Ausgabe 
17.11.1900
 
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bricht eS wie solches. Vor einer Reihe von Jahren war es bereits bei Len drlettierenden jungen Mädchen, die Glück­wunsch-- und Tischkarten daraus machten und bemalten, sehr beliebt, als Schreibpapier aber ist es neu. Neuerdings wird es übrigens auch von Liebhaberphotographen zu Versuchen benutzt. Sie fertigen sich die Tafeln dann aber selbst mit Hilfe von Chromgelatine. Tiefe besitzt nämlich die Eigen­schaft, daß sie nach längerer Belichtungsdauer ihre Auf- quellfähigkeft in kaltem und ihre Lösbarkeit in warmem Wasser verliert. Bedeckt man nun solch ein Gelatinepapier mit einem photographischen Negativ, kopiert dann recht lange im Licht und wässert das Papier ein, so quellen nur diejenigen Partien auf, auf die das Licht nicht gewirkt hat. Es entsteht demnach ein Flachrelief. Man muß sich nun freilich nicht vorstellen, daß solche Bildchen annähernd voll­kommen sind, Lite Werfertiger sehen daher' ch-lch von Porträts und Landschaften ab und begnügen finf), mit ornamentalen Verzierungen, die auch ganz unterbrochen erscheinen. Wenn sie nachher aber mit Farbe ausgemalt sind, wobei man die fehlenden Linien ergänzen muß, so nimmt sich das Ganze doch recht niedlich aus. Eine andere von Liebhaber­photographen viel geübte Spielerei zum Zweck der Papier­verzierung besteht darin, daß man das Papier mit Eisen­salzen lichtempfindlich macht und dann landschaftliche Ne­gative darauf kopiert. Sie sind dann ganz blau. Das gleiche Verfahren wird auch von Architekten zum Verviel­fältigen von. Zeichnungen angewandt. Mir wurde freilich von einem der Herren gesagt, daß die Uebergänge dabei fehlten, über ich habe in einem Dresdener Geschäft doch sehr schöne Briefbogen und Karten gesehen, die in dieser Weise gemacht waren und in Mengen zum Verkauf ans- lagen.

GeMeiNnNtziges»

M-eldertrag und der Schnitt des Wein­stock es. Der Weinstock ist eine ertragreichere Pflanze als Apfel- und Birnbaum, wenn man die richtigen Sorten wählt, und wenn man den Weinstpck zu schneiden versteht. Einige Beispiele mögen dies zeigen. In Pieschen (Posen) bringt ein zehnjähriger Stock der Königlichen Magdalenen- traube jährlich etwa 18 Mark Ertrag, ein zwanzigjähriger sogar 30 Mark. Aehnlich viel bringt der Frühe Malin ger, die St. Laurenttraube und andere Sorten. Bedenkt man dabei, daß diese Erträge nur an Wänden gewonnen werden, die man sonst weniger ausnutzt, so sieht man, wie viel Kapital Hausbesitzer alljährlich! unbehoben lassen. Der Schnitt des Weinstockes ist gar nicht schwer; er ist durch technische Ausdrücke allerdings unklar gemacht. Man kann jedoch den Schnitt nach- guten Abbildungen unschwer gründlich! lernen, wenn diese gehörig erläutert sind. Wir finden beides in Nr. 34 des Erfurter Führers, und machen um so lieber auf diese Nummer aufmerksam, als sie unseren Abonnenten kostenfrei zur Verfügung steht, wenn sie sich mittelst Postkarte an dasGeschäftsamt des Er­furter Führers" in Erfurt wenden.

Kür die Küche.

Sardellenbutter. Sardellen werden in kaltem Wasser abgewaschen, das Rückgrat herausgenommen. 375 Gramm Butter, 125 Gramm Sardellen vermischt und mit einem Messer zerquetschst, dann durch ein Haarsieb gestrichen. Man röste Semmelscheibrs, bestreiche sie mit Butter, garniere sie mit Eigelb, Sardellen und Kapern.

