Nachdruck verboten.
Heimatlos.
Roman von R. P. Roe.
(Fortsetzung.)
Arnolds Familie war verwundert über sein Wesen. Er lehnte es ab, nach einem der vornehmen Badeorte zu reisen, und seine Elterir zögerten daher, ohne ihn abzureisen, aus Furcht, daß er in ihrer Abwesenheit Thorherten machen könnte. Sie fühlten, daß sie die Sache irgendwie zu Ende bringen mußten, -wußten jedoch keinen Rat, da sie ihm in keiner Beziehung ettvas vorwerfen konnten. Zuletzt unternahm es ohne ihr Wissen ein älterer Bruder, das Problem zu lösen. Er war ein Mann der Welt, deren Gebote er pünktlich befolgte.
Arnold, sagte er eines Tages, was für. Rarrheiten machst Du in dieser Geschichte! Ich habe Deine Flamme gesehen und gestehe, daß sie reizend ist! Du hast Geschmack bewiesen, aber an praktischem Verstand fehlt es Dir. Mädchen in ihrer Lage nehmen es nicht so genau mit den Bedingungen, wenn sie ihre Umstände bedeutend verbessern können. Du hast Geld genug, um sie wie eine Prinzessin
Entrüstet erwiderte Arnold seinem Bruder, er kenne Mildred gar nicht. ..
O, j,ch kenne die Frauen, erwiderte der andere, ich habe mehr vergessen, als Du gekannt hast.
1900.
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ÄÄ^bnig, wenig begehr' ich im Leben, Wenig, wenig und doch so viel! jl:«- Gütige Götter, wollet mir's geben
Bis an all meiner Tage Ziel.
Rüstige Hand zu jeglichem Werke, Das die Stunde mich schaffen heißt, Frischen Mut nnd freudige Stärke, Klare Stirne und klaren Geist!
Allen den Meinen, groß und kleine, Rosige Wang' und ein lachend Äug', Feuer am Herde, Brot im Schreine Und ein Tröpfelein Wein im Schlauch!
Frieden im Haus und im Herzen Frieden Und ein klingendes Saitenspiel!
Wenig, wenig begehr ich hienieden, Wenig, wenig und doch so viel.
Adolf Schults.
Die böse Saat keimte rasch auf.
'Das Verhältnis, dachte Arnold, würde anders sein, als sein Bruder riet, heiliger und fester bindend, als eine Heirat. Seine Charakterschwäche machte ihn sehr geneigt, diese Lösnng als die beste unter den gegenwärtigen Umständen anzusehen. Er zweifelte mit Recht daran, daß er jemals im stände sein werde, sich unabhängig zu machen. Er war systematisch zur Schwachheit erzogen worden, und seine kalte, hochmütige Zurückhaltung war nur geheime Furchtsamkeit. Wenn seine Siebe zu Mildred günstig ausgenommen worden wäre, so wäre sein Schicksal ein anderes geworden, sie hätte in zärtlichster Weise seine verkümmerte Männlichkeit entwickelt, und der Erfolg wäre Glück für sie beide gewesen.
Mildred, sagte Arnold an einem sternhellen Abend, fragst Du viel nach der Meinung der Welt?
O nein, Arnold, ich habe mich nie darum gekümmert, ich bin wie die gute Mama, ihr Haus war ihre Welt.
Mir liegt nichts an der Welt, sagte er mit Ungestüm, ich hasse sie sogar, ich habe sie immer öde und rauh gefunden, mein Herz sehnt sich nach der süßen Ruhe und Abgeschiedenheit eines solchen Heims, wie Du es schaffen würdest, Mildred! Jetzt habe ich kein Heim, ein hohler Eisberg könnte nicht kälter und freudloser sein, als der Ort, wo ich mein Leben zubringe. Auch Du hast kein Heim! Nur in flüchtigen Augenblicken können wir miteinander aussprechen, was in unfern Herzen liegt, in beständiger Furcht vor Unterbrechung.
Fortgerissen von seinen Gefühlen, von seiner Sehnsucht begann er, dem Mädchen, dessen Kopf vertrauensvoll an seiner Brust ruhte, den Lebensplan auszumalen, den er so verlockend fand.
In ihrer Unschuld und Treue verstand sie ihn anfangs kaum, plötzlich aber erhob sie den Kopf, und sah ihn in wildem Erstaunen an.
Was? sagte sie zitternd, keine Heirat? Mister Went- worth und Robert Atword sollen nicht zugegen sein?
Kein Geistlicher könnte unseren Bund heiliger machen, als er ohnedies für mich wäre, erwiderte er, und sobald die Hartnäckigkeit meiner Eltern —
Sie sprang auf und rief leidenschaftlich: Eher wollte ich sterben, als eine Schamröte auf Robert Atwords Miene bringen!
Dann sank sie mit einem unüberwindlichen Ausbruch vou Kummer in ihren Stuhl zurück. Er suchte sie zu beruhigen, aber sie war taub und stieß ihn zurück.
O, o! seufzte sie. Ist das der einzige Lohn für meine
Mildred, bat er, Du wirst mich töten, wenn Du Dich nicht beherrschen kannst! Ich will alles thun, was Du sagst, und bin mit allen Bedingungen einverstanden. Habe Mitleid, oder ich muß sterben!


