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»uf triebe Seife einen Lmum gebildet hat, zwar nicht so nchchtig wie jener des Colorado aber von wahrhaft schauerlicher Großartigkeit. Rechts und links erheben sich bis zur Höhe von co. 600 Meter die in allen Farben des Regenbogens leuchtenden Felsen, an ihren Kämmen mit dunklen Fichten geschmückt, tief unten im Grunde schlängelt sich der Strom als weißes Band von Schaum dahin, und über ihm kreist der Adler, der in den Felsspalten seinen Horst errichtet hat. Als die von uns erwähnte Expedition; am Rande des schauerlichen Abgrundes stand, erschien ihr, wie Friedrich v. Hellwald in seinem Werke „Die Erde und ihre Völker" erzählt, alles in der Tiefe von zauberhaftem, phantastischem Aussehen. Als man in die Schlucht eindrang, stieß man an ihrem Eingänge auf zahllose Schwefelund Alaunquellen, die zuweilen die merkwürdigsten Gebilde zeigten; 5 Kilometer weit im Canon befanden sich die Erforschjep400 Meter tief unter dem Rande per Schlucht; nach: weiteren 4 Stunden mühsamer Arbeit erreichten sie das Ufer des Stroms, dessen Wasser warm und nach Alaun und Schwefel schmeckte. Die innere Hitze machte die Atmosphäre drückend, obgleich ein ziemlich starker Seewind durch den Canon strich, dessen entsetzliche Felswand beim Emporblicken den Himmel zu erreichen schien. Es mochte 3 Uhr nachmittags sein, und gleichwohl sah man die Sterne ganz deutlich am Firmament. Der Canon des Yellowstone ist nicht weniger als 40 Kilometer lang und besitzt oben eine Breite von 300 bis 1000 und über 1000 Meter.
Bon großartiger Wirkung sind auch die Wasserfälle des Uellowstone, darunter die 130 Meter hohen Tower- Fälle, und ein weiterer gewaltiger Wasserfall, bei dem sich der Wasserstrahl in einem einzigen Bogen über eine Felswand von 120 Meter Höhe herabstürzt.
Am berühmtesten ist aber der Fellowstonepark wegen seiner heißen Quellen, Geiser und Schlammvulkane. Selbst Neuseeland und Island stellt er weit in den Schatten. An 1500 Geiser befinden sich in der in der Nähe des Stromes gelegenen Geiserregion, an 5000 Stellen etwa soll es nach Bölsche überhaupt aus der Erde dampfen. Unter den Schlammvulkanen nimmt am meisten der sogenannte Schlammgeiser unsere Aufmerksamkeit in Anspruch, der „aus 10 Meter breitem und 6 Meter tiefem Trichter blau- graue, kochende Schlammmassen unter grausigem Gewinsel emporwallen läßt". Heiße Qellen stehen in jeder Temperatur zur Verfügung, von soviel Grad an, als nötig sind, um das Wasser angenehm trinkbar zu machen, bis zum heißen Bad und der Gelegenheit, ohne Kohlen zu kochen. Biele der Quellen haben durch ihre Kalk- und Kieselniederschläge imposante Bassins und ungeheure Terrassen gebildet, darunter die 60 Meter hohe, etwa ein Dutzend Stufen aufweisende Terrasse, der Mammoth Hot Springs, jener 70 besonders berühmten Quellen, deren bläuliches Wasser im Sonnenglanz in den zauberischsten Farben leuchtet. Andere Quellen, ebenfalls von prachtvollen Krystallformationen eingefaßt, die sich- oft bis zur Höhe vieler Meter erheben, sprudeln Alaun und Schwefel aus. Bon den Geisern sind die berühmtesten der Great-Fountain- Geiser, der seinen Strahl 45 Meter hoch, und der Excelsior- Geiser, der ihr, gar bis 90 Meter hoch schleudert, und zwar aus 70 Meter breitem Kessel herauss, den der etwa fünf Meter hohe selbstgebildete Wall einsäumt. Zwanzig Minuten lang währt jedesmal das Ausspritzen der Wassergarben des Fountain-Geisers, während der Old-Faithful alle 68 Minuten einen Strahl 40 Meter hoch sendet. Man unterscheidet zwei Geisergebiete, ein unteres und ein oberes, natürliche sind nicht immer alle in Thätigkeit.
Um dem Nellowstonepark noch höhere Bedeutung zu verleihen, dient er aber auch noch als Erhaltungsort der charakteristischsten Tiere Nordamerikas. Die letzten Büffel und die Biber haben darin eine Zufluchtsstätte gefunden, Hirsche, Elentiere, Antilopen, und andere besondere Tiere leisten ihnen Gesellschaft. Der Park steht unter der Aufsicht von besonderen Verwaltungsbeamten, man kann ihn bequem mittels der Eisenbahn erreichen und findet inmitten der Wälder, Quellen und Wasserfälle in luxuriös eingerichteten Hotels die vorzüglichste Verpflegung.
