Ausgabe 
17.2.1900
 
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Dennoch iah fie nicht ohne Beängstigung, wie schwäch- lrch, tote unerfahren und unpraktisch er war, und oft konnte sie ihre Zweifel nicht unterdrücken, daß er niemals im stände sein werde, in der praktischen, gleichgiltiqen Welt seinen Weg zu finden. Aber anstatt dadurch entmutigt zu sein, dachte sie nur: Niemand kann jetzt die Aufrichtig­keit meiner Liebe bezweifeln, Robert ist bereits reich, und wird einmal berühmt werden, aber dennoch ist meine Liebe zu Arnold mir das höchste in der Welt, und ich würde ihn sogleich heiraten und unterstützen, wenn seine schwache Ge­sundheit es erforderte. Die Welt gilt mir nichts, ich ver­lange nicht nach Glanz, sondern wünsche nur ganz unbe­achtet bleiben zu können.

Fortsetzung folgt.

Die Kunst, eine Taste Kaffee zu kochen.

Von Fred Hood.

Nachdruck verboten.

Gnädige Frau lachen Sie nicht! Eine Tasse Kaffe zu kochen ist wirklich eine Kunst, und noch dazu eine Kunst, die sehr wenige verstehen. Einige Millionen Men- schen das gebe ich gern zu wissen allerdings ans Wasser uitd Kaffeebohnen eine mehr oder minder sonder­bar braune Flüssigkeit zu erzeugen, welcher man den NamenKaffee" beigelegt hat. Aber einen Tüncher pflegt inan häufig alsMaler", und einen Barbier alsDoktor zu bezeichnen, ohne gerade hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Malerei oder Heilkunst von ihnen zu er­warten.

Jawohl, meine Gnädige, auch Sie verstehen von der göttlichen Kunst des Kaffeekochens herzlich wenig. Erinnern Sie sich noch des heiteren Diners zum letzten Geburts^ tage Ihres Gatten? Sie waren beinahe so reizend wie Ihr Menü. Sie hatten eine raffinierte Geflügelsuppe, einen herrlichen, gefüllten Putenbraten, einen artigen Hecht, köst­liches Kompott und Gemüse, endlich eine Creme-Speise, die sich sehen lassen konnte. Aber dann kam der Kaffee! Schweigen wir lieber davon; er schmeckte nach der Maschine. Ob es ein Messing-, Kupfer- oder Eisengeschmack war, oder ob noch andere Nüancen dazu kamen, weiß ich nicht recht. Jedenfalls war er nicht zu genießen.

Es haben ihn alle getrunken? Jawohl mit Todesver­achtung. Wer wird denn einer liebenswürdigen Wirtin, die einen solchen Putenbraten zu bereiten weiß, den Kaffee unter die Nase reiben! Ich aber spreche als der wahre Freund Ihres Hauses und möchte Ihnen, da Sie uns nicht reinen Kaffee zu spenden wissen, einmal reinen Wein einschenken.

Ich zweifle nicht daran, daß Sie Kaffeebohnen erster Qualität verwenden. Aber um so schlimmer ist das Ver­gehen, dessen Sie sich schuldig machen. Sehen Sie, aus minderwertigem Kaffee kann man bei rationeller Behand- lung desselben ein besseres Getränk bereiten als mit Ihrem Prima-Java-Kasfee.

Gewiß ist an Ihnen noch nicht Hopfen und Malz ver­loren. Aber wenn Sie lernen wollen, eine gute Tasse Kaffee zu bereiten, müssen Sic zunächst lernen, wie man es nicht machen muß.

Die gebräuchlichste und zugleich schändlichste Methode ist das Beuteln. Wenn man wissen will, welch ein großer Windbeutel die Köchin ist, braucht man sich nur ihre Kaffee­beutel anzusehen. Man beginnt ja ganz vernünftig mit dem einfachen Aufbrühen des gemahlenen Kaffees, indem man diesen in einen Krug thut und das kochende Wasser daraus stürzt. Mer dann kommt die Beutelkrankheit mit ihrer Verheerenden, Wirkung^ Wenn nämlich die Beutel nicht absolut rein gehalten werden und dieser Absolutis­mus ist im Reich der Kochtöpfe nicht zu finden so nehmen sie sehr leicht einen dumpfen, stickigen Geruch an, welcher sich dem Kaffee mitteilt. Dieser ist ein sehr empfindsames Geschöpf; die in ihm enthaltenen feinen aromatischen Oele werden durch den Geruch und durch den Geschmack fast jeden Stoffes beeinflußt, mit welchem der Kaffee in Berührung kommt. Die leinenen und baumwollenen Beutel saugen stets etwas von dem Kaffeesatz auf, und dieser verleiht vielleicht infolge eines Gährungsprozesses dem nach­folgenden Aufguß einen säuerlichen Geschmack.Aber da­

gegen giebt es doch ein Mittel", denkt die praktische Haus­frau. Das Mittel heißt: Soda. Soda ist vielen Haus­frauen überhaupt der Inbegriff aller Sauberkeit. Natür­lich werden auch die Kaffeebeutel, in heißem Sodawasser gewaschen, und wenn das Glück gut ist, wird uns zu feier­licher Gelegenheit eine Soda-Kaffeelösung serviert.