Aale zu räuchern. Um Aale zu räuchern, müssen dieselben sehr gut gereinigt und ausgenommen werden. Dann reibt man dieselben mit Salz und Salpeter innen und außen gut ein und legt sie in eine Porzellanschüssel, welche gut bedeckt sein muß. Die Aale müssen 5 bis 6 Tage in der Schüssel bleiben, täglich einmal gewendet und zwei- bis dreimal mit der angesammelten Lake begossen werden. Vor dem Räuchern wickelt man die Aale in Papier und hängt sie 6 bis 8 Tage in den Rauch.

Dtk falsche Reger. Ein spanisches Buch enthält unter anderem olgende ergötzliche Geschichte vom treuen Zusammenhalten zweier Brüder, die auch Leser dieser Blätter letzen dürfte:

Zwei Brüder in jugendlichem Alter, Jünger des Schlosscrhandwerks, chifften sich vor etwa 50 Jahren von Europa nach Jamaica ein. Sobald sie dort angekommen waren, sahen sie sich nach passender Beschäftigung um. Aber sie fanden keine in ihrem Handwerk. Sich einzurichten und ein eigenes Geschäft anzufangen, brauchten sie indes einiges Geld. Da sie dazu aber keinerlei Hilfsmittel auftreiben konnten, Der« jelen sie auf folgenden, in der That höchst seltsamen Ausweg. Der eine von ihnen, der sehr krause Haare hatte, färbte sich das Haar und den ganzen Körper schwarz, zog Negerkleider an und wurde von seinem Bruder in das Haus eines Bankiers mitgenommen, den jener um Vor« chuß von 50 Dublonen (etwa 1050 Mk.) bat, wofür er dem Bankier >en vermeintlichen Neger als Eigentum überließ. Da der letztere sehr kark und kräftig war, erlangte der Bruder unschwer das gewünschte Darlehen. Nicht gar lange nach Auszahlung der Summe entfloh indes der falsche Neger aus dem Hause des Darleihers in die Wohnung seines Bruders, wo er sich von Kopf bis zu Fuß gründlich wusch und so seine weiße Hautfarbe wieder erlangte. Vergeblich boten nun die Tagesblätter eine hohe Belohnung dem, der den entlaufenen Negersklaven dem Bankier wieder zuführen würde. Der war jedoch nirgends zu finden, und daß der durch Waschen wieder zum Europäer umgewandelte Bruder der Geflohene sein könne, kam niemand bei. Die beiden Brüder gründeten nun mit den 50 Dublonen ein Schlossergeschäft, gewannen im Laufe der Jahre viel Geld und beschlossen darauf als reiche Leute, in ihr Vaterland zurückzukehren. Ehe sie jedoch von Jamaica abreisten, zahlten sie als ehrliche Menschen dem Bankier das geliehene Geld samt den aufgelaufenen Zinsen zurück und berichteten ihm, indem sie ihm zugleich ihren Dank dafür abstatteten, den Hergang mit demBruder Neger", die hilfreiche Anschwärzung und erlösende Mohrenwäsche. ld.

Lttterarifches.

Wetse Vorsicht. Von diesem Grundsatz ausgehend, zeigt das soeben erschienene Heft derWiener Mode" (Nr. 4 des 14. Jahr­ganges), dessen reizend ausgestatteten Umschlag ganz neue, gewählte Toi­letten zieren, eine große Auswahl entzückender Eis- und Winterkostüme, die ebenso zweckentsprechend als elegant sind, und deren vornehme Einfachheit besonders bemerkt werden wird, eigenartig ist auch die im selben Hefte gezeigte Bettwäsche, wie es auch die nach modernen Motiven zusammen­gestellten Weihnachtsarbeiten sind. Preis vierteljährlich 2 Mk. 50 Pfg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstaltcn ober direkt vom Verlage derWiener Mode", Wien, IV., Wienstraße 19. Probe­bezug der drei Hefte vom 15. November bis 15. Dezember direkt durch den Verlag zum Preise von Mk. 1.25 portofrei.

Schachaufgabe.

Bon L. Fothergill in Twickenham.

(Nachdruck verboten.)

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Weiß. (64-6)

Weiß zieht an und setzt mit dem zweiten Zuge matt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenversteckrätsels in vor. Nr.:

Gleiche Brüder, gleiche Kappen.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.

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