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Der Abend rückte vor. Hinter dem vom Fenster aus sichtbaren Gebirge verschwand der Mond, und auch sein bleicher Abglanz, der wie ein heller Saum auf den Bergumrissen ruhte, erlosch endlich. Dunkel herrschte draußen und im Zimmer. Der Müller zündete die kleine Petroleumlampe an, bei welcher er die Abende tzn verbringen pflegte; denn er war menschenscheu und mied die Gesellschaft.
Weit und breit schien jeder Laut erstorben, nur das Aechzen eines Schleppdampfers, der eine Reihe Frachtkähne stromaufwärts zog, war zu vernehmen. Es kam langsam näher und entfernte sich ebenso langsam, um nach geraumer Zeit in der Weite zu verhallen.
Dann blieb alles wieder still, bis plötzlich ein seltsam klagender Ton durch die Nacht drang.
Die Tante schreckte zusammen und warf einen scheuen Blick nach dem Fenster; draußen, dicht vor demselben, schien der unheimliche Ruf erklungen zu sein.
„'S ist nur ein Nachtkäuzchen", erklärte der Müller; „alle Nächte schickt es mir aus dem Baume vor dem Fenster diesen vermaledeiten Gruß. Hab' ihm schon manche Schrotladung als Gegengruß zugeschickt, aber vergeblich." Zuweilen hörte man den heiseren Glockenschlag vom nächsten Dorfkirchturme, und dazwischen zog die Tante oft ihre goldene Uhr.
„Es ist nahezu elf", sagte sie endlich. „Wir müssen fort; ich möchte nicht, daß er vor uns am Fährhause einträfe."
Schweigend wachten sich beide auf den Weg. Der Müller ließ die Lampe brennen, damit man das gewohnte Licht in seinen Fenstern schimmern sehe.
Wortlos schritten sie dicht am Ufer des mächtig rau- fchenden Stromes hin. Von Zeit zu Zeit blieb der Müller stehen und lauschte und spähete in die tiefe Dunkelheit hinein, um sich zu überzeugen, daß kein anderer Wanderer aus dem wenig betretenen Wege war.
Nach zehn Minuten befanden sie sich in unmittelbarer Nähe des Fährhauses. An der Außenseite desselben war eine Bank angebracht, und aus dieser saßen zwei Gestalten. Die Tante drückte krampfhaft den Arm ihres Neffen.
„Er ist schon da", flüsterte sie. „Er ist uns zuvorgekommen."
„Wer weiß, ob er's ist, es kann auch jemand aus dem Dorfe sein, der sich zu Wippach auf die, Bank gesetzt hat. Das wäre ein verdammt unwillkommener Gast!"
„Nein, nein, es ist Allram, verlaß Dich darauf", zischelte die Tante. Trotze der Dunkelheit unterschied sie den hellgrauen Ueberzieher und den eben so Hellen Hut, in welchem ihr der Detektiv bei ihrem ersten Besuche so unerwartet äus der Thüre seiner Wohnung entgegengetreten war, und woran sie ihn noch- lange unterscheiden konnte, als sie ihm später im Straßengewühle nachgeblickt hatte.
Der Müller trat nahe an die Beiden heran und lüftete vor dem Herrn in der hellgrauen Kleidung die Mütze.
„Hörej Fred", wandle er sich mit lauter Stimme an den Fährmann, „Du mußt uns und diesen Herrn sogleich übersetzen. Am Lindenhosgarten legst Du an, verstanden?"
Der Angeredete erhob sich von der Bank.
Aber was war das? Er erfaßte feinen Nachbar am Arme, zog ihn unsanft empor, und an seiner Seite schwankte der Detektiv wie ein dünnes Rohr im Winde. Er hatte offenbar keine Gewalt über seine Glieder, bald schoß er vorwärts, den Oberkörper vorgebeugt, mit der Hand fast den Boden- berührend; bald bog er sich nach hinten und taumelte rückwärts, während der Kopf mit dem hellen, tief »n der Stirn sitzenden Hute sich willenlos hin- und herbewegte. Wenn der Fährmann, der ihn führte, ihn nicht kräftig am Arme gehalten hätte, wäre er auf dem kurzen Wege zum Fährboote ein halbes Dutzend mal zu Boden gefallen.
„Was ist mit diesem Herrn?" flüsterte der Sägemüller dem Fährmanne zu.
„Goddamn! besoffen ist er", kicherte dieser.
„Bst!" gebot die Tünte, und zupfte den Fährmann warnend än der Jacke. Dann wandte sie sich; an ihren Neffen mit den leisen Worten: „Ich traue ihm nicht, Heinrich. Es ist zu auffallend bei diesem Manne. Ich fürchte, er verstellt sich aus irgend einem Grunde."
diun der Detektiv hier war, wo sie ihn haben w oll he, fürchtete sie sich plötzlich; vor ihm.
