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Die Bahn dorthin führt ans der ganzen Strecke durch I ebenes Land, das vielfach an unsere norddeutsche Heide I erinnert. Rote Erikablüten reichlich zu beiden Seiten des Schienenweges; dazwischen weißes und gelbes Blnmen- gewächs in Massen; und uns unbekannte wundersame tulpenähnliche, rot und weiß geflammte Kelche aus hohem struppigen Busch; hier und da glitzernde Sumpfflächen und flache Wassertümpel vom Regen her. Hin und her über die Ebene zerstreut bis an den Fuß des hohen felsigen Gebirgszuges liegen die Gehöfte der Ansiedler, der unter britischer Herrschaft stehenden Bnren. Die Häuser sind durchgängig im alten holländischen Stil mit ausgeschweiftem Bogengiebel gehalten; niedrige, tadellos weiß getünchte Häuser, oft mit Strohdach, immer mit grünen Thüren und Fensterläden; teils kleine Ansiedlungen, teils stattliche, große Bauernhöfe von jungem oder altem Baumwuchs umhegt, unter dem die Eiche, der Eukalyptus, eine Kiefer mit dichter, runder Krone und eine sehr schmalblätterige Weide obenan stehen. Auf den Aeckern wurde fleißig gearbeitet. Sechs Rinder oder vier Pferde zogen den Pflug; auf dem Meidegrund dort hatte sich eine Herde langhaariger weißer Angoraziegen zerstreut, drüben gingen träge und behaglich Kühe mit riesigen Hörnern ihrer Nahrung nach; und dort in dem großen Gehege jagten mit langem hochbeinigen Hahnentritt und gehobenen Flügeln Strauße einher; das wertvollste Besitztum des jetzigen Farmers. Lächerlich langbeinig und dumm von Angesicht tollten sie in den ihnen gesteckten weiten Grenzen oft in bedeutender Zahl einher. Die Weibchen in ihrem grauen Kleid machen wenig Staat; aber die schwarzen Männchen mit dem Schmuck der prächtigen weißen Flügel- und Schwanzfedern sehen, besonders in hastiger Bewegung, gut aus. Seit Anfang der 60 er Jahre ist die Aufzucht zahmer Strauße erst in Angriff genommen; heute werden-in allen Teilen der alten Kapkolonie, die so groß ist wie das Deutsche Reich und die Schweiz, wohl zweimal hundert- tausend dieser Riesenvögel gehalten, dagegen ist der wilde Strauß hier ganz verschwunden. Die besten Federn, ganz lange, tadellose Ware, kosten das Pfund 500 bis 800 Mark. Einzeln sind sie unter 10 bis 16 Mark nicht zu haben. Der Preis eines ausgewachsenen Vogels, der Federn im Wert von 100 Mark im Jahr abgeben kann, soll bis zu 1000 Mark betragen.
Schon längst waren uns längs der Bahn Aecker ausgefallen, die in dieser Winterzeit Aehnlichkeit hatten mit heimischen Kartoffelfeldern im Herbst, wenn die Stauden blattlos abgewelkt stehen. Aber die Stengel waren zu dick und zu holzig für unsere werten Erdäpfel. Das waren die Weinfelder, auf denen das berühmte Gewächs, „Kapwein" geheißen, gebaut wurde, erzeugt von Reben, die in der flachen Ebene in Reihen gepflanzt, ohne Stöcke und anderen Hält in Buschform gezogen werden. Das Holz war jetzt etwa zwei Fuß vom Boden zurückgeschnitten; die Hauptstämme zuweilen von Armdicke. Die Rebe muß riesig ausdauernd sein. In Paarl wurde uns ein Acker gezeigt, der mit 120 jährigem Gewächs bestanden war!
Hier in Paarl wurden wir mit heller Begeisterung ausgenommen. Wir mußten eine Hängebrücke besuchen, die über einen Fluß oder Bach gespannt war, der im Hochsommer gar kein, und jetzt wenig Wasser hatte, und ein Wasserloch, in dessen Nähe wilde Oliven, Eichen, Bambu, echte Kastanien, Pisungs einträchtig beieinander wuchsen; wir freuten uns über das liebliche Bild der Hecken von blühenden dunkelroten Rosen, abwechselnd mit solchen von scharlachfarbenem Geisblatt, welche die Gärten voneinander schieden, während rohere Gemüter sich des stachlichten Kaktus oder der spitzen Aloe bedienen, von der der Dichter singt: „Setzt man sich drauf, dann thut es weh". Wir ließen „Setzt man sich darauf, dann thut- es weh". Wir ließen uns von dem einen Ansiedler erzählen, daß seit 210 Jahren sein Geschlecht auf diesem Boden Hause, auf dem er uns seine vorzüglichen schweren Weinproben vorsetzte, und schauen hinüber nach den Bergen, in dbnen flüchtige Zebras und bösartige Leoparden Hausen sollten/ — Paarl ist ein altholländischer Name; Stellenbosch und andere ähnlichen Klanges geben Kunde von der Zeit, in der bis 1806 Kap- land Kolonie der Niederlande war. Es wird noch jetzt viel
fach „dutch", d. h. holländisch gesprochen, ebensoviel aber das „properly afrikander", ein Gemisch von holländisch, englisch und malayisch. Auch die ungeheuren Karren, bespannt mit sechszehn Ochsen, fehlten nicht am Wege, neben hocheleganten Gigs oder einer uralten Burenkutsche, die von dem vierspännigen Postwagen im schlanken Trabe überholt wurde, der, hochbepackt nach Norden, ins Innere seinen Weg nahm.