Wenn wir nun auch in Deutschland keinen National
park von auch nur annähernder Großartigkeit zu schaffen vermögen, so würden doch auch unsere Parks zweifellos zu Bewahruugsstätten interessanter Formationen und Produkte werden und sich zu natur- und kulturgeschichtlichen hochwichtigen Erinnerungsstätten gestalten. Man mache nur mutig den Anfang, ehe wir in der: That bei jenem Zustande angelangt sind, den Wetekamp in seiner beachtenswerten Anregung mit den Worten eines bekannten Naturforschers wie folgt charakterisierte: „Der zivilisierte Teil der Menschheit wird alsbald mit Schrecken die Monotonie gewahr werdest, welche sie nicht nur bedroht, sondern bei welcher sie teilweise jetzt schon angelangt ist. Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, der Abwechselung zu lieb auch umgekehrt, Gerste, Hafer, Weizen, Roggen — sehen sie, das wäre die Flora der Zukunft. Und das Tierreich — Haushühner, Truthühner, Tauben, Gänse, Enten, dann Rind, Pferd, Esel — die übrigen als Reliquien in Museen aus- gestopft !" _____________
Vermischtes.
Geirr eestee Gedanke. Alter Schauspieler (der zum ersten Male auf der Elektrischen fährt): „Mir ist, als hätte man mir endlich einmal die Pferde ausgespannt:"
Unverfroren. Herr (zum Barbier, der ihn wiederholt ge. schnitten): „Ihr Messer scheint nicht zu schneiden!" — Barbier: „Und ob's schneidet! . . . Seh'n Sie nur in den Spiegel!"
Litterarischer.
Berkehrsentwickluttg in Deutsch»»«». 1800-1900. Sechs volkstümliche Vorträge über Deutschlands Eisenbahnen und Binnen- wafferstraßen, ihre Entwicklung und Verwaltung, sowie ihre Bedeutung für die heutige Bolswirtschaft von Prof. Dr. W. Lotz. „(AuS Natur und Geisteswelt. Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 12 monatliche Bändchen zu je 90 Pf., geschmackv. geb. zu je Mk. 1.15.) Verlag von B. 0. Teubner. In unserer Zeit, die nach dem Ausspruch von höchster Sick „unter dem Zeichen des Verkehrs" steht, wird es mit lebhafter Freude begrüßt werden, wenn es sich ein so berufener Universitätslehrer wie Prof. Lotz angelegen sein läßt, in gemeinverständlicher Zusammenfassung einen Ueberblick über die große und für jedermann bedeutungsvolle Entwicklung des Verkehrswesens in Deutschland in diesem Jahrhundert zu geben und weitere Kreise mit den feststehenden Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiete bekannt zu machen. In dem Professor Brentano, dem wohlbekannten Nationalökonom, gewidmetem Bändchen giebt uns der Verfasser nach einer kurzen lieber« sicht über die Hauptfortschritte in den Verkehrsmitteln zwischen 1500 und 1800 und deren wirtschaftliche Wirkungen eine Geschichte des Eisenbahnwesens, deren erste Anfänge, daS Schwanken zwischen Staats- und Privatbahnsystem, die Durchführung der Eisenbahnverstaatlichung und den heutigen Stand der Eisenbahnverfassung. Besondere Kapitel widmet er dem Güter- und Personentarifwesen und berücksichtigt neben der geschichtlichen Entwicklung in Deutschland vor allem auch die Reformversuche im Ausland und den gegenwärtigen Stand der Reformsragc in Deutschland. Im 5. Bortrage geht es dann auf die Bedeutung der Binnenwafferstraßen in der Gegenwart ein und orientiert über ihr Wesen, über ihr Verhältnis zu den Eisenbahnen und ihre Stellung im modernen Verkehrswesen. Zum Schluß werden die Wirkungen der modernen Verkehrsmittel zu Wasser und zu Lande und die gewaltigen Umwälzungen geschildert, welche sich durch die Fortschritt« der Verkehrstechnik in unserem Jahrhundert in den wirtschaftlichen Beziehungen der Völker zu einander, in den gegenseitigen Beziehungen der einzelnen Zweige des Erwerbslebens sowie in unserm wirtschaftlichen Handeln und Denken vollzogen haben. Bei der großen Bedeutung unserer Verkehrsmittel für den Einzelnen, wie für die Gesamtheit, und dem in weiten Kreisen unseres Volkes bestehenden dringenden Wunsche nach einer Verbilligung des Personenverkehrs und einer allgemeinen Reform deS Tarifwesens wird die Schrift viel zur Aufklärung beitragen und kann einem jedem als interessante und lehrreiche Lektüre nur warm empfohlen werden.
Charade.
Nachdruck verboten.
Du findest das Erste zumeist in dem Wald;
Das Zweite wird, paßt es schlecht, unbequem bald.
Nähm' einer das Ganze zum Rennen und Springen, Er würde wohl wenig Lorbeer'n erringen. m.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Ernst ist das Leben.
Mdaktion: <6. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'scheu UntverfiMs-Bnch. und Steindruckerei (Pietsch «rdenl in «Sieger.


