1900.
MW
WS
'st das leichteste Spiel von allen.
Stelle dich selber dar, Und du läufst nie Gefahr, Aus deiner Rolle zu fallen. Rückert.
(Nachdruck verboten.)
Geächtet.
Nomau von Lothar Brenkendorf.
iForrseyuug.)
Die Kleine konnte ihre Betroffenheit nicht ganz verbergen. „Wirklich ? Wir werden hier immer mutterseelen- allern für uns bleiben müssen? Das ist freilich nicht sehr- verlockend. Aber ist es denn gar so weit von Königsberg bis Lasdehnen?"
Die Frage war ihr augenscheinlich halb gegen ihren Willen entschlüpft, denn sie wurde sehr rot, noch ehe das letzte Wort heraus war, und als sie es nun gar wie ein verständnisvolles Lächeln um Elisabeths Lippen zucken sah, hätte sie gewiß am liebsten ganz auf eine Antwort verzichtet. Aber es war zu spät, und sie mußte es schon geschehen lassen, daß die Freundin neckend erwiderte: „Von dort her also erwartest Du das §eü? Und die gelegentlichen Besuche eines gewissen Leutnants vom Kii- rassierregiment Möllendorf würden Dir vielleicht sogar die angenehmen Nachbarfamilien ersetzen, auf deren Vorhandensein iä) Dir leider keine Hoffnung machen darf?"
„Ach, Du bist garstig", schmollte Charlotte. „Als ob es iii Königsberg nicht auch noch andere Leute gäbe! Am Ende glaubst Du gar, ich verginge in Sehnsucht nach einem Menschen, der so unbeständig ist, daß er nur den Rücken zu wenden! brauchte, um uns alle; miteinander zu vergessen".
„Jedenfalls hat es nicht den Anschein, als wärest Du auf dem Wege, ihm Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Wie lange ist es wohl her, daß Du zum letzten Male von ihm geträumt haft?"
Jetzt glühte das Fräulein von Menzelius wie eine Päonie. „Wenn ich von ihm geträumt hätte, wäre ich etwa dafür verantwortlich? Aber es ist auch gar nicht wahr. Dieser Herr von Kapnist ist mir höchst gleichgiltig, o so gleichgiltig! Ich wünschte wahrhaftig, er käme einmal Yrerher, nur, damit ich Euch endlich beweisen kann, wie gleichgiltig er mir ist".
Diese Versicherung wäre ohne Zweifel viel glaubhafter- gewesen, wenn sie in einem minder leidenschaftlichen Tone abgegeben worden wäre, und wenn nicht zugleich ein paar Helle Thränlein in den hübschen Augen gefunkelt hätten.
Elisabeth aber kam nicht mehr dazu, einem etwaigen Zweifel Ausdruck zu geben, denn nun erschien auch! Frau von Menzelius, und mit ihrem Eintritt war das Thema sofort abgethan. Die junge Gutsherrin rief ihre Zofe und befahl ihr, sich nachj dem Stande der Vorbereitung für das Abendessen zu erkundigen. Es gab eine neue Ueberraschung, als das Mädchen mit der Meldung zurückkam, man habe rn der Küche nur aus den Befehl des Servierens gewartet, und als in der That kaum fünf Minuten später ein Mahl aufgetragen wurde, dessen Reichhaltigkeit und vortreffliche Herrichtung alle Hoffnung weit übertraf. Frau von Menzelius, die auf diesem Gebiete sachverständiger war, als auf irgend einem anderen, erging sich in beinahe feurigen Lobeserhebungen auf den trefflichen Wülfing, der in ihren Augen mehr und mehr zu einem wahren Hexenmeister wurde. Wenn ihr auch das Opfer, das sie Elisabeth mit dieser Uebersiedelung gebracht hatte, noch immer als ein geradezu heldenhaftes erschien, so begab sie sich doch eine Stunde später in viel besserer Stimmung zur Ruhe, als sre es beim ersten Anblick der Schloßruinen für möglich gehalten hätte.
m In der Frühe des nächsten Tages, als ihre beiden Reisegefährtinnen noch im süßesten Schlummer lagen, begann Elisabeth unter der Führung des Verwalters mit der Besichtigung ihres Gutes. Schon der Besuch der Stallungen und der übrigen Wirtschaftsgebäude lieferte ihr den Beweis, daß er keineswegs übertrieben hatte, wenn er in seinen Berichten immer wieder von der Übermensch^ lrchen Arbeit gesprochen, die er in ihrem Interesse auf >lch genommen. Was er da innerhalb dieser wenigen Monate mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln aus Schutt und Trümmern hatte neu erstehen lassen, war des höchsten Lobes wert, und sie versagte ihm ihre Anerkennung nicht. Noch auffälliger aber offenbarten sich ihr die Erfolge seiner Thätigkeit bei einem Ritt über die Felder, an deren Bestellung die Leute überall mit sichtlichem Eifer thatng waren. In weitem Umkreise schon hatte er den verwahrlosten Boden für eine nutzbringende Bebauung zurückgewonnen, und er durfte wohl mit berechtigtem Stolz aussprechen, daß man für diesen Sommer sicherlich in ganz Litauen nirgends eine reichere Ernte erhoffen durfte als hier in Lasdehnen.
Dabei war sein Benehmen gegen Elisabeth vollkommen musterhaft und gab ihr nicht den geringsten Anlaß, die Mahnung vom gestrigen Tag zu wiederholen.
Wohl bedienten sie sich, wenn sie ohne Zeugen waren, m ihrer Unterhaltung des verwandschaftlichen Du; doch Franz von der Röcknitz bewahrte trotz dieser vertraulichen Anrede auch dann die bescheidene Haltung eines Untergebenen, der seine Meinung nur zu äußern hat, wenn er ausdrücklich darum befragt wird, der in ge-