Jetzt haben die englischen Divisionen denselben Weg genommen. Nicht alle werden auf ihm zurückkehren! Die Buren schießen zu gut.
Literarisches.
Preisausschreiben. In der ersten Nummer des 1900 er (19.) Jahrgangs der „Gefiederten W e l t", begründet von Doktor Karl Ruß, erläßt die, jetzige Schristleitung zwei Preisausschreiben zu je drei Preisen — das erste für die beste photographische Ausnahme öoit lebenden Stubcn- vögeln (erster Preis Mk. 30.—, zweiter Preis Mk. 20.—, dritter Preis Mk. 10.—), das zweite für die beste Schilderung einer selbst betriebenen Zucht einheimischer Stubenvögel mit einer guten Zeichnung oder Photographie (erster Preis Mk. 50.—, zweiter Preis Mk. 30.—, dritter Preis Mk. 20.—) — für welche bei der Verbreitung der Bogel-Liebhaberei voraussichtlich auch in unserem Leserkreise lebhaftes Interesse vorhanden sein wird. Indem wir die Vogel-Liebhaber aus unserem Leserkreise auf obige Preis - Ausschreiben Hinweisen, teilen loir ferner mit, daß die C r e u tz ' s ch e Verlags-Buchhandlung in Magdeburg die Bedingungen zur Teilnahme am Wettbewerb auf Wunsch gern durch kostenlose und postfreie lleber- sendung jener ersten 9hmtmcr der „Gefiederten Welt" bekannt geben würde. Preisrichter sind: 1. Prof. Paul Meherheim, Mitglied der Königl. Akademie der Künste, 2. Dr. Ludwig Heck, Direktor des zoolog. Gartens zu Berlin, 3. Karl Neunzig, der Herausgeber: der „Gefiederten Welt".
Von deutsche Kunst und Dekoration Verlag von Alexander- Koch, Darmstadt (Preis jährlich 12 Hefte Mk. 20,—, Einzelhefte Mk. 2,—, ) erschien soeben Heft 4 des dritten Jahrganges unter dem Son- dertitel: Dresdner Kunstausstellung Heft 2. Plastik, Malerei, Keramik, Metall-Erzeugnisse, Buch-Schmuck. Dasselbe enthält: Nachklänge von der Dresdener Kunstausstellung (von Dr. Jean Louis Sponsel Dresden.) Hans Unger (von Dr. Hans W. Singer Dresdens Paul Dubois (von Oktave Maus Brüssel.) Wettbewerbe. Kleine Mitteilungen. Atelier- Nachrichten. Außerdem farbige Beilagen außerhalb des Textes Vollbildcr und Illustrationen im Texte in reichem Wechsel. Das durchaus zeitgemäße vornehme Unternehmern immer wieder zu empfehlen, halten wir für eine Ehrenpflicht.
Lexikon der Metall-Technik. Handbuch für alle Gewerbetreibenden und Künstler auf metallurgischem Gebiete. Enthaltend die Schilderung der Eigenschaften und der Verwertung aller gewerblich wichtigen Metalle, deren Legierungen und Verbindungen. Unter Mitwirkung von Fachmännern redigiert von Dr. Josef Bersch. Das Werk ist vollständig in 20 Lieferungen zu 50 Pfg. Auch in zwei Halbbänden geh. ä 5 Mk., oder in einem elcg. Halbfranzband gebunden 12 Mk. 50 Pfg. komplett zu haben. (A. Hartleben's Verlag in Wien.) Das einstimmige Urteil berufener Fachleute über dieses nunmehr vollendet vorliegende Werk stimmt mit jenen, welche uns während des Erscheinens der einzelnen Lieferungen zugckommen sind, in allen Dingen überein. Dasselbe ist ein bis in die kleinsten Einzelheiten und unter Berücksichtigung des neuesten Standes der Wissenschaft und Technik abgefaßtcs Werk, in welchem alles enthalten ist, was dem Metalltechniker im umfassendsten Sinne des Wortes an fachlichem Wissen notwendig. Das Lexikon der Metall-Technik ist daher ein encyklopädisches Werk von hervorragend praktischem Werte, da es als Unikum in der Fachliteratur für jeden Metall-Techniker ein in allen Fragen sicheren Aufschluß erteilendes Handbuch bildet.
Magisches Quadrat.
(Nachdruck verboten.)
■——।---- In die Felder nebenstehenden Quadrates sind
die Buchstaben a a, d, e e, f f, 1 I, o o, p, r r, u, w derart einzutragen, daß die wagerechten und
I 1 senkrechten Reihen gleichlautend solgendes ergeben: 1. Wildes Raubtier.
1_____ 2. Musikalisches Werk.
3. Mythologischen Namen.
---------- 4. Einen Titel.
(Auflösung folgt in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Besser nubegonncn als unbesonnen.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Neben) in Gießen.


