Ausgabe 
16.12.1900
 
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kam, da war Freude und Scherz gewesen. Nun saß er eingesperrt auf dem schmalen, engen Kahn, der monatelang still auf einem Platze lag.

Und wenn das schwere Lastschisf langsam den. Fluß hinabglitt, wenn die Schiffer ihre Pfeifen rauchten und die Frauen mit dem Strickzeug auf dem Deck saßen und das Ufer und die Häuser an sich vorbeigleiten sahen, dann nahm der alte Gillert seine Violine in den Arm, seinen Enkel an die Hand seine beiden Freunde ging ganz vorn an die Spitze des S-chiffes und spielte die alten Tanzweisen, denen das Kind entzückt lauschte.

Und sie waren glücklich mit einander.

In der engen Kajüte, deren Decke man mit der Hand berühren konnte, liegt das Kind, und pfeifend und mühsam ringt sich der Atem aus der gequälten Brust, während die Blicke angstvoll und verschleiert wie Hilfe suchend umherirren...

Ein Blick auf das Kind genügt dem Doktor, um die Sachlage zu übersehen. Besorgt schüttelt er den Kopf, während der Alte draußen spielt:Vom Himmel hoch, da komm' ich her . . ."

Die Mutter hat die Schürze vors Gesicht geschjlagen, schluchzt und jammert:Mein kleiner Tony . . . Herr Corda, ach . . . mein armer, kleiner Junge!"

Bestürzt und angstvoll verfolgt der Vater jede Be­wegung des Arztes; der verlangt etwas Wasser und einen Löffel, nachdem er ein weißes Pulver, das er aus seiner Arzneitasche genommen, aufgelöst hat, bringt er dem Kinde mühsam den Löffel mit der Flüssigkeit zwischen die zu­sammengepreßten Lippen. Der kleine Kranke macht un­willkürlich eine allem Anschein nach schmerzhafte Schluck­bewegung, aber die Arznei ist doch ausgenommen, und der Doktor wiederholt die Einflößungen noch zwei- oder dreimal. Dann fetzt er sich in banger Erwartung neben das Lager des Kindes.

In der Ferne beginnen die Glocken zu läuten, um die Weihestunde der heiligen Nacht zu verkünden.

Unruhig wirft sich das Kind auf die andere Seite, und der Vater jammert:O mein Gott! mein Gott! mein Kind stirbt."

Doch da. . . mit einem Male wird der Atem freier, gleichmäßiger, der Arzt neigt sich über den Knaben, sieht, daß wohlthätiger Schweiß eingetreten ist, bettet das Kind bequem und sagt:Er ist gerettet. . ."

Im selben Augenblicke, ganz unvermittelt, verstummt die Violine, es klingt wie ein letzter schwerer Seufzer, und als Doktor Eorda und der Schiffer die Thür auf­reißen, sehen sie den alten Gillert zusammensinken . . .

Sein Wunsch ist erfüllt.

Der heilige Christ hat den Tausch angenommen: den alten Großvater für das zarte Enkelkind, und das Gesicht des toten Greises ist wie in überirdischer Opferfreudigkeit verklärt.

Geinsinnütziges.

Reine Luft für Ob st. Sämtliche Früchte, be­sonders Aepfel, sind außerordentlich empfindlich gegen die sie umgebenden Gerüche, und wird ein Apfel, der auch nur vorübergehend sich in einem Raume mit schlechter Luft befunden hat, für jeden Feinschmecker ungenießbar. Sehr treffend wird durch einen Bericht im praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau die große Empfindlichkeit der Aepfel gegen fremde Einflüsse erläutert. Man hatte das Spalierobst vorläufig in eine Kammer gebracht, in der der Schrank mit Pelzwerk steht, und als dann das Obst ge­kostet wurde, roch es nicht nur, sondern schmeckte sogar nach Naphtalin.

