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itnb von der Landwirtschaft ist die Rede gewesen, ja sogar von der Mode und ihren Launen. Nichts, wo sie »richt Bescheid wußte, und welche richtige Auffassung, welches Verständnis, welche Reife des Urteils und dabei doch diese jugendliche Frische und Lustigkeit!
Ach! welch herrlicher Abend und welch reizendes Ge- schöpschen! Wie recht ich hatte, als ich mich so auf das Manöver freute, da ich „sie" dabei kennen lernte . . . ich bin 27 . . . viele Offiziere in meinem Alter sind schon verheiratet. . . Tochter eines Notars...
Und inzwischen sitze icfy an ihrem Schreibtisch, in ihrem Zimmer! Ja, ich habe das von meinem Burschen gehört, der weiß von dem Mädchen, daß dies das Zimmer des „gnädigen Fräuleins" ist. Hier lebt sie; ihre schönen Augen streifen über alles hin; diese Nippsachen werden jeden Tag von ihr berührt. Jeden Morgen sieht sie von ihrem Fenster den Garten, den tity jetzt betrachte. Es ist mir gerade, als wenn ich sie sehe, höre, ihre "Nähe spüre, hier in diesem Raum! Als ich erfuhr, daß ich ihr Zimmer inne habe, wollte ich fort, weil mir der Gedanke, sie vertrieben zu haben, schrecklich war. Dann aber überkam mich der Egoismus, die Freude, daß ich armer Zugvogel hier in diesem lauschigen Nestchen, in ihrem Reich, mich aufhalten kann!
Ernstlich erwogen! Ich habe ja manche Dummheit gemacht, aber es bleibt mir doch noch immer eine ganz nette Summe, außer meinem Offiziersrang . . . ich werde schon Carriere machen. Mit 30 Jahren kann ich Hauptmann sein. Ich habe einen guten Namen. . . warum nicht? Werde ich je wieder einer Elsa begegnen?
8. September.
Ach! In demselben Zimmer, in ihrem Zimmer, an ihrem Schreibtisch, wo ich gestern freudig bewegte Gedanken voller Hoffnungen auf die Zukunft niederschrieb, müß ich heute Mutlosigkeit und bittere Enttäuschung dem Papier anvertrauen.
Und doch! wie schön war der gestrige Tag! Nach dem Frühstück schlug ihr Vater einen Waldspaziergang vor; bei langem Plaudern, in welchem es mir war, als wenn ich sie immer gekannt hätte, habe ich noch mehr als am ersten Tage alle Herzens- und Geisteseigenschaften von Elsa würdigen können. Immer hatten wir dieselben Anschauungen über Menschen und Dinge. Und wie sie das sagte, was sie sagte, welch inniges Empfinden, ein poetischer Hauch ging von ihr aus. Ich bin ganz berauscht von dem Spaziergang heimgekommen.
Nach dem Abendessen, war ich mit ihr allein im Garten. Es war prächtiger Mondschein, die Luft so lind und weich. Ich schritt neben Elsa, entzückt von ihrer Nähe, und wir sprachen von dem Soldatenleben, von der Armee. Ich war erstaunt, welche genaue Kenntnis der militärischen Organisation sie besitzt, es ist gerade, als hätte sie sich speziell damit beschäftigt. Doch leider wurde es spät, wir mußten ins Haus; denn morgen früh 4 Uhr rücken wir aus. Ehe wir aber in den Lichtkreis des Hauses kamen, konnte ich mich nicht mehr bezwingen, das Herz klopfte mir zum Zerspringen, ich griff nach Elsas Hand und sagte mit zitternder Stimme:
„Gnädiges Fräulein, ich! muß fort. . . mir würde das Scheiden nicht so schwer werden, wenn ich hoffen dürfte, daß Sie sich auch dieser Leiden Tage erinnern würden, die Mir ewig unvergeßlich- bleiben werden . . . und wenn ich Sie eines Tages Wiedersehen dürfte."
„Gewiß, Herr Leutnant", war ihre Antwort, „ich werde gern an die angenehmen Stunden denken und der Zufall des Garnisonlebens wird uns vielleicht auch mal ein Wiedersehen bringen. . . .denn ich gehöre auch bald dazu. Hat Ihnen mein Vater nicht gesagt, daß ich mich Anfangs Oktober mit Herrn Robert Martin, Hauptmann bei der Artillerie, vermähle.? Er ist ein prächtiger Mensch, und jetzt auch im Manöver. Vielleicht treffen Sie ihn zufällig, und dann bitte ich Sie, ihm Grüße von seiner Braut zu bringen, die JhneU diese anvertraut."
Und mit ihrem reizenden Lächeln fügte sie hinzu: „Also auf Wiedersehen, Herr Kamerad" ....
Das ist das Ende von meinem Roman! 36 Stunden hat er gerade gedauert! Wenn Elsa morgen ihr Zimmer
wieder in Besitz nimmt, wird sie ahnungslos sein, was ich darin gelitten habe! Und was mich inmitten meines Kummers noch ärgert, ist, daß sie einen von der Artillerie heiratet! Wenn es wenigstens noch ein Dragoner gewesen wäre! .... Ich glaube, ich habe genug von meinen Tage- buchblättern.
