Ausgabe 
18.2.1900
 
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anderes, als das fade Bier. Plötzlich fühlt er eine gewisse Müdigkeit in den Kniekehlen, eine Art Schwindel. Ach was, ein Mann darf sich durch so was nicht beeinflussen lassen. Die Zähne aufeinander gebissen, ein Glas Sekt zur Stärkung, und es wird weiter gewalzt. Richtig, es geht brillant. Aber plötzlich kommt der Anfall wieder; Bruno unterhält sich gerade mit Lotte Bermath. Man will eben von dem interessanten ThemaGas" auf das ThemaFußboden" übergehen, da bricht Bruno plötzlich ab. Mühsam schleppt er sich auf einen Stuhl. Alles dreht sich vor seinen Augen: der Saal, die Menschen, die Möbel. Er hat das Gefühl, ein Pfropfenzieher arbeite in seinem Innern, zugleich legt sich eine schwere, eiserne Hand an seine Kehle. Er kann kein Glied mehr rühren, keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nur das empfindet er mit Bestimmtheit, daß etwas Schreckliches, unsagbar Furcht­bares herannaht. Da, in der höchsten Not kommt Rettung. Frau Landrat Bunhardt hat den Armen erspäht, und mit dem feinen Takt, wie er gebildeten Frauen eigen ist, kommt sie ihm zu Hilfe.Wer lieber Herr Berger, Sie sehen ja ungemein blaß aus. Sie sind gewiß von der Reise ein wenig angegriffen. Wenn ich Ihnen einen Vorschlag machen darf, legen Sie sich einen Augenblick, nur einen kleinen Augenblick hin, und tanzen Sie dann mit frischen Kräften weiter". Mechanisch nimmt Bruno den Arm der gütigen Frau. Mechanisch folgt er ihr. Was dann geschah, hätte er nicht sagen können. Als er nach einigen Stunden aus einem wohlthätigen Schlaf erwacht, ist es einhalb vier Uhr morgens. Bruno liegt auf einem bequemen Sopha, auf dem Tisch daneben steht eine geöffnete Flasche Selters­wasser und eine Flasche Eau de Cologne. Musik ver­nimmt er nicht mehr, dagegen tönt ein dumpfes Grollen, wie das Brausen des Bieres an sein Ohr. Die Gesell­schaft ist eben im Begriff aufzubrechen.

So endete Brunos erster Ball.

Die Kunst des Plauderns.

Nachdruck verboten.

Das leichte, anmutige Plaudern ist eine Kunst, welche in der Gesellschaft hoch geschätzt wird. Jeder, der nicht von der gütigen Mutter Natur diese Gabe empfangen, sollte daher bestrebt sein, sich dieselbe, wenn auch in be­scheidenem Maße anzueignen. In gefälliger Weise zu plau­dern, verlangt nicht nur Kenntnisse und Taktgefühl, son­dern vor allen Dingen Sicherheit in den Formen des guten Tones. Das Plaudern ist weder eine gelehrte Rede, nvch Schwatzhaftigkeit, noch leeres, oberflächliches Gespräch. Echte Plauderei weiß dem unscheinbarsten Thema Reiz zu verleihen. Sie erschöpft kein Thema vollständig, sondern springt in leichter graziöser Weise von einem Gegenstand zürn andern über. Aus einer leicht hingeworfenen Be­merkung greift sie eine Idee heraus und spinnt daran den Faden der Unterhaltung geschickt weiter. Echte Plauderei ist verständig, harmlos geistreich und immer anziehend. Wer die Kunst des Plauderns versteht, der wird nie a II e in die Unterhaltung führen wollen und nur seinen Geist und Witz leuchten lassen, sondern unbemerkt alle Anwesenden! anregen und mit in die Plauderei hineinzieheu. Das ist echtes Plaudern! E. Friedel.

GeMeinnAtziges.

Durch Schaden wird man klug! Sellerie, Mohrrüben und ähnliche saftige Wurzelgemüse zeigen zum Schaden und Aerger derer, die sie überwintert haben, ge­rade jetzt häufig Fäulnisflecke, und sind zum Genüsse oder Verkauf unbrauchbar geworden. Es braucht dies nicht nur an einem ungesunden, feuchten Aufbewahrungsraum zu liegen, wenn auch -ein trockener, luftiger, gleichmäßig kühler und Heller Raum natürlich dringend erforderlich ist. Aber mit Recht erinnert der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau daran, wie verbreitet die Unsitte ist, solchem Wurzel-Gemüse vor dem Winter-Einschlag den Blätterschopf und die Krone der Wurzel abzuschneiden, und damit die Wachstumsfähigkeit der Gemüse, das beste

Schutzmittel gegen Fäulnis, zu vernichten! Solche Gemüse müssen mit Blättern und Wurzeln in die Winter-Auf­bewahrungsräume gebracht werden.

