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aber müßt Ihr Euch anderswo nach, Arbeit umsehen. Man wird Euch Euren Lohn auszahlen und Euch überdies eine Wegzehrung reichen. Das ist alles, was" ich für Euch thun kann".
Die Brust des Mannes hob sich in einem tiefen Atemzuge. Ein wahrhaft unheimlicher Blick wütenden Hasses traf das Gesicht seiner schönen, jungen Herrin, aber er erwiderte nichts mehr. Wortlos stülpte er die Mütze auf das graue Haar und wendete sich zum Gehen. In der nächsten Minute schon war seine hagere, sehnige Gestalt in der Dämmerung zwischen den Wirtschaftsgebäuden verschwunden.
(Fortsetzung folgt.)
Derby und Bankholidah.
Eine Plauderei aus England. Von Leopold Kätscher. Nachdruck verboten.
Wer wüßte nicht, was „der Derby" ist? Man hat das unter diesem Namen bekannte große Pferderennen, das alljährlich zu Epsom, einem auch, wegen seiner Bittersalz- quellen berühmten Städtchen^ vor sich geht, nicht mit Unrecht „die isthmischen Spiele der Engländer" genannt. Gewisse blasierte Cyniker behaupten, seit einigen Jahren habe dieser nationale Festtag ausgehört, unterhaltend zu sein, er weise keine Heiterkeit oder Lustbarkeit mehr auf, es herrsche beim Derby keine Aufregung mehr. Das ist aber falsch. Die frühere „Heiterkeit" und „Aufregung" herrscht freilich nicht mehr, und das ist gerade recht erfreulich Es kommt ganz darauf an, was man unter Spaß und Scherz, unter Lustigkeit und Amüsement versteht. Die Zeiten ändern sich eben, und das ist ein Glück. Vermissen jene Blasierten etwa die rohen Scherze, die den Derby einst kennzeichneten, die empfindlichen Blasrohre, die umhergeschleuderten Mehldüten, die falschen Nasen, oder die scheußlichen Masken? Ehemals galt kein Derby für regelrecht, wenn nicht eine Anzahl anständiger Menschen auf der in Staub gehüllten Landstraße mit schlimmen Subjekten in ein Handgemenge gerieten. Kindischen Blödsinn sah man für Humor an, und die Narren, die den tollsten Mummenschanz trieben, wurden als die besten Gesellschafter betrachtet. Jetzt ist beim Derby von alledem freilich fast gar nichts zu sehen; aber der Umstand, daß die ungeheure Volksmasse sich heutzutage geziemend und anständig zu benehmen pflegt, berechtigt noch nicht zur Behauptung, daß die Leute den Sinn für ein richtiges Vergnügen verloren haben.
Je schöner das Wetter, desto gewaltigere Volksmassen wallfahrten nach Epsom, desto gemütlicher ist die Stimmung des Publikums. In einer so ungeheuren Menschenansammlung kann es selbstverständlich niemals an Gaunern, Bettlern und Landstreichern fehlen; allein während diese Elemente früher eine peinlich hervorragende Rolle spielten, machen sie seit einigen Jahren sich nur in ganz geringem Maße bemerkbar, und die Menge beträgt sich friedlich und unaufdringlich. Alljährlich erscheint das englische Thronfolgerpaar nebst mehreren anderen Mitgliedern der königlichen Familie auf dem Rennplätze.