Die Wettanschaunrrg Friedrich Nietzsches. Dargestellt von
Dr. Hugo Kaatz. Zwei Teile in einem Band. 1. Kultur und Moral. 2. Kunst und Lebeu. Mit einem Bildnisse Friedrich Nietzsches. Zweite Auflage. 1899. Dresden und Leipzig. Piersons Verlag. Preis 4 Mark.
Verfasser schreibt in der Vorrede unter anderem:
„Bei dein Wandel der Ansichten, wie er in Nietzsches Werken zu Tage tritt, kann für die Zwecke dieses Buches natürlich nur diejenige Weltanschauung in Betracht kommen, zu der sich Nietzsche schließlich durchgerungen hat. Sie beginnt in „Menschliches, Allzumenschliches" sich vor- zubcreircn und erhält ihren vollen Ausdruck in „Morgenröte", „Jenseits von Gut und Böse", „Genealogie der Moral" und „Fröhliche Wissenschaft", sowie in dem Pamphlet „Der Fall Wagner". In „Zarathustra" versucht Nietzsche dieser Wcltauffassung den höchsten Ausdruck zu geben, indem er sie in eine andere Sphäre entrückt. In „Götzendämmerung" endlich stellt er gewisse Konsequenzen derselben in gedrängtester Form noch einmal zusammen." .
Den Inhalt dieses Bücherkreises umfaßt die genannte Schrift. Unter Ausschluß jeder Kritik bringt sie nur die Anschauungen Nietzsches — und zwar, wo irgend angängig, mit Nietzsches eigenen Worten. So bleibt das Unmittelbare des Eindrucks gewahrt, was bei Nietzsche von ganz besonderer Bedeutung ist; denn selten noch sind Form und Inhalt zu einem so untrennbaren Ganzen zusammengeschmolzen worden, wie bei ihm.
Man kann dem Verfasser das Zeugnis nicht versagen, daß es ihm glänzend gelungen ist, seine Aufgabe, in das Verständnis Nietzsches cin- zusühren, zu lösen. Nietzsches Hingang rückt uns sein Leben näher; auch mancher Leser dcr„Familienblättcr" wird sich demzufolge damit beschäftigen. Eine mehr oder minder beschränkte Weltanschauung bildet sich wohl ein jeder, ob sie aber überall den Maßstab der Ehrlichkeit dermaßen verträgt wie die schrankenlose Nietzsches, bleibe dahingestellt. Ihm muß der Neid es lassen, daß er grundehrlich verfahren ist gleicherweise gegen sich wie gegen andere. Rücksichtslos und dabei rücksichtsvoll, unbarmherzig und dennoch liebreich zu sein, war seine Stärke. Wie selten einem gilt ihm der Wahrspruch: „Dieser ist ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfer sein!"
Ohne uns im übrigen zu seinen Anschauungen zu bekennen, musten wir doch Nietzsches durchdringende Geistesschärfe aufrichtig bewundern, und, obgleich er lauteres Mitleid für ein Unding erklärt, nötigt gerade sein herbes Mißgeschick uns solches ab.____ Bdt.
W. H. Riehls GeschichtenHid^Novellen. Gesamt-Ausgabe.
Erscheint vollständig in 44 Lieferungen zu 50 Pf., alle 14 Tage eine Lieferung. Stuttgart. I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H.
Die Lieferungen 32—37, die den 6. Band, den vorletzten der ganzen Sammlung bilden, enthalten den von Riehl unter dem Namen „Feierabend" vereinigten Novellenkranz.
Der Wunsch, den der Verfasser, in dem als Vorwort gedruckten launigen Begleitbrief an einen musikalischen Freund, zum Ausdruck bringt: daß aus diesen Erzählungen etwas vom Frieden feierlicher Augenblicke, den er bei der Entwerfung empfunden, auf die Leser übergehen möchte, ist schon an Tausenden in Erfüllung gegangen und wird gewiß noch an vielen Anderen Erfüllung finden. Denn als unalternd erweist sich ja, mitten im Gedränge neuer und neuester Litteratur- bestrebungen, die Riehl'sche Kunst.
Ihre architektonisch-musikalische Eigenart, von der jene besänftigende, friedengebendc Wirkung ausgeht, tritt in dem Aufbau der Novellen gerade dieses Bandes (Das verlorene Paradis, Wanda Zalnska, Seines Vaters Sohn, Mein Recht, Burg Neidcck, der alte Hund) ganz besonders hervor. Riehl giebt sogar den scherzhaften Rat, die Sachen in gewissen verschiedenen Tempi zu lesen.
Es ist ein Scherz, hinter dem aber ein tieferer, berechtigter Smn sich verbirgt. ----------------
Logogriph.
Nachdruck verboten.
Mit goldigem Glanze und ehernem Ton, Und doch nur ein Bastard, ein Mischlingssohn! Vertausche mein „g" in ein „a", und ich werde Ein üppiger Garten auf südlicher Erde, Am Mittelmcer; an gesegnetem Strand
Beschenk' ich mit goldenen Früchten das Land. m.
Auflösung in nächster Nummer. ,
Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer: Aster Saul
Tum
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»tWkteR: e. Bur^rht. — Druck und «erlag der Brühl sch-n U«i»rrsit«tS.Buch. und Steiudruckerei (Pietsch Lrberr) in Bi-ßen.
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