Ausgabe 
18.9.1900
 
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fie Vorsicht geht zu sacht, Die Zuversicht zu keck; Vorsicht mit Zuversicht Vereint gelangt zum Zweck. Rückert.

Wer sich nicht bückt, der ackert schlecht. Sprichwort.

(Nachdruck verboten.)

Geächtet.

Roman von LotharBrenkendorf.

(Fortsetzung.)

Gerade in diesem Moment schlug wieder jenes qual­erpreßte, schauerliche Stöhnen an ihr Ohr, das sie soeben in den oberen Zimmern vernommen. Aber es kam nicht aus der zerschossenen Brust des Wachtmeisters, wenn­gleich sie es so deutlich gehört hatten, als müsse sich der Aechzende durchaus in dem nämlichen Raume befinden.

Was ist das?" fragte der Major.Giebt es denn hier unten noch einen anderen Kranken?"

Auch Elisabeth war im ersten Augenblick heftig er­schrocken zusammengefahren, dann aber erinnerte sie sich, daß man ihr gesagt hatte, der im Walde aufgelesene Tagelöhner Jakubeit sei in einem Verschlage neben dieser Kammer untergebracht, und sie klärte Sixtus über die Herkunft des rätselhaften Stöhnens auf.

Wir sind nur durch eine dünne Bretterwand von ihm getrennt", fügte sie hinzu.Aber ich werde Befehl geben, daß man ihn anderswohin bringt, damit Dein Kamerad diese unheimlichen Laute nicht länger zu hören braucht".

Doch der Major ließ es nicht zu, daß sie ihre Ab­sicht zur Ausführung brachte.Mein Wachtmeister hört das Stöhnen jenes so Unglücklichen so wenig, als er Deine liebe Stimme hören könnte. Und mir flößt es kein Ent­setzen ein. Der Krieg hat mich an Schlimmeres und Grausigeres gewöhnt."

Nach einer Weile wurden die Klagetöne denn auch seltener und schwächer. Sixtus aber mahnte Elisabeth an ihr Versprechen und drängte sie liebevoll, zu gehen, damit ihr langes Verweilen bei ihm den Hausgenossen nicht verdächtig werde. Schweren Herzens entschloß sie sich end­lich zu gehorchen.

Wohlan, ich gehe. Aber ich komme zuruck, kvenn alles im Schlafe liegt, und wenn ich einen Weg zur Flucht für Dich ausfindig gemacht habe. Vertraue auf Mich, Geliebter, wie ich auf die Hilfe des Allmächtigen

vertraue, der uns nicht verlassen wird, nachdem er Dich bis zu diesem Augenblick so wunderbar beschützt hat."

Zärtlich küßte der Major ihre Lippen. Aber er hatte keine Erwiderung auf ihre letzten, hoffnungsvollen Worte, und als er dann leise die Thür hinter ihr geschlossen, sagte er, an das Lager des sterbenden Wachtmeisters zurückkehrend, voll schmerzlicher Bitterkeit vor sich hin: Warum sollte ich es ihr offenbaren, daß Dieser kommende Tag mein letzter ist? Die Gewißheit, denke ich, kommt ihr immer noch früh genug."

Achtzehntes Kapitel.

Als Elisabeth sich anschickte, die Schwelle ihres. Zimmers zu überschreiten, fuhr sie mit einem Aufschrei des Schreckens und der Entrüstung zurück, denn aus der Fensternische hervor trat eine lange, hagere Gestalt, die Gestalt ihres Vetters Franz von der Röcknitz.

Was thust Du hier!" rief sie, jede Gefahr vergessend, mit zornblitzenden Augen.Wie durftest Du es wagen, dieses Zimmer zu betreten?"

Aber der herrische ToN hatte seine einschüchternve Wirkung auf den ehemaligen Verwalter verloren. Mit einem Lächeln, das ihr Blut erstarren machte, kam er noch näher auf Elisabeth zu.

Wozu die Aufregung? Ist es doch nicht das erste­mal, daß wir uns in dieser Weise unterhalten. Und daß heute die Rollen anders verteilt sind wie damals jnun, ich muß gestehen, daH ich keineswegs böse dar­über bin."

Nichtswürdiger ! Hinaus oder ich lasse Dich mit Peitschenhieben von meinem Hofe jagen."

In der That? Hast Du so freundliche Absichten gegen den Mann, der Dir das Leben gerettet hat? Und gedenkst Du vielleicht den Herrn Major Sixtus von Plothow (mit der Ausführung dieses liebevollen Befehls zu detrauen?"

Als hätte man ihr selbst einen betäubenden Schlag versetzt, wich Elisabeth vor ihm zurück.Was heißt das?" stammelte ijte.Ich verstehe Dich nicht. Wie kommst Du auf diesen Namen?"

Ja, hieltest Du mich denn für so blind, daß id) Deinen Freund nicht wieder erkennen sollte, nur weil er in einer Verkleidung kam und sich einen russischen Namen beigelegt hatte ? Nein, Teuerste, meine Augen sind glücklicherweise noch ebenso gut als mein Gedächtnis, und ich hin kein Hausnarr wie dieser Leutnant, daß ich mir eine so plumpe Komödie verspielen ließe."

Wem wäre es auch der Mühe wert, das zu ver­suchen? Glaube, was Du willst, wen sollte es kümmern?"

Du meinst also noch immer, in diesem Tone mit mir reden zu dürfen? Noch immer, obgleich Du weißt,