Eine oder die andere Gruppe hochstehender oder offizieller Persönlichkeiten nimmt ihr Gabelfrühstück unter entsprechend eingerichteten Zelten ein. Nach der traditionellen Theorie mag es vielleicht regelrechter sein, im Freien zu sitzen, den Teller auf dem Schoß zu halten, wegen des Gleichgewichts der Trinkgläser fortwährend in Angst zu sein und nach der Mahlzeit die Abfälle ins Gras oder auf die Straße zu werfen; minder „romantisch", dafür aber zweifellos angenehmer und bequemer ist es, unter Dach und Fach an einem Tische behaglich essen und dann das Wettrennen ungestört, das heißt ohne Rippenstöße mit ansehen zu können. Hat man nach der Ankunft in Epsom auf der Wiese oder dem Hügel Posto gefaßt, so hat Man hauptsächlich dreierlei zu thun: die Ankommenden zu mustern, dann zu speisen und schließlich ob des Wettrennens in Aufregung und Begeisterung zu geraten. Die erstgenannte Beschäftigung wird immer wichtiger; denn die besser situierten Klassen machen von Jahr zu Jahr Fortschritte in der Auserlesenheit der Toiletten, in denen sie beim
Derby erscheinen. — Zwischen dem Essen und dem Beginn des Wettrennens begeben sich viele auf den eingehegten, ungemein ruhigen, selbst in der Sonnenhitze erfrischend kühle« Weideplatz, wo die Anwesenden lautlos durchs hohe, blumenbesäete Gras wandeln, von den Bewegungen der hier weidenden Pferde angezogen und außer stände, den Derbylärm zu hören oder das bunte Treiben der Menge zu sehen. Kaum gießt jedoch der Polizei-Inspektor das Zeichen zum Beginn der Prozession, stürzt jedermann aus der Einfriedigung, um auf den Schauplatz des Wettrennens zurückzueilen. Alsbald bemächtigt sich des Publikums eine gewaltige Aufregung, Teller und Schüsseln, Gläser und Messer, Gabeln und Löffel werden zur Seite geworfen, die leeren Flaschen unter die Wagen geschleudert, alle verfügbaren Sitze erklommen und sämtliche vorhandenen Turf- Fernrohre auf das höchst bemerkenswerte Schauspiel gerichtet. Natürlich kann nur ein verhältnismäßig geringer Teil der Myriaden das eigentliche Rennen deutlich sehen; die Uebrigen erwarten mit Spannung das Glockenzeichen, und alle verhalten sich so mäuschenstill, als hätten sie den Atem verloren. Plötzlich ertönt eine Stimme, gleich darauf ein Dutzend, dann Tausende und bald schreit die ganze Versammlung aus vollem Halse den Namen des gewinnenden Pferdes. Endlich macht sich die verhaltene Aufregung bei den Gewinnenden wie bei den Verlierenden in einem allgemeinen tiefen Aufseufzer Luft. Das Volk auf der Wiese beginnt zu tanzen, die andern besteigen ihr Pferd, ihren Wagen oder einen Eisenbahnzug, um nach Hause zurückzukehren und — der Derby ist vorbei!
Der Derby ist zwar ein nationaler Festtag, aber er kann doch nur von Leuten mitgemacht werden, die ihr Alltagsberuf nicht von Epsom fernhält. Anders ist es mit den sogenannten „Bankseiertagen". Diese können von jedermann oder doch von den allermeisten gehalten werden. Da die Sonntagsfeier in England bekanntlich eine ungemein strenge ist, haben die Leute, die die ganze Woche hindurch beschäftigt sind, äußerst selten Gelegenheit, die öffentlichen Sammlungen — Museen, Bildergallerien usw. — oder die Vergnügungslokale — Theater, Aquarien, Tiergärten, Unterhaltungspaläste und dergleichen — zu besuchen. Vor einer Reihe von Jahren nun wurde aus Betreiben des berühmten Naturforschers Sir John Lubbock, der auch Bankier und Parlamentsmitglied ist, ein Gesetz geschaffen, wonach alljährlich an vier Werktagen alle Bankhäuser gesperrt zu bleiben häten, um den Angestellten Gelegenheit zu geben, manches mitzumachen, was ihnen sonst unzulänglich! bliebe. Bald wurde das humane Gesetz auf sämtliche Geschäftshäuser, Fabriken, Werkstätten ausgedehnt, die betreffenden Tage aber, der Ostermontag, der Pfingstmontag, der erste Montag im August und der Tag nach dem Weihnachtstag — heißen noch immer „Bankferien". Der Montag wurde gewählt, weil die Leute, wenn sie wollen oder können, dadurch in der Lage sind, Samstagabends auf das Land, an die Seeküste oder sonst wohin zu reisen, um bis Dienstagmorgens zu bleiben. An diesen Tagen sind denn auch — mit Ausnahme der Tabakläden, der Wirtshäuser und der Zuckerbäckereien, alle Ge- schäftslokale gesperrt, sogar die meisten Postämter; selbst die Briefträger haben von neun Uhr morgens bis acht Uhr abends Ruhe. Natürlich hängt der Erfolg der Bankholi- days größtenteils vom Wetter ab. Die „Priester des heiligen Lubbock" — so nennt man scherzhaft jene, die an diesen Feiertagen etwas mitmachen — flehen jedesmal schon längere Zeit vorher den „Clerk of the weather", den „Wettergott", um schönes Wetter oder doch mindestens ein trockenes Firmament an. Werden die Gebete von dieser ebenso wichtigen, wie einflußreichen Persönlichkeit gnädigst erhört, so hat das zur Folge, daß die Eisenbahn-Gesellschaften und die Besitzer aller übrigen Beförderungsmittel, sowie der Vergnügungsstätten glänzende Geschäfte machen.
Genreinnütziges.
Rohrgeslecht zu spannen. Das Rohrgeflecht bei Stühlen wird wieder straff und fest, wenn man den Stuhl stürzt, das Rohrgeflecht mit ganz heißem Wasser mittels eines Schwammes recht gründlich anfeuchtet und abwäscht, sodaß sich! das Rohrgeslecht tüchtig mit Wasser an-


