Nachdruck verbalen.
Heimatlos.
Roman von R. P. Roe.
(Fortsetzung.)
XIII.
Bella und Mildred.
So begann ihr Leben in dem alten Hause.
Bella und ich dürfen nicht länger müßig fein, sagte Mildred entschlossen am folgenden Tag. Ich werde einen Versuch machen, die Arbeiten zu verkaufen, die ich auf dem Lande angefertigt habe, und neue Bestellungen zu erlangen. Meine große Hoffnung ist, zu Hause arbeiten zu können, ich wünschte, ich könnte eine Lehrerin sein, aber wie alle anderen, weiß ich ein bißchen von allem und vo,r keinem viel.
Tief verschleiert, um nicht erkannt zu werden, begab sie sich nach den großen Läden in dem reicheren Teil der Stadt, aber man bot ihr so wenig, daß sie ganz mutlos wurde und endlich ihre Arbeiten in einem Laden ließ, dessen Eigentümerin sie in Kommission znm Berkans nehmen wollte. „ r
Aber Sie dürfen nicht auf raschelt Verkauf rechueu, sagte die Dame. Die Herrschaften sind jetzt meistens verreist, Ihre Arbeit ist hübsch und wird sich vielleicht später verkaufen, glaube ich.
Bitte, thuu Sie Ihr Bestes zu meinen Gunsten bat Mildred, und sagen Sie mir, was Sie für verkäuflich halten, ich werde gern mehr solche Sachen anfertigen.
Nachdem sie einige Andeutungen erhalten hatte, kaufte sie noch mehr Material ein und setzte sich dann zu Hause an die Arbeit, in der Hoffnung, nach der Reisezeit ihre Arbeiten reichlich bezahlt zu erhalten.
Sie schreckte nicht vor der Arbeit zurück, aber aus falschem Stolz fürchtete Sie sich, mit Bekannten aus früherer Zeit zusammenzutreffen. Sie hoffte, daß das Schicksal sich wenden, daß ihr Vater bald eine gute Stellung erlangen werde. Diese Erwartung wäre nicht hoffnungslos gewesen, wenn Howell imstande gewesen wäre, einige Jahre lang zu arbeiten. Das Morphium aber hat die Eigenschaft, die Thatkraft zu lähmen unb alle Anstrengnngen nnsccher zu machen. Er hätte täglich Dutzende von Briefen schreiben und jeden Auftrag mit der größten Sorgfalt ausfnhren
Donnerstag den 18 Zanuar
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o man viel schwatzt, da gikbt's viel Zank.
Sprichwort.
sollen, aber es gab Zeiten, wo es ihm eine Last war, einen einzigen Bries zu schreiben.
Mildred hatte davon keine Ahnung, sie glaubte, daß der Wohlstand zurückkehren und daß sie in der Gesellschaft wieder anerkannt werden würde, zu der Arnold gehörte. Sie waren beide jung und konnten warten, und ihre Treue mußte ihnen die Zukunft sichern.
Armes Mädchen! — Es war ein Glück, daß die Zukunft verschleiert war.
Es war ein Rätsel, die geeignetste Thätigkeit für Bell« zu finden, das sie aber sehr bald praktisch löste.
Ich kann nicht zu Hause sitzen und arbeiten, sagte sie. Schon die Schule war mir unerträglich, obgleich man dort iiiimer seinen Spaß hat mit allerlei Streichen.
Unartiges Mädchen! rief die Mutter.
Mama, ich muß hinaus in die Welt, wo es schön und alles in Bewegung ist, in einem Käsig würde ich sterben, selbst, wenn der Käfig die Heimat ist. Aber sei unbesorgt, ich komme jeden Abend zurückgeflogen. Du mußt mich in einem Laden unterbringen, Mama, wo die Menschen in Strömen gehen und kommen, das wird mir Vergnügen machen. Meine Hände und Augen haben Beschäftigung und ich werde nicht vor Gram sterben.
Aber Bella, sagte die Mutter, welche sehr für Mildreds Idee eingenommen war, sich verborgen zu halten, bis das Schicksal sich gewendet habe, wie wird es Dir gefallen, wenn die Leute erfahren, daß Du ein Ladenmädchen gewesen bist?
Ja, fügte Mildred hinzu, vielleicht bekommst Du Deine Gäste vom letzten Frühjahr zn bedienen! Besser, Du könntest häusliche Arbeit finden!
Unsinn! rief Bella. Wir können uns nicht verbergen wie Bären, die in ihre Höhlen kriechen und ein halb Dutzend Jahre lang an ihren Pfoten saugen! Bellas zoologische Kenntnisse waren etwas nebelhaft. Warum sollen wir uns verbergen? Wir haben nichts gethan, dessen wir uns schämen müssen. Papa war unglücklich, wie hnndert und tausend andere in diesen harten Zeiten. Robert zeigte mir einen Bericht aus einer Zeitung, wie viele während der letzten zwei oder drei Jahre falliert haben, — es war eine Armee! Wir sind nicht die Einzigen! Und Robert sagte, diejenigen, welche alte Bekannte im Unglück nicht mehr kennen wollen, seien verächtliches Volk, und je eher man diese Sorte erkenne, desto besser sei es. Und ich will auch ein Dntzend oder zwei von den teuren Freundinnen ausfindig machen, welche Eiscreme bei uns gegessen haben. Ich hoffe, ich werde sie einmal zu bedienen haben, und dann werde ich es mit der Miene einer Prinzessin thuu! schloß sie mit übernatürlicher Würde. Und wenn sie hochmütig sind, so werde ich den Preis verdoppeln und ihnen sagen, da sie so hoch über anderen Leuten stehen, so müßten sie den doppelten Preis für alles bezahlen. Ich glaube aber nicht,


