Ausgabe 
17.7.1900
 
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erhalten.

Die Chinesen, die Herren des Schiffes geworden waren, fuhren nach! Westen, um ihr altes Heimatland zu erreichen; aber da sie von der Kunst, ein großes Fahrzeug zu lenken, nichts verstanden, irrten sie planlos im"'2

umher. Ein Sturm zerbrach den Hauptmast, und sie ge­rieten bald nach Norden, bald nachj Süden, wohin Wmd und Meeresströmungen sie trieben. So ging es im Zick­zackkurs mehr denn ein Jahr lang hin und her, und es war nur ein Wunder, daß das Schiff nicht an einer der

Fabelwesen.

Ein bei einem Großhandelshause in Shanghai ange- , . stellter junger Deutscher hatte sich, bei einem Gastmahl, I an dem zahlreiche chinesische Handelsherren teilnahmen, ' 1unter dem Einfluß von Likör stehend", in wegwerfender, absprechender und verächtlicher Weise über die Geherm- bünde der Chinesen geäußert. Er war kürzlich, vor wenigen Monaten, von Bremen nach China gekommen; umsonst hatte ihn sein Vorgesetzter, ein älterer und erfahrener Mann, der die Sitten und Gefahren des Landes kannte, eindringlich gewarnt es war zu spät. Die anwese^en Chinesen, unter denen sich mehrere Großkaufleute, ein Dol­metscher und zahlreiche Diener befanden, erwiderten nichts auf die prahlerische Rede des Jünglings; einige lächelten leise in ihrer sardonischen Manier. Das Festessen verlies

Achtel der dortigen Bevölkerung aus Chnesen beständen, hätte dieser Krieg den Untergang der ©taix zur Folge ge­habt. Man sagt, es seien mehrere Tausend Menschen wah­rend desselben getötet worden. Ueberall war der Eindruck ein grauenhafter. Reste von Leichen, zum Teil angesengt, lagen umher, Hunderte von Häusern und Hütter waren rn Asche verwandelt, und die Wirkungen von Pulverfpreng- ungen,, wie die Chinesen sie besonders häufig anwenden, waren noch hier und da ersichtlich, tiefe Löcher waren an manchen Stellen in den Straßen entstanden. Dre Kämpfe waren mit unerhörter Wut geführt worden, ihre trau­rigen Beweise standen in einem jähen Gegensatz zu der prachtvollen tropischen Natur, den köstlich dämmernden Schatten des Urwaldes und der Fülle von Licht und Glanz, die in jenen Gegenden verschwenderisch ausgegossen er-

geräumiger Kasten, und der Unternehmer hatte sich eben, mit reichlichem Proviant versehen, auf die Reise gemacht. In der Nacht stiegen plötzlich! ihrer mehr denn hundert aus den Schläfräumen auf das Verdeck und warfen alle weißen Leute nach kurzem Ringen über Bord. Nur. der zweite Steuermann und ein junger Kaufmannsgehilfe, die nicht geschlafen hatten, retteten sich. in die Kajüte des ermordeten Kapitäns und verbarrikadierten die Thür durch! Eisen- stangen; da sie mit Schußwaffen reichlich versehen waren, erwehrten sie sich der Aufrührer, die es nicht wagten, mit ihnen anzubinden und fie bald ganz in Frieden ließen. Die Kapitänskajüte stieß an ein paar Vorratskammern, die mit Trinkwasser und Proviant aller Art gefüllt waren, und so gelang es den beiden Weißen, sich! am Leben zu

scheint.

Der Chinese ist nicht immer feige; unter Umständen WUu Kllull, , ist er bereit, für eine Sache, die ihm am Herzen liegt, sein Stillen Ozean I Leben mit einer gewissen Nichtachtung emzusetzen; m dem ' " * übervölkerten Lande hat das Menschenleben überhaupt

v , einen geringen Wert. Despotie und mangelnde Rechts- I pflege erzeugen versteckte Verbindungen, die ihrerseits wieder im höchsten Grade tyrannisch auftreten. Für den ungemein verschlossenen, gern heimlich brütenden Sinn a&&Ä-Äi IUXe m »w-gung w, ,md M»

