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„Gewiß. Mit dem Mädchen scheinst Du übrigens auf ziemlich vertraulichem Fuße zu stehen."
„Ich beabsichtige sie zu heiraten."
Die Tante zuckte merklich zusammen.
„'S ist ein slokkes, lustiges Ding, und ich mag nicht mehr allein sein. Ich! muß jemand mm mich haben, der mir die verfluchten Gedanken vertreibt, sonst werde ich verrückt und komme selbst noch nach St. Rochus, wo die . . Und das Mädel paßt sehr gut zu mir. Sie ist närrisch in mich verliebt —" .
„Das glaube ich; Du bist auch eine sehr gute Partie/'
„Sie würde für mich durch Feuer und Wasser gehen, und wenn ich für heute nacht einen Alibibeweis brauchte, o würde sie den feierlichsten Eid schwören, daß ich —"
„Trotzdem möchte ich Dir den ernstlichen Rat geben, ihr keine Geheimnisse anzuvertrauen, auch nicht, wenn sie Deine Frau ist", sagte die Tante in einem Tone, worin nichts mehr von der kleinmütigen Duldung lag, mit welcher sie heute schon manches hingenommen hatte, was iHv nicht gefiel. „Bedenke, daß es Dich leicht den Hals kosten könnte, mein lieber Neffe."
„Ich werde mich hüten", versetzte der Neffe, „denn auch um Deinen Hals wäre es schade, beste Tante."
„Diesen Hals", entgegnete sie mit fester Stimme, den Finger an ihre Kehle legend, „diesen Hals wird nie die Hand des Henkers berühren, — niemals!"
Sie erblickte in der bevorstehenden Heirat ihres Neffen eine schwere Gefahr; jenes Mädchen schien ihr ganz danach angethan, mit ihren kleinen koketten Künsten einem verliebten Manne Geheimnisse zu entlocken, welche sie (die Tante) unter keinen Umständen mit einer dritten Person teilen wollte. Rasch war ihr Entschluß gefaßt. Unmittelbar nach ihrer Heimkunft wollte sie ihren gesamten Hausstand versteigern lassen und dann ohne Zeitverlust zwischen sich und ihren Neffen das Meer legen. Er sollte nie Wiede« von ihr hören. — , m .
Beide besprachen nun ihr heutiges Vorhaben, wobei sie unwillkürlich flüsterten, obschon sie vor jedem Lauscher, sicher waren. Die Tante sührte das Wort, der Nefft mckte meist beistimmend; selten nur warf er eine Bemerkung, em« Frage, ein Bedenken dazwischen.
Ein fortdauerndes Geräusch, welches bisher zu allen Worten und Gedanken die Begleitung gebildet hatte, horte plötzlich auf, und eine wohlthuende Ruhe umschmeichelte das gequälte Ohr: das Kreischen der Säge, das Rauschen, des Wasserrads war verstummt. Unten m der Muhle hatte man Feierabend gemacht. Bald stöhnte die alte Ho^treppe unter schweren Tritten, und ein Arbeiter brachte die Schlüssel. Eine Weile nachdem er sich wieder entfernt hatte, ging der Mühlenbesitzer Hinab, um sich zu überzeugen, daß alles gut verschlossen und der letzte Arbeite« gegangen war. .
egangne Fehler können besser nicht Entschuldigt werden, als mit dein Geständnis, Daß man als solche wirklich sie erkenne.
Calderon.
(Nachdruck verboten.)
Die Irre von Sankt Rochus.
Kriminalroman von Gustav Höcker.
(Fortsetzung.)
Lange Zeit herrschte Schweigen. Dann knarrte die Treppe unter raschen, leichten Tritten.
„Es ist nur die Kleine aus dem Dorfe, tue mich bedient", beantwortete der Müller einen fragenden Blick seiner Tante. , , ,
Ein Mädchen von achtzehn oder neunzehn Jahren trat ein, um das Vesperbrot wegzuräumen und in der Küche, welche auf den kleinen Vorsaal hiuausging, die Vorbereitungen zu einer warmen Abendmahlzeit zu treffen, ihrer Gegenwart wechselten Tante und Neffe emtge Worte miteinander, als gälte die Anwesenheit der erstereneinem Holzhandel. Das Mädchen war sehr hübsch, aber trotz ihrer Jugend und ihrer ländlichen Abkunft eine vollendete Kokette, ials hätte sie ihre Studien in der Stadt gemacht. Von der Anwesenheit der fremden Dame nahm ste kaum Aottz ihre ganze Aufmerksamkeit gehörte dem Muller, der sehr ungeniert allerlei verliebte Späßchen mit ihr trieb, die ebenso wohlgefällig ausgenommen wurden. Die Kleine par durchaus nicht spröde und schien sich hier ganz heimisch SN pulsten. anf$,icfte, in der Küche Holz zu spalten, um Feuer anzuzünden, sagte ihr der Müller, daß er heute mit einem kalten Abendbrot sürlieb nehmen wolle iuiD ihrer Dienste vor morgen früh nicht wieder bedürfe. Die Tante glaubte ziemlich deutlich! ein paar schallende Kusse zu vernehmen, und wie das laute, lustige Gelachter, nut welchem die geriebene Dorfschöne zuletzt die yolzstusen hinabsprang, schließen ließ, hatte es an der Treppe noch einige verliebte Neckereien gegeben.
Die Tante war von ihren Beobachtungen nicht sehr Elbmi,$ei meinem vorigen Besuche hattest Du ja eine alte Frau zur Bedienung", bemerkte sie, als Heinrich, wieder e™tl& habe die alte Hexe fortgeschickt. Das Essen schmeckte mir nicht mehr, das ste nut ihren braunen, dürr n runzligen Händen zubereitete. Ich denke, ich kann mich, einrichten, wie ich will", fügte er trotzig hinzu.