KefundheiLspffege.

Airgenpflege. Zar Erhaltung der Augen, dieses edlen Organs, sind folgende Vorsichtsmaßregeln zu beachten: 1. Man verrichte keine feinen Arbeiten bei zu schwachem Lichte, während der Dämmerung oder gar im Mondschein. Ebenso vermeide man zu starkes Licht und bringe z. B. die Lampe dem Auge nicht zu nahe. 2. Beim Lesen, Schreiben re. sollte das Auge stets ungefähr 30 Centimeter weit vom Arbeitsgegenstand entfernt sein. Die Platte eines Schreib­tisches sei nicht wagrecht, sondern am besten geneigt (pultartig). 3. Wenn möglich, nehme man bei feineren Arbeiten, wie auch beim Schreiben, eine solche Stellung ein, daß das Licht von der linken Seite her auf den Gegenstand, also der Schatten der Hand nach der rechten Seite hinfällt. 4. Da zu starkes Licht immer schädlich für das Auge ist, lasse man Kinder nicht in die Sonne oder das Lampenlicht starren. Das Sonnenlicht falle auch nicht auf die Arbeit, mit welcher man sich beschäftigt. Rascher Wechsel von Helle und Dunkel­heit $ dem Auge ebenfalls nicht zuträglich. 5. Das Licht sei ruhig, nicht flackernd. Lesen beim Gehen und Fahren ist zu anstrengend für die Augen, ebenso längeres Lesen allzu feinen Druckes. 6. Das Auge bedarf der Ruhe wie andere Organe des Körpers. Beginnen z. B. beim Lesen die Augen zu schmerzen, so lasse man sie ausruhen und setze erst nach einer Pause die Lektüre fort. 7. Zu vermeiden ist fortgesetztes Hinausschauen aus dem Fenster der Eisen­bahnen ; das zu rasche Vorbeifliegen der Gegenstände schädigt die Sehkraft. 8. Beim Fahren ist es für das Gehirn sowohl als für das Auge zuträglich, wenn das Gesicht der Gegend zugerichtet ist, nach welcher hin sich der Wagen bewegt. Das Auge soll sich dem Gegenstände nähern, welchen es vor sich sieht, nicht sich von demselben entfernen. Das ist auch be­achtenswert bei Kindern, welche im Wagen gefahren werden.

Vermischtes.

Die Alkoholprovnktior» in England und Amerika. 152V« Millionen Pfand Sterling hat im verflossenen Jahre das eng­lische Volk für Spirituosen ansgegeben. Die Temperenzler finden die Ziffer ans moralischen und hygienischen Gründen erschreckend. Die sozialistischen Blätter auch, aber aus einem anderen Grunde: Sie sagen, in keiner Industrie würden so schlechte Löhne bezahlt wie in der der Erzeugung alkoholischer Getränke, und die Ziffer wäre deshalb so er­schreckend, weil auf die arbeitenden Klassen, die nicht nur durch ihre Arbeit jene Summe schassten, sondern anch als Konsumenten sie auf diese Höhe brächten, noch nicht ein Viertel davon als Gewinnanteil entfiele, die Brauer und Destillateure aber mehr als drei Viertel in ihre Taschen steckten. In den Vereinigten Staaten hat die letzte Zählnng 1924 Etablissements für die Produktion aller Arten spiritnoser Getränke ergeben, die ein Gesaintkapita! von 269 270 249 Dollars darstcllten und einen Ertrag von 28 977 639 Dollars hatten. Da das zur Fabrikation verwendete Material nur 80 230 532 Dollars kostete und an Löhnen für 41425 in dieser Industrie beschäftigte Persouen 31 678 166 Dollars gezahlt wurden, so haben die 1924 Betriebe einen Gewinn von 177 866 941 Dollars gehabt. Durchschnittlich kommt hier auf den Angestellten ein Jahresverdicnst von 765 Dollars.

Charave.

Nachdruck verboten.

Wie schön und herrlich!" so wird oft das Erste Durch Dichters Lied gepriesen und besungen.

Und wenn bei Sturmestoben endlich naht das zweite, Ist froh der Ruf:Dem Himmel Dank!" erklungen.

Sobald sich mit einander Eins und Zwei verbinden, Wirst du im schönen Süden als Stadt das Ganze finden. P.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummer: Mund Ilias Leid Leder Oder Eber Celle Korn Elster Riese;

Millöker.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.