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Leoville getrunken, im Vergleiche zu dem dieser hier nicht viel besser als Spülwasser ist."

Herr Eschenbach, sprach sein lebhaftes Bedauern därüber aus, daß er es nicht besser getroffen habe, und fing dann, an die hingeworfeue Bemerkung Sandorhs an- bnüpfend, an, von der weltberühmten Gastlichkeit des russischen Adels zu sprechen.

Ja, dort muß sich's noch leben lassen", meinte er. Ich- habe glänzende Schilderungen von dem Leben auf solchen Schlössern gelesen. Aber sagen Sie mir doch mein verehrter Herr Sandory: eine Bärenjagd, das heißt, eine Jagd auf wirkliche, wild herumlaufende Bären, haben Sie tvohl niemals mitgemach,t?" ,

Der Gefragte lächelte in seiner leicht sarkastischen Weise.

Mehr als eine. Aber das ist nicht so gefährlich, wie es in den Kinderbüchern geschildert wird. Ein gutes Auge und eine sichere Hand machen die Sache harmlos wie einen Pürschgang auf Rehböcke."

,^st es möglich ?Ach, erzählen Sie mir doch etwas von einer solchen Jagd! Es mag Ihnen lächerlich Vor­kommen ; aber vielleicht gerade weil ich noch nie eine-Flinte in der Hand gehabt habe, höre ich, nichts lieber, als der­artige Geschichten."

Schluß folgt.

Großvaters Weihnachten.

Novellette von A. Dourliac.

Autorisierte UeberseHung aus dem Französischen von A. Heim.

Nachdruck verboten.

Es war ein strenger Frost; der Doktor Corda mochte sich noch so weit unter das Verdeck seiner Halbchaise zurück- Ziehen, sich noch so dicht in sein Plaid einwickeln und den getreuen Begleiter, seinen Hund, als Wärmflasche benutzen, der eiskalte Wind faßte ihn doch und ließ ihm die Glieder allmählich erstarren.

So war es denn auch wohl erklärlich, daß seine Ge­danken auf das behagliche Heim, die gut durchwärmte Stube und ein sorgfältig bereitetes Mahl gerichtet waren, und in feinem Verlangen, all diese Segnungen zu genießen, trieb er mit einem,, Liese" das Pferd zur Eile an.

Aber die Liese blieb plötzlich stehen und spitzte die Ohren . . .

Und Nero, der Hund, streckte den Kopf zwischen den Beinen seines Herrn hervor und fing ein wahrhaft unheim­liches Heulen an.

Der Wagen fuhr am äußersten Kaiufer der Stadt. Auf der anderen Seite hoben sich als dunkle Masse die 'Fabrikschlote des Arbeiterviertels gegen den sternenflim­mernden Nachthimmel ab, die glitzernden Mondstreifen spiegelten sich im Wasser und ließen hier und da einen Kahn mit Kohlen, Holz oder Steinen beladen, deutlich hervortreten, aber die gleiche weiße Schneedecke lag wie ein Leichentuch über allem.

St, Nero, sei ruhig!"

Und der Doktor beugte sich zum Wagen hinaus, um zu lauschen.

In der fast feierlichen Stille drangen Violintöne an sein Ohr; sie schienen gleichsam aus dem Wasser zu kommen und klangen so merkwürdig jammernd und traurig, daß der Doktor sich strammer aufrichtete, als wenn er den peinlichen Eindruck von sich abwehren wolle.

Das ist der alte Gillert, zum Kuckuck mit dem alten Narren!"

Er hob die Peitsche . . .

Aber über die Böschung tauchte eine Männergestalt auf, und eine Hand ergriff das Pferd am Zügel.

Sind Sie es, Doktor Corda?"

Jawohl, was ist los?"

Der Junge ist krank."

Na, was fehlt ihm denn?" fragte der Doktor, der beim Schein der Laterne einen der Kahneigentümer erkannt hatte.

Ja, wir wissen's nicht, drei Tage ist er nun schon sticht wie sonst; heute ist's noch schlimmer, er hustet gerade

wie Ihr Hund nichts für ungut, Herr Doktor und dann kriegt er keine Luft... als ich eben fortlief, um Sie zu holen, war er so zu sagen schon tot. . ."