Gegen Vergiftung durch Seemuscheln usw., die sich durch Frösteln, Kopf- und Magenschmerz, ge­schwollenes Gesicht, nesselartigen Ausschlag und Jucken am ganzen Körper kennzeichnet, wende man schleunigst Breche Pulver, 0,10 Gramm auf ein halbes Glas Wasser oder

2 Gramm pulverisierte Brechwurzel an; diesem läßt man löffelweise einen Trunk folgen, dem auf 150 Gramm 2 bis 4 Gramm Aether und 10 bis 15 Tropfen Opium zugesetzt ist. Wasser mit Essig lasse man gleichfalls trinken und mache Umschläge von Leinsamenpulver oder erhitzten Tüchern auf Magen und Leib.

Wlumenpflege.

Das Begießen der Pflanzen im Winter. Wasser zur rechten Zeit, in der nötigen Wärme und Quan­tität, sind Voraussetzungen eines gesunden Pflanzenwuchses auch im Winter. Als Regel für das Begießen gelte: Je feuchter und kühler der Ueberwinterungsraum, desto we­niger haben die Pflanzen Wasser nötig; je wärmer, trockener und Heller ein Zimmer, desto reichlicher soll man begießen. Pflanzen, welche im Winter ruhen und im Sommer treiben und blühen, überwintere man in kühlen, wenn auch dunklen Räumen, so die Hortensien, Fuchsien usw. Pflanzen, welche im Sommer ruhen, dafür aber im Winter treiben und blühen sollen, brauchen Hellen, warmen Stand. Die ersteren begieße man mit kühlem, aber immer­hin abgestandenen Wasser nur so viel, daß die Topfballen nicht austrocknen, letztere wie Cinerarien, Primeln, Cy­clamen und alle Treibpflanzen begieße man oft mit warmem Wasser; denn dadurch! beschleunigt man den Ein­tritt der Blüte und eine kräftige Entwicklung der Pflanzen.

Vermischtes.

Etwas vom Borgen. Gar manche hätten nie erfahren, was Not ist, wenn sie den ersten Schritt zum Borgen nicht gemacht hätten. Was ihnen im Augenblick eine Erleichterung schien, ist ihnen zur schweren Last ge­worden. Wer mit Schulden anfängt, sagt das Sprichl- wort, hat in des Teufels Lotterie gesetzt, wo jeder Ge­winn ein Verlust ist. Auf den ersten Schritt zum Borgen folgt schnell der zweite, ist man erst einige Pfennige schuldig, werden sie zur Mark, hier ein wenig und da ein wenig, und bald steckt man drin bis über die Ohren. Wie viel leichter wäre es, sich zu gewöhnen, beim Bäcker oder Kaufmann gleich zu bezahlen, statt immer in der Kreide zu stehen. Oekonomisch haushalten heißt die Schlacht des Lebens schon halb gewonnen zu haben; aber vorgegessen Brot bringt Mmmer und Not. Darum sei nie einen Pfennig schuldig, und Du wirst nie zehn Mark schuldig sein. Schulden lassen sich nicht anders als mit barem Gelde tilgen. Versprechungen machen Schulden, können aber keine bezahlen. Und wer sich der Hoffnung hingiebt, sich durch irgend einen glücklichen Zufall aus. seinen Schulden helfen zu können, klammert sich an einen Strohhalm. Unbezahlte Rechnungen sind wie Dornen, wo man sie anrührt, stechen sie. Borgen ist leicht, bezahlen fällt aber immer schwer. Schnell kommen die Verfall­tage, und ein Heex von Sorgen und Unruhe steht vor der Thür. Schulden gehen mit schlafen und stehen mit aus; denn das alte Sprichwort hat recht: Borgen macht Sorgen.

Silb env ersteckräts el.

Nachdruck verboten.

Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen Silben in nachstehenden Wörtern versteckt find, wie die Silbena" in Knabe.

Mischung Tigerjagd Ueberlistung Oderkrebse Liebesbriefe Edelsteine Kochelfall.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:

Niederdrückender Kummer.

Redaktion: @. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.