Mindestens ebenso untauglich ist das Filtrierpapier. Tas leuchtet völlig ein, wenn man sich vergegenwärtigt mit wie viel chemischen Stoffen die Papierfasern während der Fabrikation in Berührung kommen. Chemisch reines Filtrierpapier giebt es also nicht.

Wir kommen nun zu den Kaffeemaschinen. Ich bin gewiß über den Verdacht erhaben, der Maschiuen-Judustriö etwas am Zeuge flicken zu wollen. Aber, wenn ich ehrlich sein soll, so muß ich sagen, daß hinsichtlich des Kaffekochens der Maschinenbetrieb geradezu verhängnisvoll gewirkt hat. Wie auf manchem anderen Gebiete, hat auch hier die Ma­schinenarbeit die Knustfertigkeitsvöllig verdrängt. Die Kunst des Kaffeekochens gehört zu jenen vergessenen Künsten, die erst wieder neu entdeckt werden müssen.

Wir müssen ehrlich sein und eingestehen, daß die so­genannten Wiener Kaffeemaschinen hinsichtlich der ratio­nellen Ausnutzung Vorzügliches leisten und alle vorzüg­lichen Eigenschaften des Kaffees zu Tage zu fördern bemüht sind; aber all die mehr oder minder zweckmäßigen Metall­teile an den Maschinen verderben wieder das Produkt. Auch die kleinsten, dem Auge kaum wahrnehmbaren Rost­stellen verderben den Kaffee, machen ihn sauer; der Me- kallgeschmack teilt sich dem kochenden Wasser mit, und die ganze Weisheit des Maschinenbauers wird au diesen allerliebsten kleinen Rostflecken zu schänden.

Aber das ist noch nicht einmal das Schlimmste. Bei diesen Wiener Kaffeemaschinen ist das zur Aufnahme des Wassers dienende Bassin überhaupt nicht zugänglich, viel­mehr derart abgeschlossen, daß es nicht gereinigt werden kann. Da hilft denn alles Putzen und Blankpolieren nicht. Beim Kochen scheiden sich aus dem Wasser Kalk, Eisenoxyd und andere Beimischungen aus und bilden einen Satz, der dann das eingeschüttete Wasser beeinflußt.

Daun kommen die Konstruktionen lmit Heu verschiedenen Siebvorrichtungen, durch welche das kochende Wasser mit dem gemahlenen Kaffee in Berührung tritt. Glauben Sie mir, gnädige Frau, das ist alles fauler Zauber! Ein Sieb kann stiemals sorgfältig gereinigt werden; irgendwo bleiben so ein paar alte Kaffeekörnchen, Putzpulver, Staubteilchen, Gewebefasern des Putztuches immer sitzen, und der Kaffee erhält dann unfehlbar einen unangenehmen Beigeschmack. Kein Mensch weiß bann, woran es liegt, lind da man keinen anderen Sündenbock kennt, so trägt sicher eineölige Bohne" die Schuld. Ich weiß mich kaum eines Families- Kaffees zu erinnern, an dem nicht jemand eineölige Bohne" entdeckt hätte gleichsam um die Ehre der Haus­frau zu retten.

Ich habe gar keine Lust, Sie, meine Gnädige, mit der Beschreibung aller möglichen und unmöglichen Kaffee­maschinen zu quälen. Denn glauben Sie mir: sie taugen alle nichts. Ich meine mit Jean Jaques Rousseau, daß wir zur Natur, zur Einfalt zurückkehren müssen. Zum Kaffee­kochen gehören nur drei Dinge, nämlich Kaffee, Wafser und ein Porzellankrug. Der gemahlene Kaffee kommt auf den Boden des Kruges, bann bas heiße Wasfer barauf, unb zwar gerabe nur fo viel, baß die Wasserfläche zwei bis drei Zentimeter über dem Kaffeemehl steht. Dieser Auf­guß muß etwa zwei Minuten auf der Herdplatte ziehen. Dann gießt mau langsam das übrige kochenbe Wafser, so viel als man eben, zur Bereitung bes Kaffees braucht, dazu und läßt den Aufguß abermals einige Minuten zum Ziehen und zur Klärung des Getränkes refp. zum Nieder­schlagen des Satzes auf der Herdplatte stehen. Damit ist der Kaffee fertig. Man hat ihn nur noch in eine zweite zum Servieren dienende saubere Kanne zu gießen.

Zm Konservierungsfrage.

Nachdruck verboten.

Es ist bekanntlich der Zusatz von Konservierungs­mitteln zu Nahrungsmitteln, wenn sie nicht vollkommen, ober wenigstens nahezu vollkommen wirkungslos gegen