Hm! könnte schon Krupp sein! ist jetzt überall. . . ich komme gerade aus Harly, wo mehrere Fälle sind."

Der Doktor nahm seine dicke Jnstrumententasche, schlang die Zügel des Pferdes um einen Baumstamm und folgte dem Mann die Böschung hinunter.

Was kommt denn nur dem alten Gillert bei, auf seiner Violine zu kratzen, wenn sein Enkelsohn im Sterben liegt?" ,

Ja, Herr Doktor, Sie wissen ja, der Alte ist nicht ganz richtig im Kopfe, aber er hat seinen Enkelsohn doch lieb."

Bald gingen sie über den schmalen Steg des Kahnes und befanden sich dem Musiker gegenüber.

Es war ein alter Mann, mager, kahlköpfig und ge­beugt, dessen Augen merkwürdig flackerten.

Aufrecht, ohne Kopfbedeckung, stand er auf der Brücke, und der kalte Herbstwind blies durch die dürftige Kleidung, sodaß der alte Mann vor Frost nur so zitterte.

Und dennoch spielte er, spielte mit einer wahren Leidenschaft, lauter alte Weihnachtsmelodien:Vom Himmel hoch, da komm ich her" und dann . . . fang er mit schwacher Stimme dazu als Begleitung.

Vater Gillert, bei solchem Wetter müßt Ihr nicht draußen bleiben, kommt herein!"

Nein! ... oh nein! . . . Herr Doktor... der Tod würde auch gleich- hinter mir hineinschlüpfen . . . ich muß aufpassen ... er kann nicht durch. . . seien Sie nur ruhig. Ja! Ja! er möchte schon meinen armen kleinen Tony nehmen . . . aber er soll ihn nicht haben."

Der Alte stand vor der Kajütentreppe, drohend, als wenn er sich einem Feinde gegenüber befände.

Laßt uns durch, Vater Gillert", sagte der Doktor und schob ihn sachte beiseite, ich muß 'mir den kleinen Patienten ansehen."

Der also Angeredete trat gehorsam zur Seite.

Kommt mit mir, Ihr könnt Euch den Tod holen, wenn Ihr hier draußen bleibt!"

Der Alte fing an zu lachen.

Das will ich ja. . . Herr . . . darum bitte ich jcr den heiligen Christ... er ist gut. . . der heilige Christ hat mir noch nichts abgeschlagen... er wird mich statt meines Enkelchens nehmen. . . darum stehe ich ja hier. . . und spiele ihm all die schönen Lieder."

Und von neuem fing er an:O du fröhliche, p du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit."

Vater Gillert" oderder verrückte Gillert", wie ihn die Straßenjugend nannte, war früher Musiker gewesen.

Nun war er 80 Jahre und fast kindisch.

Er hatte die Sucht, sich vom Kahne fortzuschleichen und ans Land zu gehen.

Dann schritt er tänzelnd und auf seiner alten Violine kratzend, in die nächstgelegenen Straßen und war in dem Wahn, eine fröhliche Bauernhochzeit anzuführen. Wie die Pilze nach dem Regen aus der Erde schießen, so kamen beim ersten Fidelstrich die Kinder herbei, und mit Johlen und Schreien:He, alter Gillert", liefen sie dem armen Manne nach!

Kinder sind grausam.

Und die Straßenjugend tanzte um den Alten herum, zupfte ihn am Rock, stieß und drängte und quälte ihn aus tausenderlei Art, bis eine kleine Hand die des alten Mannes erfaßte und eine sanfte Stimme schmeichelte:Komm' rasch, Großvater. . . wir suchen Dich überall."

Und der Enkelsohn brachte den Großvater wieder zurück und verstand es, die Vorwürfe der Eltern von dem Greis fernzuhalten:Ich bitte Euch, scheltet den Großvater nicht, er will es auch nicht wieder thun . . ."

Nein... ich thue es nicht wieder. . ." stammelte Vater Gillert dann . . .

Und bei der nächsten Gelegenheit schlich er wieder aus Land; denn das Leben auf dem Kahn mochte er gar nicht leiden.

Er kannte so viel schöne Dörfer, wo er überall aus den großen Wiesen den Bauern zum Tanz aufgespielt hatte, war so frei, durch das blühende, fruchtbare Land gewandert, und allüberall, wo er mit seiner Violine hin-