aus, die beiden unfreiwilligen Ozeanfahrer ließen sich an einer Leine herab und wurden von dem Boote ausge­nommen. Das von den Kulis eingenommene Schiff ging aber nicht unter. Am 27. August 1895 kam eine wunderliche, rätselhafte Erscheinung, nach nahezu fünfzehnmonatlicher Reise, aus dem Stillen Ozean hineingetrieben in die Bar der japanischen Hafenstadt Hakodadi, die gespenstige Rume eines großen Schiffes, verwittert, verkrüppelt und zer­zaust, und dennoch mit Anzeichen, menschlichen Lebens an Bord. Von der einzigen noch übrigen großen Raa hingen spärliche Fetzen zermürbten Segeltuches; aufgelöst m schlangenartigen Knäueln, schleppten die Wanten allent­halben über Bord. Langsam und schweigend trreb das gespenstige Wrack heran; dunkle, ausgemergelte, unheim­liche Wesen kauerten am Bugsprit und regten sich geister- i mn= "^"Zrübte? Seiterkeit-''doch kaum eine Woche haft um den Maststumpf, als das darauf verschwand der Diener des Herrn Rewold, so naünte

voran, auf eine Sandbank zutrieb und knirschend und leis I Jffl Handelsbeflissene, mit einer beträchtlichen

krachend auf dem Grunde stehen blieb. I 3umme Feldes; er war nicht wieder aufzufinden. Als

Die japanischen Hafenbehörden begaben sich, an Bord I $age fpäter fein Boot benutzen wollte,

des gestrandeten Schiffes und fanden dort statt 417 mir I b b(^ man dasselbe an mehreren Stellen ange- 46 verkommene und halbvertierte Chinesen, die lartnack g I boLt ^atte lag im tiefen Wasser und war so gut tote jede Auskunft über ihr Woher verweigerten Auch über i ) J geworden. Er nahm einen neuen Diener aber des Schiffes Nationalität war Nicht das geringste festzm I rt,arb bamit nicht besser; bald fand es W, daß. sem - stellen. Die schlauen Chinesen hatten den Namen am Heck I schwarzer Anzug durch Vitriol unheilbar ruinier orgfältig ausgekratzt, Logbuch und Flaggen über Bord I t ,e§ toeiter. Sein Kanarienvogelchen sein

geworfen und jeden Eigentumsnachweich reden Hetzen I geblendet; ein paar köstliche Orchideen,

Vavier vernichtet. Ungefähr nach. einem Jahre kam indes I » pflegte, verwelkten unsichtbare

NAihrheit diirch die b/iden geflchhteten und von dem ^im Ga^tenz m* ^An beraubt. Viermal hinter Walfi chfahrer aufgenommenen Weißen an den Tag, der I ^nanbe' entytanb in seinem Wohnzimmer m unaufge- Steuermann las in einem Blatte eine Notiz über das fett- I j(ärtcr ^ise Feuer, sein Pferd erkrankte und ging em, mme Aff und stellte das Richtige fest. Die 46 Gelandeten I Hund wurde verstümmelt. Ein den Europäern wohl- von denen noch mehrere bald darauf starben, ließ man I sollender chinesischer Kaufmann, der in engster Handels- unaestraft sie hatten Strafe genug empfangen und zer- yindunq mit dem Hause stand, bei dem Rewold ange- streuten sich wie Tropfen im Meer unter den Million n I war, und den man um Schutz ersucht hatte, ließ dem Japans. - , HOno I jungen Manne den Rat erteilen, er möge mit dem nächsten

Die chinesischen Christenverfolgungen des Jahres 1893 I ^ni^er in seine deutsche Heimat zurückkehren, irn Blumen- wie die heutigen Unruhen hatten ihren Ursprung in Um- I ber Mitte werde er seines Lebens nrcht mehr froh selbsVwwVn Vllen "Ländern,'V denen Vs größere Mengen I Wer^jjnb können Sie nicht eintreten und wich schützen?" von Chinesen giebt, vorhanden sind und große Macht be- I p.agte ber junge Mann, der selbst zu dem Kaufmann g - ^en@in Reisender erzählt, wie er auf der hinterindischen I eiU . schelte mild und verschmitzt wie immer

-St jU <* ®,T« torfi',urS

fei die etliche Monate zuvor reich, bevölkert, bluheno uuo i Gesellschaft", die man nicht verspotten dürfe. Der aewerbefleißig gewesen sei, aber damals fast aanz m 1 . Mann ging ab, und die deutsche Kaufmannschaft der Trümmern lag und verödet war. Sinei g^st^we ^^estsch I ^uesischen Hafenplätze ließ sich die Warnung gesagt sein. Gesellschaften, nämlich, die vom und hätten i ' 1 Die chinesischen Beamten pflegen sich mit diesen ge-

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