch wirklich hervor­ragende Leistungen bekannte Persönlichkeiten herauszu­greifen, daher erscheint es um so bemerkenswerter, daß