„Das ist keine Verstellung", flüsterte Heinrich. „Er hat Rum getrunken. Ich rieche es bis hierher. Desto besser, dann wird es leichtere Arbeit geben."
Mehr getragen als geführt, wurde der schwer Betrunkene vom Fährmann in das Boot gebracht und dort auf die an der Seite hinlaufende Bank gedrückt, wo er, ohne sich zu regen, wie ein Holzklotz sitzen blieb, den Kopf haltlos hintenüber nach der Wasserfläche herabhängen lassend.
„Nur rasch vorwärts!" gebot der Müller, nachdem er mit seiner Begleiterin ebenfalls ins Boot gestiegen war. „Donnerwetter, Fred! Du scheinst selbst zu tief ins Glas geguckt zu haben."
Der Ausruf galt dem Ungeschjck, mit welchem Fred das Segel aufzog und dann auch; noch unrichtig stellte, sodaß das Boot dicht am Lande hinglitt.
Der Müller stellte das Segel selbst und gab ihm die Richtung nach dem jenseitigen Ufer, worauf er dem De. tektiv gegenüber auf der anderen Seitenbank sich niederließ.
Unter dem sanften Drucke des Nachtwindes bewegte sich das Boot langsam vorwärts. Als es ungefähr die Mitte des Stromes erreicht hätte, sprang der Müller plötzliche auf, faßte den Detektiv bei den Füßen und stürzte ihn über den niederen Rand des Fahrzeuges, welches sich stark auf die Seite neigte, in den Strom. Hoch spritzten die Wasser empor; auf ihren mächtig fchaukelnden Wellen tauchte der dunkle Körper noch, ein paarmal empor, — dann war nichts mehr zu sehen. Erst nach mehreren Tagen wurde weit von hier der Leichnam des Ertrunkenen aus dem Flusse gezogen.
Noch schwankte das Boot unruhig von einer Seite zur andern, noch stand der Fährmann, betroffen über das, was soeben seine Augen gesehen, wie -zu einer Statue erstarrt am Mastbaum, sich! mit der einen Hand daran festhaltend, da stürzten auch, schon der Müller und seine Begleiterin auf ihn zu, um mit vereinter Kraft ihm das Schicksal des Detektivs zu bereiten. Blitzschnell hatte der Fährmann seinen rechten Arm erhoben, — ein Feuerstrahl zuckte auf, — ein Knall erschütterte die Luft, — und ohne einen Laut von sich zu geben, sank der Müller auf den Boden des Fahrzeuges nieder.
Von Entsetzen gepackt, prallte seine Begleiterin zurück. Der Fährmann ließ ihr keine Zeit, sich zu sammeln und । einen Entschluß zu fassen. Er riß sich die Jacke vom Leibe, um diese als Strick zu benutzen, und so verzweifelt sich die kleine Frau auch wehrte, so tapfer sie auch Zähne und Fingernägel als Waffen zu gebrauchen wußte, so gelang es ihm dennoch, sie nach dem Maste zu zerren und an diesem mit beiden Händen festzubbinden.
Totenstille herrschte; nur das Plätschern der an das Boot prallenden Wellen und das keuchende Atmen der Ge- fesselten war zu vernehmen; ein leises Stöhnen, welches zuweilen vom Boden des Fahrzeuges heraufdrang, verriet, daß der von dem Geschoß hingestreckte Mann noch lebte.
Unsanft stieß das Boot, auf welches der Fährmann nicht hatte acht geben können, drüben ans Ufer, wo sich mehrere dunkle Gestalten hin- und herbewegten. —
(Fortsetzung folgt.)
Geheime Gesellschaften in China.
Von Ern st Otto Ho pp.
Nachdruck verboten.
Daß die „Hoodlums" von San Francisco den Chinesen die vielgeliebten Zöpfe abschuitten, sie mißhandelten, und roh gegen sie verfuhren, kann natürlich! nicht gebilligt werden; aber die Toleranz gegen das Chinesentum, indem man seine Einwanderung gestattet, ist übel angebraucht Sie sind wie das Unkraut, das der Wind in ferne Gegenden treibt, und das so mächtig weiter wuchert, daß es bald ringsum alle Kultur erstickt. So unterwürsig und gehorsam die Chinesen den Weißen, den „rothaarigen Ba^ baren", gegenüber meistens sind, so bricht bei ihnen doch zuweilen, wie jetzt wieder, eine wilde Empörung aus, dre uns an verborgene, vulkanische Gewalten erinnert. An der Küste von Peru war es, wo vor wenigen Jahren 417 chinesische Kulis von Callao, dem peruanischen Hafenplatze, nach Guayaquil in Ecuador verschifft wurden. Das Fahrzeug, das sie trug, war ein alter, aber starker und sehr
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